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Rund 1000 Teilnehmer waren am vergangenen Freitag zur bislang größten Pforzheimer „Fridays-for-Future“-Kundgebung gekommen. Meyer 
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Bis hierher und nicht weiter: Zwischen der Wilferdinger Höhe (rechts unten) und Ispringen (oben) soll im Klapfenhardt-Wald kein neues Gewerbegebiet entstehen – und auch sonst nirgends. PZ-Archiv (Ketterl) 

Nein zu neuen Gewerbegebieten, Skepsis bei City Ost: Was „Fridays for Future“ von den Politikern in der Region fordert

Pforzheim. Viele von ihnen sind noch nicht erwachsen, aber ihre Teilnehmerzahl wächst und wächst – das verleiht den Schülern, Studenten und immer mehr Älteren, die sich den „Friday-for-Future“-Demonstrationen weltweit wie in Pforzheim angeschlossen haben, Gewicht und Selbstbewusstsein. „Ich würde uns als die größte Bewegung Pforzheims beschreiben“, sagt Lorenz Hornung, einer ihrer Sprecher, beim Redaktionsbesuch in der PZ. Dort erläutert er die Forderungen an die Kommunalpolitik in Pforzheim und dem Enzkreis. Manche lassen aufhorchen, einige werden auf massiven Gegenwind stoßen, davon ist Hornung selbst überzeugt.

Zuvorderst gelte das für neue Gewerbegebiete: Weder Neulingen, Neuhausen, Tiefenbronn sollten ihre Pläne verwirklichen noch die Stadt Pforzheim. Nicht Klapfenhardt, nicht Ochsenwäldle. Pforzheim solle, so die Forderung, auch auf das im Verfahren weit fortgeschrittene Gewerbegebiet Hohberg verzichten.

Mehr Rad, weniger Auto

Gleich ein Bündel an Forderungen, dazu ein überwiegend veganes Speisenangebot in Kitas und anderen städtischen Einrichtungen sowie umweltfreundliche Einkäufe und Energieversorgung für kommunale Einrichtungen, besteht im Verkehrssektor. So soll das Radwegenetz ausgebaut werden, ohne weitere Flächen zu versiegeln. Sprich: Dem Auto soll ein Teil weggenommen und dem Rad gebeben werden. Radwege sollten nicht touristisch, sondern als effizienter Teil der Infrastruktur gesehen werden. „Wir wollen die Bevorzugung des Autos und Pforzheim als Autostadt überwinden“, formuliert es Hornung. Nahezu flächendeckend soll Tempo 30 in Stadt und Umlandgemeinden kommen. Der 20-jährige Student der Philosophie, 2018 bester Abiturient am Pforzheimer Theodor-Heuss-Gymnasium, erhofft sich zudem mehr Wasserstoffantrieb – und fordert einen in letzter Konsequenz kostenlosen öffentlichen Personennahverkehr. Auch wenn dafür vielleicht der Verkehrsverbund Pforzheim Enzkreis aufgegeben werden und sich die Region mit Karlsruhe und Stuttgart zu einem größeren Verbund zusammenschließen müsste.

Skepsis bei City-Ost und Bädern

Überhaupt wollen die „Fridays-for-Future“-Aktivisten manches auf den Prüfstand gestellt sehen. So sei bei Vorhaben wie InnenstadtOst, die Hornung als Prestigeprojekt bezeichnet, die Entscheidung auch anhand der Umweltfolgen zu prüfen. „Beton ist klimaschädlich“, sagt er. Das gelte im Übrigen auch für Hallenbäder, die viel Energie verbrauchten. Deshalb solle die Frage nach dem Erhalt aller Bäder ebenso unter diesem Aspekt geprüft werden. Hornung, Mitglied im Landesvorstand der Grünen Jugend, räumt ein, dass Autofahrten zu weiter entfernt liegenden Bädern umgekehrt eine Rolle spielen könnten.

Klimanotstand reicht so nicht

Die „Fridays-for-Future“-Aktivisten begrüßen, dass die Stadt den Klimanotstand ausrufen und so mehr Geld fürs Thema lockermachen will (die PZ berichtete). Aber dies solle durch viel mehr konkrete Inhalte hinterlegt werden, als bisher geschehen, so Hornung. Man wende sich an alle im Pforzheimer Gemeinderat vertretenen Parteien und Gruppierungen, quer übes gesamte politische Spektrum. „Wir brauchen die Grünen, die SPD, die Linken, wir brauchen die CDU und die FDP.“ Lediglich zur AfD habe man keinen Kontakt gesucht. Da diese den Klimawandel leugne, sei es sinnlos.

Am Freitag ab 12 Uhr ist in Pforzheim die nächste Demo geplant.

Marek Klimanski

Marek Klimanski

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