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Hurra: Das Team der mobilen Kinder- und Jugendarbeit – Patrick Haas, Stadtjugendring-Geschäftsführerin Alison Bussey, Robin Schneider, Zoe Schmidt und Mathis Vogt (von links) – freut sich schon jetzt auf ein neues E-Spielmobil, mit dem sie ökologisch nachhaltig Projekte in Pforzheim und dem Enzkreis gestalten können.  Foto: Meyer 

„Menschen in Not“ hilft Stadtjugendring beim Kauf. E-Spielmobil kommt

Pforzheim. „Der Fachbereich mobile Kinder- und Jugendarbeit (Moki) setzt sich schon seit langem mit Nachhaltigkeit auseinander und hat sich ökologische Mobilität auf die Fahnen geschrieben“, sagt Alison Bussey, Geschäftsführerin des Stadtjugendrings. Alle Fahrräder, sowohl dienstlich als auch privat, seien E-Bikes. „Menschen in Not“ habe bereits vor zwei Jahren das E-Lastenfahrrad für Moki bezahlt, so Bussey weiter. Das Gefährt ist ein Hingucker: egal, ob im Schulhof oder auf dem Weg dorthin. Ebenso hat „Menschen in Not“ den Erwerb des E-Kochrads unterstützt.

Nun geht es um das Transportmittel des Stadtjugendrings schlechthin: das Spielmobil. Egal, ob Ferienprogramm, größeres Fest, Kindertag oder Schulaktionstage in Pforzheim und der Region – das Spielmobil ist dabei und das, obwohl es schon seit längerer Zeit seine Macken hat. „Das Fahrzeug haben wir vor mehr als zehn Jahren von einem Autovermieter gekauft, und es hatte schon damals einiges auf dem Buckel“, erinnert sich Robin Schneider, Leiter der mobilen Kinder- und Jugendangebote. Seit Moki die E-Gefährte hat, wurden die Einsätze des Dinosauriers Spielmobil reduziert. Deshalb soll nun ein E-Spielmobil gekauft werden.

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Das Spielmobil ist in die Jahre gekommen. Nicht selten müssen Moki-Mitarbeiter wie Zoe Schmidt das Gefährt selbst wieder flottmachen. Foto: Meyer

Die Lieferzeit des rund 65.000 Euro teuren Gefährts liegt bei rund sechs Monaten. „Menschen in Not“ wird den Kauf mit 20.000 Euro unterstützen. „Aufgrund von Corona ist das große Spielmobil, das mehr Möglichkeiten als das E-Lastenrad bietet, eher in die zweite Reihe gerutscht“, berichtet Schneider. Nichtsdestotrotz: Vor Corona war das Spielmobil mindestens dreimal pro Woche im Einsatz. Vor allem im Herbst und Winter ist das Moki-Team auf es angewiesen. „Wenn das Wetter zu unbeständig ist, werden die Wege mit dem Lastenrad zu beschwerlich.“

Pädagogisches Angebot wichtig

„Gerade in Pforzheim, wo die Kinderarmut in einigen Stadtteilen bei über 40 Prozent liegt, ist es wichtig, dass gerade diese Kinder erreicht werden“, so Schneider. Es sei sinnvoll, allen betroffenen Mädchen und Jungen ein pädagogisches Angebot zu machen. „Die Gefahr ist groß, dass die Kinder, die von Armut betroffen sind, aus der Spirale nicht mehr rauskommen“, weiß der Moki-Leiter. Diese Spirale könne nur durch gute Freizeitangebote gestoppt werden. Sie dürften nicht den Kontext herstellen: „Ich bin hier, weil meine Eltern arm sind.“ Kinder kommen, dürfen sein, dürfen mitmachen, dürfen ihre Stärke entdecken. „Wir gehen mit einer sagenhaften Bandbreite raus“, verrät er weiter. Die Qualität könne allerdings nur durch Dritte – wie „Menschen in Not“ – aufrechtgehalten werden.

„Der Stadtjugendring Pforzheim muss nicht mit doppelter Moral leben“, so Schneider weiter. „Vielen ist der pädagogische Inhalt wichtig. Dafür fahren sie mit stinkigen Diesel-Traktoren rum und schieben Bauwagen hin und her.“ Das sei in Pforzheim anders und deshalb so besonders.

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Das Spielmobil hat zwar viel Ladekapazität, wegen seiner Unzuverlässigkeit wird es aber kaum noch genutzt. Foto: Meyer

Wenn das Moki-Team mit dem Spielmobil draußen ist, dann werden überwiegend Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren angesprochen. „Aber der öffentliche Raum hat eine andere Dynamik.“ Dort könne Freizeit gelebt werden. Enz, Nagold und Würm mit ihren Auen wie auch die Plätze bekämen eine besondere Bedeutung. „Hier kann man sich treffen und austauschen.“ Gerade wenn das Team an der Inselschule sei, komme ein bunter Haufen Mütter, Kleinkinder bis hin zu Älteren. „Vor Ort geben wir allen Impulse mit.“

Gerade beim Spielen finde Förderung statt. Kinder möchten ihrem Spiel Inhalt geben, leider oft gewaltverherrlichend. Das seien Elemente aus Video-Spielen wie Fortnite. Und so bekämen Spiele wie Fangen, Verstecken oder „Räuber und Gendarm“ die Dynamik, dass immer einer platt sein müsse. „Sonst gewinnt man nicht.“ Das sei kein schönes Spiel mehr. „Es gibt Verlierer und Unterlegene und damit oft Verletzungen.“ Seit Corona beobachtet das Moki-Team diese Tendenz. Ziel sei es, dass sich nach einem Spiel alle wohlfühlen können. „Und dass jeder Gewinner ist, können sie beim Spielmobil üben.“

Susanne Knöller

Susanne Knöller

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