Deutsch-Polnisches Forum
Pforzheims Oberbürgermeister Peter Boch (CDU) spricht bei der Übergabe.
Sebastian Christoph Gollnow/dpa
Pforzheim
NS-Raubgut kehrt zurück: Pforzheims OB Peter Boch übergibt in Berlin Goldring an Polen

Deutsch-polnisches Forum im Auswärtigen Amt in Berlin - und Oberbürgermeister Peter Boch sitzt in der ersten Reihe. Das Forum gilt als wichtigster Austausch der beiden Nachbarländer, Außenminister Johann Wadephul und sein polnischer Kollege werden eine Rede halten. Und ebenso Peter Boch. Mit dabei ist PZ-Redakteur Constantin Hegel. 

Denn als Zeichen der Freundschaft wird der OB einen von den Nationalsozialisten geraubten Goldring an die polnische Kultusministerin übergeben.

OB Peter Boch ist aktuell in Berlin.
Hegel

Der Goldring mit einem 3,5 Karat schweren Diamanten stammt aus dem 16. Jahrhundert. Er wird dem Besitz von König Sigismund I. aus der Jagiellonen-Dynastie zugeschrieben. Wie andere Schätze wurde der Ring kurz vor dem deutschen Überfall auf Polen 1939 aus Warschau in den Ort Sienawa gebracht. Dort plünderten deutsche Truppen die Sammlung. 1963 wurde der Ring dem Schmuckmuseum Pforzheim als Teil einer größeren Ringsammlung geschenkt. Ein Gutachten hat jüngst dessen tatsächliche Herkunft geklärt. Boch wird begleitet von Bürgermeister Tobias Volle.

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Deutschland hat Kulturgüter zurückgegeben, die im Zweiten Weltkrieg in Polen geraubt worden waren.
Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Weitere Rückgaben

Aus der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin kehrt eine mittelalterliche Handschrift nach Polen zurück, die einen Teil des Textes der alten polnischen Hymne „Gaude Mater Polonia“ enthält. Das Heft aus sechs Pergamentblättern stammt aus der Bibliothek des Priesterseminars in Plock, deren Bestände im Zweiten Weltkrieg geplündert und weitgehend zerstört wurden.

Hegel

Außerdem wurden Eisenbahnmodelle und Zubehör zurückgegeben, die dem Verkehrsmuseum Warschau gehören, aber 1940 dort entwendet wurden. Sie wurden in den Beständen des Deutschen Technikmuseums in Berlin ausfindig gemacht.

Außenminister Johann Wadephul würdigte die Rückgaben:

„80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges können heute in enger Zusammenarbeit mit den bewahrenden Einrichtungen und der polnischen Seite Kulturgüter an Polen zurückgegeben werden, die während Krieg und Besatzung geraubt wurden. Die Rückgabe ist Ausdruck von gegenseitigem Respekt, bleibender deutscher Verantwortung und unserer vertrauensvollen Partnerschaft. Sie stärkt aus Anlass des 35. Jubiläums des Deutsch-Polnisches Freundschaftsvertrages die festen Bande zwischen unseren Ländern weiter. Erinnerung an das Geschehene, Verantwortung für die Zukunft und Versöhnung als Generationenaufgabe leiten auch heute unser Handeln.“

Der Oberbürgermeister von Pforzheim Peter Boch erklärte:

„Mit der Rückgabe des Rings folgen wir der Überzeugung, dass historische Verantwortung nicht allein juristisch betrachtet werden kann. Der Ring besitzt für Polen eine außergewöhnliche kulturelle und ideelle Bedeutung. Deshalb hat der Gemeinderat der Stadt Pforzheim seine Rückgabe beschlossen. Wir verstehen diesen Schritt als Zeichen des Respekts und der Freundschaft gegenüber unserem polnischen Nachbarn. Gerade als Stadt, die selbst die Folgen von Krieg und Zerstörung erfahren hat, wissen wir, wie wichtig Versöhnung für das Zusammenleben in Europa ist.“

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer erklärte:

„Ich freue ich mich sehr, dass der Hymnus „Gaude Mater Polonia“ an das polnische Volk zurückgegeben wird. Er ist eines der ältesten Werke religiöser Dichtung des Landes. Die heutige Rückgabe ist eine wichtige Geste der Anerkennung historischen Unrechts. Sie ist das Ergebnis konsequenter Provenienzforschung der kulturgutbewahrenden Einrichtungen Deutschlands sowie einer vertrauensvollen und engen Zusammenarbeit mit unseren polnischen Partnern. Damit schreiben wir ein neues Kapitel in der Erinnerungskultur unserer beiden Länder.“

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Die polnische Kulturministerin Cienkowska freut sich über die Rückkehr einer alten Handschrift.
Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Die Präsidentin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz Marion Ackermann erklärte:

„Ich bin sehr glücklich, dass dieses Manuskript mit einer frühen Niederschrift der Hymne „Gaude Mater Polonia“, ein Manuskript, das Zeugnis einer der dunkelsten Zeiten der langen deutsch-polnischen Geschichte ist, heute wieder nach Polen zurückkehren kann. Mit den bedeutenden Kultureinrichtungen Polens verbindet uns heute eine freundschaftliche Zusammenarbeit, die wir noch intensivieren möchten. So kooperiert etwa die Staatsbibliothek demnächst im Rahmen eines Drittmittelprojektes mit vier polnischen Bibliotheken, und ist das Nationalmuseum in Warschau ab morgen zu Gast in der Alten Nationalgalerie auf der Museumsinsel.“

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder erklärte:

„Die aktuelle geopolitische Lage und die heutigen Feierlichkeiten erinnern uns daran, wie wertvoll die deutsch-polnische Beziehung ist. In der Mobilität erleben wir das jeden Tag: Menschen aus Polen und Deutschland nutzen täglich die vielen grenzüberschreitenden Verbindungen sowohl auf der Schiene als auch auf der Straße. Das zeigt, wie lebendig und selbstverständlich unsere Partnerschaft heute ist. Umso mehr freue ich mich, im Rahmen des 35-jährigen Jubiläums die Rückgabe von Eisenbahnmodellen und Objekten vorzunehmen, die ihren historischen Platz in Polen haben."

Gunther Krichbaum, Mitglied des Deutschen Bundestages und Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt, erklärt: 

"Die Übergabe des Ringes fand im Rahmen einer Feierstunde zum 35. Jahrestag des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrages statt. Nach der langen Diskussion mit mehreren Begutachtungen des Ringes war das heute ein guter Tag für die deutsch-polnische Freundschaft und Nachbarschaft.

Heute haben 70 Journalisten von der Übergabe in Berlin berichtet, die meisten aus Polen. Diese Zahl zeigt, welche hohe Bedeutung der gesamten Thematik der Rückgabe von Beute- und Raubkunst in Polen bis heute beigemessen wird.

In Berlin war heute sehr viel Anerkennung der polnischen Freunde spürbar, dass sich Deutschland und vor allem auch die Stadt Pforzheim der Aufarbeitung des Unrechts der Nazi-Zeit in hoher Verantwortung gestellt haben.

Heute stehen wir im europäischen Geist zusammen."

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