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Schnipp schnapp – Haare ab: Doris Möller-Espe vom Kinderschutzbund (links) schaut Friseurin Michaela Maric (rechts) beim Haareschneiden über die Schulter: Mutig hat sich die alleinerziehende Lydia M. für einen Kurzhaarschnitt entschieden. Foto: Seibel
Schnipp schnapp – Haare ab: Doris Möller-Espe vom Kinderschutzbund (links) schaut Friseurin Michaela Maric (rechts) beim Haareschneiden über die Schulter: Mutig hat sich die alleinerziehende Lydia M. für einen Kurzhaarschnitt entschieden. Foto: Seibel
17.12.2012

Meisterinnen der Friseurinnung Pforzheim schneiden bedürftigen Müttern die Haare

Für wohlhabende Menschen ist es selbstverständlich, sich beim Friseurbesuch einen Haarschnitt der Extraklasse verpassen zu lassen und obendrein noch mit manikürten Händen in die wohlig warme Wohnung zurückzukehren. Der Wunsch nach kosmetischen Behandlungen bleibt bei gestressten Alleinerziehenden, die nicht wissen, wie sie über die Runden kommen sollen, oft auf der Strecke.

Hierfür haben sich Doris Möller-Espe, Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes Pforzheim Enzkreis und Nuray Aydin, Obermeisterin der Friseur-Innung Pforzheim, etwas ausgedacht: Pünktlich zur Adventszeit durften sich vier bedürftige Mütter mit einem kostenlosen Haarschnitt verwöhnen lassen.

Die Aktion fand am Montag in den Räumen der Friseur-Innung statt. Dort angekommen, erzählte Lydia M. (Name von der Redaktion geändert) von ihrem Glück, das sie kaum fassen konnte: „Ich habe Freudensprünge gemacht, als ich vom Kinderschutzbund gefragt worden bin, ob ich Interesse an einem neuen Haarschnitt hätte. Als alleinerziehende Mutter von vier Kindern war ich bestimmt schon zwei, drei Jahre nicht mehr beim Friseur.“ Nun war es so weit. Der heiß ersehnte Friseurbesuch stand bevor. Natürlich habe sie sich im Vorfeld schon Gedanken über ihren neuen Haarschnitt gemacht. „Kurz soll er werden“, sagte die Frau mit den langen blonden Haaren – ganz nach dem Motto „Wennschon , dennschon.“

Immer öfter stecke sie zurück, um ihren Kindern etwas bieten zu können. Als ihr Ramisa Mustafa, Auszubildende im ersten Lehrjahr, während des Haarelassens eine Handmassage anbot, sagte Lydia M. „Das ist zu viel auf einmal“. Sie konnte es offensichtlich nicht fassen, dass sich auch mal jemand um sie kümmert. Drei Stunden dauerte die Aktion. Zeit, die alleinerziehende Mütter eigentlich nicht haben.

„Bedürftige mit einem schicken Haarschnitt zu überraschen, war ein spontaner Einfall“, sagt Doris Möller-Espe. Kaum war die Idee geboren, habe sie die Obermeisterin der Friseur-Innung angerufen und um Mithilfe gebeten. „Ich war total begeistert vom Vorhaben des Kinderschutzbundes“, sagte Aydin. Auch der Vorstand der Friseur-Innung habe dem Projekt sofort zugestimmt. Somit stand der gestrigen Veranstaltung nichts im Wege. Insgesamt fünf Friseurinnen waren vor Ort, um den Frauen ehrenamtlich die Haare zu schneiden. Handmassage, Maniküre und Make-Up inklusive.

„Auf alle Fälle wird der Kinderschutzbund mit den Innungsmitgliedern in Kontakt bleiben, um das Projekt nächstes Jahr eventuell etwas größer aufzuziehen. Wir wollen auch Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit bieten, sich verwöhnen zu lassen“, sagt Möller-Espe.