Impfen rund um die Uhr: Am 11. Dezember um 0 Uhr ist der 24-Stunden-Impfmarathon im CongressCentrum Pforzheim gestartet. Geimpft wird von 0 Uhr bis 23.59 Uhr. Insgesamt konnten 6.000 Termine gebucht werden.
Pforzheim
Auch der Oberbürgermeister packt mit an: Impfmarathon in Pforzheim ein voller Erfolg
  • Sofia Morelli

Pforzheim. "Schlafen können wir wieder, wenn die Pandemie vorbei ist", scherzt die Pandemiebeauftragte Nicola Buhlinger-Göpfarth am Samstagmorgen zu Beginn ihrer zweiten sechsstündigen Schicht beim Impfmarathon im CCP. "Da wurde schon genug verschlafen", schiebt sie hinterher und berichtet von den Problemen bei der Impfstoffbeschaffung.

BioNTech habe sie sich für die Impfaktion von einem Kollegen leihen müssen, weil die Lieferung vom Bund nicht rechtzeitig kam. Doch anders als so mancher frustrierte Hausarzt, behält sich Buhlinger-Göpfarth trotz aller Hürden ihren Tatendrang bei. Allein bei der 24-Stunden-Aktion im CCP ermöglicht sie damit rund 5000 Menschen eine Impfung.

Über den Ablauf sind nur positive Stimmen zu hören. "Das klappt einwandfrei. Wir sind gleich drangekommen", berichtet das Ehepaar Klotz aus Grunbach. Jeweils 25 Helfer vom DRK, dem ASB, der Feuerwehr Pforzheim, der BRH-Rettungshundestaffel, dem DLRG, dem THW und dem Kriseninterventionsteam sorgen in allen vier Schichten dafür, dass die Schlange vor dem Eingang kurz und in Bewegung bleibt.

Unterstützt werden sie dabei von mehreren Pforzheimer Politikern. Sie bekommen die Aufgabe, Impfwillige abzuholen, ihre Daten zu überprüfen, sie bei Bedarf zum Arztgespräch und anschließend zu einer Impfkabine zu begleiten.

Politiker packen mit an

Der Grünen-Landtagsabgeordnete Felix Herkens hat seine Schicht von 0 bis 6 Uhr bereits hinter sich, als Oberbürgermeister Peter Boch, der Vorsitzende der FDP-Landtagsfraktion Hans-Ulrich Rülke, der CDU-Bundestagsabgeordnete Gunther Krichbaum und der FDP-Bundestagsabgeordnete Rainer Semet eintreffen, und verabschiedet sich ins Bett. Gut und anstrengend sei es gewesen.

Nach einer Einführung bei der Helferin Friederike Krolikowska und einiger Anfangsschwierigkeiten mit dem Tablet sind auch die vier Vertreter in der zweiten Schicht bereit für ihren Einsatz. Den Abenddienst überlassen sie der SPD-Bundestagsabgeordneten Katja Mast.

"Die Menschen sind froh, dass es sowas gibt."

Pforzheims Oberbürgermeister Peter Boch über den Impfmarathon

"Damit haben wir nicht gerechnet, dass die Prominenz hier vertreten ist. Genial!", sagt das Ehepaar Lange aus Pforzheim, das von Rülke betreut wird. Vor allem die Aktion selbst kommt gut an. OB Boch machen die Impfungen Hoffnung, dass "wir bald wieder etwas fröhlicher in die Zukunft schauen können." Unkonventionelle Methoden wie der Impfmarathon sieht er gut geeignet, um den Vorgang zu beschleunigen.

"Das geht ja wie's Brötchen backen", stellt Krichbaum bei der Arbeit fest. Die Menschen, auf die er treffe, seien voll des Lobes. Auch die Ärztin Sabine Krieg findet, dass die Aktion selbst im Vergleich zu den Impfzentren, in denen sie schon gearbeitet hat, gut organisiert ist.

Impfwillige aus nah und fern

Viele Impffreiwillige zeigen sich dankbar über das Angebot. Dazu gehören Christina Rau und ihr Mann aus Karlsbad, die bereits bei der Messe in Stuttgart versucht haben, sich boostern zu lassen, dort aber abgewiesen wurden, weil sie zu früh dran waren. Bis zu ihrem Termin beim Hausarzt im Januar dauert es ihnen jedoch zu lange, denn dann läge ihre Zweitimpfung schon mehr sechs Monate zurück. Da kommt der Impfmarathon gerade richtig.

Auch Martin Eberle ist mit seinem Schwiegervater aus Karlsruhe angereist, weil seine Frau in Pforzheim am schnellsten einen Termin finden konnte. Die pensionierte Krankenschwester Birgit Kamuf mit Erstwohnsitz auf Rügen und Zweitwohnsitz in Pforzheim hat sogar Plätzchen als Dankeschön für die Impfenden mitgebracht.

Den Termin habe sie hart erkämpfen müssen und viele Internetseiten durchforstet, bis sie auf die Aktion im CCP gestoßen sei. "Da war ich echt happy".