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Zahlreiche Einsatzkräfte sind nach der Tat zur Kita am Schloßberg geeilt. Neben Rettungskräften und Polizisten waren darunter auch einige Notfallseelsorger.  Foto: Seibel/PZ-Archiv 

Nach Tötungsdelikt an Kita: Vom Ausnahmezustand zurück zum Alltag

Pforzheim. Seit Dienstag vergangener Woche ist die evangelische Kindertagesstätte der Michaelsgemeinde wieder geöffnet, nachdem ein 53-Jähriger seine Ehefrau dort mit einem Messer angegriffen hatte. Die 50-jährige Erzieherin war am Freitag, zwei Tage nach der Tat, ihren Verletzungen erlegen. Ein Schock für Mitarbeiter und Kinder, aber auch für deren Eltern. Am Tag der Tragödie hat sich ein Netzwerk um die Menschen gesponnen, das ihnen in der Situation, aber auch bei der Aufarbeitung danach zur Seite stand. Unter den Helfern: Hans Gölz-Eisinger, Leiter der Einsatzkräfte-Nachsorge der Notfallseelsorge Pforzheim und Enzkreis und Pfarrer der evangelischen Stadtkirchengemeinde, sowie Tom Handtmann, Psychologe und Leiter der Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und deren Familien aus Pforzheim.

Ein Gefühl dominierte in der Kita am Schoßberg, sagt Gölz-Eisinger: „Totales Unverständnis, wie so etwas an so einem Ort passieren kann.“ Einem Schutzraum, in dem Kinder in Geborgenheit aufwachsen sollen. Ein Gefühl, das die Erzieher auch direkt nach der Tat aufrechterhalten wollten: „Sie sind alle über sich hinausgewachsen“, so der Pfarrer. Danach hat auch für sie ein Verarbeitungsprozess begonnen. „Die ersten 24 Stunden ist es schwer, zu begreifen. Selbst wenn er Intellekt sagt, das ist wirklich passiert, sagt die Seele noch immer, das kann doch nicht sein.“ Was folgt, ist die Erschütterung, dass eine solche Tragödie in das eigene Leben einbricht – „das Gefühl, ich lebe nicht so sicher, wie ich dachte“. Vor allem der Austausch mit anderen Betroffenen, das Gefühl, nicht allein zu sein mit seinen Fragen, seiner Erschütterung, Trauer und Wut – und die Erkenntnis, dass es weitergehen wird, seien dann wichtig.

Bei einem Elternabend am Tag vor der Wiedereröffnung standen die Sorgen der Mütter und Väter im Mittelpunkt – und die Frage: Wie erklären wir das nur unseren Kindern? „Man kann Kindern nicht verschweigen, dass etwas passiert ist“, ist Handmann überzeugt. Das Wichtigste sei, sie genau zu beobachten, auf ihr Verhalten zu reagieren und vor allem ihre Fragen zu beantworten – klar und kindgerecht zu vermitteln, was geschehen ist, ohne Einzelheiten zu nennen und mehr zu sagen als nötig.

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