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Einige der 20 Jugendräte sagen bei Instagram Nein zu Rassismus. Der Eintrag stammt von Mittwoch.  Foto: Screenshot/Instagram 

Mobbing, Rassismus und Graffiti: Darum ging es bei der Sitzung des Pforzheimer Jugendgemeinderats

Pforzheim. Es war seit Februar die erste öffentliche Sitzung des Jugendgemeinderats (JGR) nach der Corona-Pause. In den Monaten hatten sich nicht nur Themen, sondern auch Persönliches angestaut - was am Donnerstagabend im CCP auf den Tisch kam.

Spöttische, mitunter beleidigende Worte gab es in den vergangenen Monaten immer wieder beim Jugendgemeinderat (JGR). Doch bei der ersten Sitzung nach der Corona-Pause am Donnerstagabend im CCP wurde anders als bisher erstmals offen ausgesprochen, wo die wahren Baustellen liegen. Der Umgang: Von „Mobbing“ sprach der Präsidiumsvorsitzende Paul Jenisch, von „Beleidigungen“ sein Vorgänger im Amt Rico Edelmann. Was sich in den öffentlichen Sitzungen bei den Scharmützeln, in erster Linie zwischen Edelmann und den Brüdern Adrian und Sebastian Lind, schon andeutete, wurde am Donnerstag öffentlich. „Ich finde es wirklich traurig, wie hier der Umgang miteinander ist“, erklärte Jenisch, nachdem Edelmann das Thema angesprochen hatte. In der gremiumseigenen Whatsapp-Gruppe sei er, so Edelmann, von den Gebrüdern Lind als „Rassist“ und „politischer Versager“ bezeichnet worden. Die Beiden entgegneten, dass Edelmann selbst immer wieder ausgeteilt und sie nur reagiert hätten. „Mobbing, wie es in der Gruppe manchmal betrieben wird, darf nicht sein“, unterstrich Jenisch.

Rassismus: Bei Anfragen der Bürger meldete sich der Eutinger SPD-Ortschaftsrat sowie frühere Jugendrat Esad Esmer zu Wort und erklärte, dass er enttäuscht vom JGR sei, dass dieser nicht Stellung zur aktuellen Rassismus-Debatte bezogen habe. Edelmann stimmte Esmer zu, erzählte im selben Atemzug aber auch von einer internen Debatte des Rats zum Thema. So habe er vorgeschlagen, unter dem Hashtag black lives matter einen Beitrag des JGR zu veröffentlichen – wogegen die Linds Einspruch erhoben hätten. Ihr Vorschlag: Stattdessen den Hashtag all lives matter zu nutzen. Zum einen, da auch Schwarze im Zuge der Demonstrationen gewalttätig gegen Weiße vorgegangen seien, zum anderen, weil jene, die innerhalb der Bewegung Gewalt ausübten, der Botschaft geschadet hätten. „Die Menschen, die hinter dieser Botschaft marschieren, haben sie verbrannt“, so Sebastian Lind. Da sich Edelmann gegen den all lives matter-Vorschlag ausgesprochen hatte, hätte er daraus geschlossen, dass dieser „kein Mitgefühl“ gegenüber den nicht-schwarzen Opfern habe – daher die Bezeichnung „Rassist“. Sowohl Jenisch, als auch Jonathan Rapp und Marlon Ellert schlugen sich auf die Seite Edelmanns, der erklärte, dass er auf black lives matter bestanden habe, um explizit auf das Problem von Minderheiten aufmerksam zu machen. Wenige Tage vor der Sitzung hatte der JGR bei Instagram ein Foto unter dem Hashtag no to racism – Nein zu Rassismus – veröffentlicht, auf dem aber nur sechs der 20 Jungräte zu sehen waren.

Graffiti: Nachdem Jenisch sich in bereits öffentlich für Streetart ausgesprochen hatte, diskutierte nun der gesamte Rat. Dabei kritisierten mehrere Jugendliche die Haltung des Anti-Graffiti-Mobils. Nicht wegen dessen „wertvoller Arbeit“, sondern wegen dessen Umgang mit dem JGR. Denn Jenischs Bitte um ein Gespräch am Runden Tisch sei unbeantwortet geblieben. Rat Leon Meyer betonte, dass es ohne eine Aussprache nie ein Ergebnis geben werde. Edelmann ging in seiner Wortwahl noch weiter. So erinnere das Verhalten Volker Weingarts eher an das „eines Dreijährigen als das eines Polizeihauptkommissars“. Zudem berichtete er von interessierten Hauseigentümern, die ihre Fassade professionell besprühen lassen würden. Ebenso habe er mit den Verantwortlichen über Kooperationen mit dem Haus der Jugend und der Carlo-Schmid-Schule gesprochen.

Fahrrad und Nahverkehr: Beisitzer Rapp forderte in zwei Anträgen zum einen den Ausbau des Radwegenetzes sowie die Etablierung eines Fahrrad-Verleihsystems, zum anderen eine Strategie, um den öffentlichen Nahverkehr attraktiver zu machen.

Mehr über die jüngste Sitzung des Jugendgemeinderats. lesen Sie am Samstag, 20. Juni. in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news.

Jeanne Lutz

Jeanne Lutz

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