Pforzheim. Der Pfälzer Platz in Pforzheims Nordstadt hat eine lange Geschichte – aber man sieht sie ihm kaum noch an. Nach seinem aufwändigen Umbau glänzen die Pflastersteine, die Bänke riechen nach frischem Holz, und was einmal ein liebloser Parkplatz war, ist heute ein einladender Ort. Am Sonntagnachmittag war er ganz bei sich: voll mit Menschen, Stimmen, Gelächter – und einem Dutzend Besen.
Zum KulturSpielFest hatte der Pforzheimer Kulturrat unter dem Motto „Nimm Platz“ eingeladen, und die Nordstadt nahm die Einladung an. Familien mit Kindern, ältere Paare, Neugierige: Sie füllten den Platz, der noch kürzlich mit seinen Autoparkflächen lieblos wirkte. Die Stadt hat viel Geld in seine Neugestaltung investiert, und an diesem Nachmittag war zu sehen, wofür: Der Pfälzer Platz ist zum neuen Mittelpunkt einer Nordstadt geworden, die sich spürbar im Aufbruch befindet.


Kulturspielfest am Pfälzerplatz: Theater zum Mitmachen, das nah bei den Menschen ist
Die Besen hatten ihren Auftritt bei Carsten Dittrich. Der Theatermacher vom „Fiesemadände im Mottenkäfig“ spielte einen Ausschnitt aus Michael Endes „Die kleine Hexe“ – und lud Kinder wie Erwachsene ein, mit Besen bewaffnet das Straßenpflaster zu bevölkern. Was im Vorfeld rätselhaft klang – „Bringen Sie Ihren Besen mit“ stand in der Einladung –, wurde zur charmanten Szene des Tages. Dittrich ist Puppenspieler und Straßentheatermann aus Überzeugung. Trotz Digitalisierung, sagt er, könne man Kinder „noch mit Puppenspiel verzaubern, wenn man sie ernst nimmt.“ Künftig will er mehr Stücke entwickeln, die in Pforzheim und dem Schwarzwald verwurzelt sind – ein Sagenprogramm ist in Vorbereitung.
Im Oktober debütiert er gemeinsam mit dem Südwestdeutschen Kammerorchester mit dem Musiktheaterstück „Der Wolf und die sieben Geißlein“. Ein großer Schritt für ein kleines Theater. Auch das Stadttheater war mit von der Partie: Eine Szene aus dem Kinderstück „Aali vom Kanali“ brachte das junge Publikum zum Staunen. Dazu Workshops, Tänze, Brettspiele für Anspruchsvollere und mobile Spielangebote – der Platz war bespielt in jedem Winkel. Das Jugendkulturhaus Kupferdächle war ebenso vertreten wie das Kulturhaus Osterfeld, das Theater vis-à-vis und weitere. Der Nordstadtverein sorgte mit hausgemachten Kuchen und Torten für das leibliche Wohl – organisiert, wie immer, von Heike Kuppinger.


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CDU-Landtagsabgeordneter Andreas Renner beobachtete das Treiben mit sichtlicher Zufriedenheit, ebenso Gemeinderätin Sunita Vimal von den Grünen. Für den Bildungspolitiker Renner ist kulturelle Förderung keine Kür. „Ohne Kultur wäre es still“, sagte er. Dass Pforzheim den Kulturetat trotz angespannter Haushaltslage nicht gekürzt habe – anders als andere Städte –, sei richtig gewesen. Kultur diene der Gemeinschaftsbildung, und das lasse sich an diesem Nachmittag unmittelbar beobachten: Die Menschen kämen miteinander ins Gespräch. Renner zog dabei eine unerwartete Linie zu Joseph Beuys, der Kunst stets als sozialen Prozess verstanden habe. Wichtig sei es, Doppelstrukturen zu vermeiden – damit öffentliches Geld dort ankomme, wo es wirke.
Auf dem Pfälzer Platz wirkte es. Nicht laut, nicht spektakulär. Aber spürbar.

