Pforzheim. „Ich bin sehr glücklich“, sagt Adham Alnakshbandi, nachdem er das anstrengende Lernen nun vorerst hinter sich gebracht hat. Vor elf Jahren kam der 19-Jährige nach Deutschland, weil er und seine Familie vor dem Krieg in Syrien fliehen mussten. Für den damals Achtjährigen begann ein völlig neues Leben. Die Sprache, die Kultur, das Schulsystem waren ihm fremd.
„Vor allem die Sprachbarriere hat am Anfang alles schwer gemacht“, sagt Alnakshbandi. Doch der Junge kämpfte sich durch den Unterrichtsstoff und eignete sich nicht nur die neue Sprache, sondern auch neues Wissen an. Obwohl ihm am Ende der vierten Klasse der Schritt auf eine Realschule empfohlen wurde, wechselte er aufs Hebel-Gymnasium in Pforzheim. Denn sein Ziel war schon damals klar:
„Ich wollte später mal Medizin studieren.“
Stipendium bringt Erfolg
Vom September 2023 bis zum Abitur war Adham Alnakshbandi Stipendiat im Schülerstipendienprogramm Talent im Land (TiL). Überzeugt hat er die Jury auch mit seinem sozialen Engagement. Er war im Schulsanitätsdienst aktiv und half anderen geflüchteten Kindern bei den Hausaufgaben: „Manchmal brauchten die Kinder auch nur einen Motivationsschubser“, erinnert er sich. Wie es sich anfühlt, zuweilen den Mut zu verlieren, hat er selbst erfahren: „Deshalb wollte ich mich unbedingt einbringen und engagieren.“ Außerdem unterstützte er in einem Ehrenamt Kinder dabei, den Koran im Original zu lesen und zu rezitieren.

TiL förderte Adham Alnakshbandi mit monatlich 200 Euro sowie dem Zugang zu persönlicher Beratung und zahlreichen Workshops. Für immer in Erinnerung bleiben werde ihm die letztjährige Sommerakademie am Salem International College in Überlingen, berichtet der junge Pforzheimer. Dort besuchten die Stipendiatinnen und Stipendiaten eine Woche lang Kurse zu Politik, Literatur, Medizin und Studienorientierung. Praktiker vermittelten die Inhalte mit modernen Lehrmethoden.
„Die Veranstaltung zur Studienorientierung nahm mir ein bisschen die Angst vor dem Studium“,
- sagt Alnakshbandi.
Am meisten beeindruckte ihn aber die Gemeinschaft, die er in Überlingen erlebte. Er freundete sich mit Gleichaltrigen an, die seine Fluchterfahrungen teilten, die studieren wollten und sich sozial engagierten, um diesem Land etwas zurückzugeben. „Diese Freundschaften prägen meine eigene Persönlichkeit, sie inspirieren und motivieren mich, am Ball zu bleiben – es ist das Wertvollste, was mir TiL gegeben hat“, blickt er zurück.


Abi, Abi, Abitur: Das sind die Schulabgänger aus Pforzheim und dem Enzkreis
Mut zur Bewerbung
Alnakshbandi empfiehlt TiL auch anderen Jugendlichen ausdrücklich: „Bewerbt euch! Ihr müsst nicht perfekt sein und nur Einser schreiben. Wichtig ist es vor allem, lernbereit zu sein und etwas zur sozialen Gemeinschaft beizutragen.“


Bester Abiturient aus Königsbach hat schon das nächste große Ziel
Er will Arzt werden
Bald möchte der Abiturient nun seinen Traum vom Medizinstudium verwirklichen. Er hat sich an Universitäten in ganz Deutschland beworben: „Ich hoffe, dass ich schon im Oktober loslegen kann.“ Ehrenamtlich will er weiter Kinder und Jugendliche unterstützen. Zuversicht für seine Zukunft gibt ihm, dass er gelernt hat, mit Selbstzweifeln umzugehen und nicht aufzugeben. Sein Motto: Wenn es auf die eine Art nicht klappt, funktioniert es vielleicht auf die andere. Denn: „Es gibt viele Wege, wie man sein Ziel erreichen kann.“


Das Abi in der Tasche und nun? So ist die Lage bei den Schülern in Königsbach
Das Stipendienprogramm Talent im Land unterstützt begabte Schülerinnen und Schüler aus Baden-Württemberg, die aufgrund ihrer Biografie oder ihrer sozialen Herkunft Hürden zu überwinden haben, auf ihrem Weg zum Abitur oder zur Fachhochschulreife. Finanzielle Förderung, ein begleitendes Seminarprogramm und individuelle Beratung helfen den Jugendlichen dabei, die eigenen Begabungen zu entfalten und ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen.Gefördert werden junge Menschen, die in Baden-Württemberg in die Schule gehen und mindestens die 7. Klasse besuchen, gute schulische Leistungen und außerschulische Talente aufweisen, motiviert sind, sich engagieren und das Abitur oder die Fachhochschulreife anstreben. Seit 2019 tragen die Baden-Württemberg Stiftung und die Josef Wund Stiftung das Programm, für dessen Erfolg über 900 Alumni mit ihrer persönlichen Entwicklung stehen.

