Es ist angerichtet: Wenig appetitlich sehen die Tische auf der Grill-Wiese aus. Foto: Meyer
•Säckeweise türmen sich nach sonnigen Tagen regelmäßig die Hinterlassenschaften von Grillfreunden an Freizeitwiesen – wie hier im Würmtal. Archivfoto: Meyer
Pforzheim
Müll-Flut in Pforzheim zwingt die Stadt zu drastischen Mitteln
  • Olaf Lorch-Gerstenmaier

Pforzheim. Siegbert S. (Name geändert) ist außer sich – so sehr, dass er sogar beim Polizeirevier Süd Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet hat. „Diese Dreckspatzen“, sagt er, und er meint die Zeitgenossen, die unter anderem die Grillwiese im Würmtal in eine Müllhalde verwandelt haben.

„Hier sieht’s an schönen Tagen immer wild aus, bis die Müllmänner kommen und aufräumen“, sagt S., „aber so was hab’ ich noch nicht erlebt.“

Die PZ hat sich unmittelbar nach seinem Anruf ins Würmtal aufgemacht, wo Siegbert S. jeden Tag seinen Hund Gassi führt. Der PZ-Leser hat nicht übertrieben. Neben den grauen Restmülltonnen stapeln sich Säcke mit Abfall, auf den Bänken stehen leere Spirituosen-Flaschen neben teils noch halbgefüllten Plastikbechern. Essensreste vergammeln auf Pappbechern, eine Ananas liegt malerisch auf dem Tisch, daneben herausgerissene Tulpen.

„Das wird noch heftiger“, sagt einer der städtischen Müllmänner, „die Grillsaison hat ja erst angefangen.“

Da lässt das Wort „Müllpolizei“ aufhorchen, das der Erste Bürgermeister Dirk Büscher eher beiläufig bei der jüngsten Ortschaftsratssitzung in Hohenwart fallen ließ. Noch gärt der Entscheidungsfindungsprozess in der Chefetage, Details müssen auch rechtlich abgeklärt werden – aber dass eine Lösung her muss, liegt auf der Hand (beziehungsweise auf Straßen, Gehwegen, Parks, Wiesen oder Spielplätzen).

Bereits vor zwei Jahren bezifferte Olaf Backhaus, Leiter der Technischen Dienste, die jährlichen Mehrkosten für die Beseitigung der Hinterlassenschaften der Müllsünder auf rund 75.000 Euro. Diese Kosten sind seither nicht gesunken – sondern ständig gestiegen. Aktuell beziffert Büscher sie auf 80- bis 100.000 Euro im Jahr.

Und weil das aus Sicht der Stadt nicht hinnehmbar ist, Appelle offensichtlich nicht fruchten und „Schmutzfinken“ (Büscher in Hohenwart) nur reagieren, wenn es weh tut (sprich: wenn es an den Geldbeutel geht), „müssen wir über Wege nachdenken, wie wir Müllsünder besser ermitteln und entsprechend ahnden können“, so Oberbürgermeister Peter Boch vor zwei Wochen auf PZ-Anfrage.

Mehr lesen Sie am Dienstag in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.