Pforzheim/Leipzig. Deutschland hat erneut afghanische Straftäter abgeschoben – darunter auch einen Mann aus der Abschiebehaft in Pforzheim. Das bestätigt das baden-württembergische Justizministerium der PZ und berichtet, dass es nicht die erste Abchiebung für den 28-jährigen Afghanen ist.
Nach Informationen des "Spiegel" startete in der Nacht auf Dienstag ein Charterflug der Gesellschaft Freebird vom Flughafen Leipzig/Halle. An Bord des Airbus A320 befanden sich rund 25 afghanische Staatsangehörige, ausschließlich verurteilte Straftäter. Nach einem Zwischenstopp im türkischen Trabzon landete die Maschine am Dienstagvormittag in Kabul. Dort sollen die Abgeschobenen an die Taliban übergeben werden. Die deutschen Polizisten sollen dann umgehend nach Deutschland zurückfliegen.


Wer waren die Afghanen, die aus Pforzheim abgeschoben wurden?
Wie die PZ aus dem Landesjustizministerium erfuhr, wurde auch ein 28-jähriger Mann aus der Abschiebehaft in Pforzheim nach Leipzig gebracht und von dort ausgeflogen. Für ihn ist es nicht die erste Abschiebung: Bereits 2018 war er nach Afghanistan zurückgeführt worden, nachdem er wegen Sexualstraftaten im Raum Freiburg zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden war. Die Strafe wurde im Zuge der damaligen Abschiebung unterbrochen. Sechs Jahre später reiste der Mann trotz Einreisesperre erneut nach Deutschland ein und wurde später wieder inhaftiert, um die verbleibende Restfreiheitsstrafe zu verbüßen. Jetzt die erneute Abschiebung.
Abgeschobene reisen immer wieder trotz Einreisesperre erneut nach Deutschland ein. So auch ein 28-jähriger Albaner: Er war bereits 2023 abgeschoben worden, kehrte nun mit einem Fernbus aus Italien zurück und wurde am Autobahngrenzübergang Weil am Rhein festgenommen. Gegen ihn lag ein Haftbefehl vor, nun muss er eine Restfreiheitsstrafe von 676 Tagen verbüßen.
Bereits bei früheren Abschiebungen nach Afghanistan waren auch Männer aus Pforzheim betroffen. Nach PZ-Informationen befanden sich unter den Ausgewiesenen im Juli 2025 unter anderem ein mehrfach verurteilter Sexualstraftäter aus Mühlacker sowie ein weiterer Mann, der als gut integriert galt, jedoch durch das Handeln mit Cannabis gegen frühere Bewährungsauflagenverstoßen hatte.


Deutschland bereitet sich auf schärfere Asylregeln vor
Die Liste der Straftaten der nun abgeschobenen Personen reicht laut "Spiegel" und "Bild" von Diebstahl, Hehlerei und Drogenhandel bis hin zu schweren Delikten wie Gruppenvergewaltigung, Totschlag, Geiselnahme und politisch motivierter Kriminalität. Viele der Männer wurden demnach direkt aus der Haft zum Flughafen gebracht. Die Behörden nutzen Leipzig/Halle unter anderem wegen fehlender Nachtflugbeschränkungen und der Möglichkeit, Abschiebungen dort diskret abzuwickeln.


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Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) bestätigte die Maßnahme gegenüber "Bild". „Die regelmäßigen und regulären Abschiebungen von Straftätern nach Afghanistan sind ein zentrales Element der Migrationswende. Menschen, die unseren Schutz missbraucht haben und hier straffällig geworden sind, müssen unser Land verlassen“, sagte er. Man werde diesen Kurs weiter fortsetzen.
Kanzler Friedrich Merz (CDU) hat bei einer Klausurtagung der Union am Montag eine positive Bilanz seiner Migrationspolitik gezogen und sieht „große Teile des Problems“ durch sinkende Asylzahlen als gelöst an.


Dobrindt schickt Beamte zu Taliban – Grüne und Linke warnen
Der Flug gilt als Teil einer neuen Abschiebepraxis. Es ist bereits die dritte Sammelabschiebung seit Amtsantritt der Bundesregierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz. Anders als frühere Regierungen verhandelt das Bundesinnenministerium inzwischen direkt mit den Taliban. Laut den Berichten wurde eine Vereinbarung getroffen, die regelmäßige Rückführungen ermöglichen soll. Im Gegenzug sagten die Taliban zu, die Abgeschobenen nicht erneut für in Deutschland begangene Straftaten zu verfolgen und sie menschenwürdig zu behandeln. Überprüfen kann die Bundesregierung diese Zusagen nicht. Laut Medienberichten erhalten die Abgeschobenen zudem rund 1000 Euro Handgeld für die erste Zeit nach ihrer Ankunft.
Der Staatssekretär im baden-württembergischen Ministerium der Justiz und für Migration Siegfried Lorek (CDU) erklärt gegenüber der PZ: "Wenn diese Personen wieder einreisen, kommen sie direkt in die Haft, um die Reststrafe zu vollstrecken." Dieses Vorgehen habe sich nun erneut bewährt.



