Begegnung in der Moschee: Mahed Hussain, Talha Kahloon, der Gemeindevorsitzende Saleem Dhahid, Sozialbürgermeister Frank Fillbrunn, Wahab Ghumon, Imam Aftab Aslam und Shahid Ghuman (von links). Foto: Meyer
Pforzheim
Muslime öffnen am Einheitstag die Türen ihrer Moschee
  • Claudius Erb

Pforzheim. „Jeder, der sich interessiert, kann kommen“, sagt Wahab Ghumon, Sprecher der Ahmadiyya-Gemeinde, „egal welcher Religion, welchen Geschlechts und welchen Alters.“ Etliche nutzen dieses Angebot am Einheitstag zu einem Besuch der Bait-ul-Baqi-Moschee auf der Wilferdinger Höhe, darunter Frank Fillbrunn.

„Wir als Stadt wollen uns am interreligiösen Dialog beteiligen“, sagt der Sozialbürgermeister. An diesem Tag der offenen Tür stehen gleich mehrere Gesprächspartner bereit.

Besucher erfahren etwa, dass Ahmadiyya bundesweit 270 Gemeinden mit rund 45.000 Mitgliedern zählt und die Bait-ul-Baqi-Moschee 250 Gemeindemitglieder aufweist. Nach Wahab Ghumons Angaben sind auch die Frauen, die eine eigene Präsidentin haben, sehr rührig. Ebenso die Jugendorganisation, die sich auf vielfältige Weise – etwa bei der Neujahrsputzaktion – gesellschaftlich einbringt. Viele der Ahmadiyya-Muslime seien einst aus Pakistan geflohen, so der Sprecher: „Deutschland hat uns mit offenen Armen empfangen, das vergessen wir nicht.“ Die Liebe zum Land präge jede hiesige Gemeinde.

Auch auf religiöse Fragen gibt es Antworten: vom Imam Aftab Aslam (24), aber auch von angehenden Imamen wie Talha Kahloon (24) und Mahed Hussain (19). Hussain stellt heraus, dass der Koran Barmherzigkeit lehre und der Begriff Dschihad „rein gar nichts mit Gewalt zu tun“ habe. „Wenn jemand einen Menschen tötet, hat er die gesamte Menschheit getötet“, bekräftigt Wahab Ghumon. Der Islam sei eine friedliche Religion, die es „mit Liebe und Harmonie, nicht mit dem Schwert“ zu verbreiten gelte. In diesem Sinne werde der eigene Nachwuchs unterwiesen, mit dem der noch junge Imam auf Augenhöhe agieren könne. „Wir haben null Prozent Kriminalität bei unseren Gemeindemitgliedern“, sagt Ghumon.

Eine Ausstellung führt die Historie dieser Reformbewegung des Islam vor Augen, die wegen ihrer abweichenden Lehrmeinungen von vielen anderen Muslimen abgelehnt wird und deren Anhänger in anderen Ländern teils gar verfolgt werden. „Wir danken, dass es in Deutschland eine Religions- und Meinungsfreiheit gibt“, betont Wahab Ghumon.