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Raupen des Eichenprozessionsspinners kriechen auf einem Eichenstamm entlang. Menschen sollten Kontakt mit den giftigen Haaren des Eichprozessionsspinners unbedingt vermeiden.
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Ein Nest mit Eichen-Prozessionsspinnern hängt an einem Baum. Die Raupe ist drei bis vier Zentimeter lang und an einem schwarz-braunen Streifen auf dem Rücken zu erkennen. Menschen sollten Kontakt mit den giftigen Haaren des Eichprozessionsspinners unbedingt vermeiden.

Mit biologischem Insektizid gegen gefährlichen Eichenprozessionsspinner

Pforzheim. Das Grünflächen- und Tiefbauamt startet in enger Zusammenarbeit mit den Technischen Diensten und in Abstimmung mit dem Amt für Umweltschutz erstmalig mit der Bekämpfung der Eichenprozessionsspinnerraupen (EPS) mittels eines biologischen Insektizids. Zur Anwendung kommt das Präparat XenTari.

In Pforzheim sind die Raupen mit ihren gefährlichen Brandhärchen bereits seit über 10 Jahren aktiv. Hauptsächlich Eichen werden vom EPS befallen. Sehr gerne besiedeln die Raupen in großer Zahl sonnenbeschienene, solitär stehende Bäume. Die Raupen sind zwischen Mai und August aktiv. Dabei durchläuft die Schmetterlingsraupe sechs Entwicklungsstadien bis zu ihrer Verpuppung zu einem unscheinbaren Falter. Bereits ab Mitte Mai haben die Raupen ihre gefährlichen Brandhärchen ausgebildet. Diese können bei Kontakt mit der menschlichen Haut über mehrere Tage hinweg zu Reizungen, Jucken und im Extremfall zu Atemstörungen führen.

Bei drohender Gefahr schießen die Raupen ihre Brandhärchen ab. Der Wind kann die feinen Härchen in alle Himmelsrichtungen verteilen. Noch Montate nach dem Abschuss wirkt das Gift in den Brandhärchen.

Auch in den sogenannten Gespinstnestern (darin sammeln sich viele hundert Raupen zur Tagesruhe) lauern die feinen Brandhärchen. Diese bis zu fußball-großen Nester verweilen noch über viele Monate, nachdem die Raupen sich zu Faltern entwickelt haben, an Stämmen und Ästen der Eichen. Auch der Boden im Umfeld befallener Eichen ist mit den feinen Härchen kontaminiert. Deshalb ist es ratsam, ab Mitte Mai bis September die Nahbereiche befallener Eichen zu meiden. Vor allem spielende Kinder mit häufigem Bodenkontakt sind während diesen Monaten Opfer der gefährlichen Brandhärchen.

In den zurückliegenden Jahren hat das Grünflächen- und Tiefbauamt die Massenvermehrung des EPS punktuell mittels mechanischer Bekämpfungsmethoden eingedämmt. Aufgrund klimatischer Faktoren ist diese Methode jedoch bei weitem nicht mehr ausreichend. Etwa 50 Raupen-Hotspots hat das Grünflächen- und Tiefbauamt im urbanen Bereich Pforzheims ermittelt. Betroffen sind hiervon Standorte in Parkanlagen, Schulen, Kindergärten, öffentliche Plätze und Bereiche des Wildparks.

Deshalb setzt das Grünflächen- und Tiefbauamt, zusätzlich zur mechanischen Bekämpfung, dieses Jahr erstmalig auf die Bekämpfung des EPS mittels eines biologischen Präparates auf Basis von Bacillus thuringiensis mit der Bezeichnung XenTari. Das Insektizid wirkt selektiv auf Schmetterlingsraupen. Dabei wird in kurzer Zeit die Darmwand der Raupen angegriffen und zerstört, was zum schnellen Absterben der Larven führt. Die Präparatanwendung wurde im Vorfeld mit dem Gesundheitsamt des Enzkreises abgestimmt.

Das Insektizid wird einmalig mittels einer Sprühvorrichtung vom Boden aus in die Kronen der betroffenen Eichen ausgebracht. Für die Öffentlichkeit bleibt der Bereich um die behandelten Eichen für 24h gesperrt. Dabei werden ausschließlich Bäume bzw. Baumgruppen behandelt, welche in den Jahren zuvor starken Befall aufwiesen und entsprechend von der Öffentlichkeit frequentiert sind. Das Zeitfenster für die Dauer der Sprüheinsätze im Stadtkreis Pforzheim definiert das Grünflächen- und Tiefbauamt zwischen Mitte Mai und Ende Juli.