Die St. Francis-Singers umrahmen das Gedenken an Bernhard Ihle musikalisch, der zu seinem 70. Geburtstag in Ruhestand gehen wollte und dies nicht mehr erleben durfte. Foto: Constantin
Pforzheim
Nachgeholtes Gedenken: Nicht nur katholische Christen erinnern sich bei Abendgebet gerne an Bernhard Ihle
  • Rolf Constantin

Pforzheim. 320 Freunde, Wegbegleiter, Familie und Gläubige aus dem Dekanat Pforzheim gedachten mit einem Ökumenischen Abendgebet im Enzauenpark des verstorbenen Dekans Bernhard Ihle.

Gerne hätte Dekan Bernhard Ihle seinen Geburtstag am 24. Juli, der gleichzeitig sein Abschied in den Ruhestand sein sollte, in seiner unverwechselbaren menschlichen Art gefeiert. Leider konnte dies der leutselige, immer lächelnden Geistlichen, der 2001 als Nachfolger von Andreas Möhrle nach Pforzheim in die Citygemeinde kam, nicht mehr erleben. Da durch die Corona-Epidemie nur wenige beim Gottesdienst in der Franziskuskirche und der anschließenden Beisetzung teilnehmen konnte, wollte man den Geburtstag nicht spurlos vorübergehen lassen, sondern an diesem Tag, wie er es auch bei seiner Verabschiedung vorhatte, sich zu einem Ökumenischen Abendgebet in geselliger Runde treffen, um danach bei Essen und Trinken miteinander ins Gespräch zu kommen. Die Einladung kam vom stellvertretenden Dekan Georg Lichtenberger und von dem mit Ihle befreundeten Ehepaar Andrea und Wolfgang Scheidtweiler.

Ansteckende Heiterkeit

Familie, Freunde, Wegbegleiter und Gläubige aus dem Dekanat fanden sich so im Enzauenpark zusammen, um dem Vertrauten vieler Menschen für sein segensreiches Wirken in Pforzheim zu danken und seinen Geburtstag zu begehen. Von Herzen lachend, durch seine ansteckende Heiterkeit sowie sein tiefes offenes Glaubenszeugnis habe er überzeugt und tiefe Spuren im menschlichen Miteinander in der Stadt hinterlassen, begrüßte Pfarrer Georg Lichtenberger die knapp 320 Besucher dieser Begegnung. Schon die Atmosphäre und die Anordnung der kleinen Tische, die über das ganze Gelände verteilt waren, sorgten für einen familiären Rahmen.

Zusammen mit der evangelischen Dekanin Christiane Quincke und den „Francis Singers“ der Gemeinde St. Franziskus unter ihrem Leiter Diethard Stephan Haupt war es eine abwechslungsreiche und stimmungsvolle Liturgie, in deren Mittelpunkt auch die Schriftlesung vom „Guten Hirten“ stand, da er bemerkenswerterweise am Sonntag des „Guten Hirten“ starb. Schon bei seiner Antrittspredigt in Pforzheim hat er die Gemeinde gebeten:

„Wir wollen unsere gemeinsamen Wege gehen im Licht des Herrn.“

Niemals in die Dunkelheit verlieren, Wege miteinander und zueinander zu gehen, war sein brennender Wunsch, leitete Pfarrer Georg Lichtenberger zu persönlichen Worten von Freunden und Wegbegleitern über. Dekanin Christiane Quincke lobte sein großes weites Herz für die Ökumene. Gemeinsam war sie mit ihm bei vielen Begegnungen von Stadt und Kirche unterwegs und hat dieses Miteinander immer sehr wohltuend empfunden.

Verbinden, nicht spalten

Rudolf Walter, ein Freund und Mitglied seiner ersten Gemeinde als Pfarrer in St. Laurentius in Heidelberg-Schlierbach ging auf die große Anziehungskraft des ideenreichen Wirbelwindes ein. Die Gottesdienste waren plötzlich voll und innerhalb kurzer Zeit gab es in der kleinen Gemeinde 20 Ministranten. Gleichzeitig war er während dieser Zeit auch Dekanatsjugendseelsorger. Dekanatspastoralreferent Tobias Gfell ging auf die gesellige Art von Bernard Ihle ein. Dabei stand bei ihm nicht die Tagesordnung im Mittelpunkt, sondern das menschliche Miteinander. Das „Sowohl-als-auch“ war seine Devise und nicht das „Entweder-oder“.

Die evangelische Dekanin Christiane Quincke und Pfarrer Georg Lichtenberger loben Ihles Sinn für das Miteinander. Foto: Constantin

Den Ministranten und Pfadfindern gefielen seine herzliche Art, seine Fröhlichkeit und sein stets offenes Ohr für die jungen Menschen. „Gott will uns nicht klein halten, sondern hineinführen in das volle Leben“ hörten alle nochmals in einem Spot seine Stimme bei einer Predigt, die er noch eine Woche vor seinem Tod in St. Bernhard gehalten hatte und seine Devise war auch stets, ein Gottesdienst darf nicht zu lang sein. Abschließend überreichte Architekt Fero Freymark ein Gemälde, das die Herzensgüte des Verstorbenen aufzeigen will.

Pfarrer Georg Lichtenberger dankte danach allen, die das ökumenische Abendgebet mitgetragen und vorbereitet hatten und besonders der Familie Scheidtweiler, die nicht nur den Raum der Begegnung zur Verfügung stellte, sondern auch die gesamte Bewirtung als Geburtstagsgeschenk an ihn übernahm. So blieb Zeit zum Verweilen und zu Gesprächen und an Erinnerungen an einen Seelsorger der mit Leib und Seele seinen Beruf als Berufung liebte.