„Wir haben einen großen Schatz, den ich gekauft habe: 120 Hektar Katharinentaler Hof“, hat Pforzheims früherer Oberbürgermeister Joachim Becker (1985 bis 2001, SPD) im PZ-Interview Anfang des Monats zum Thema Gewerbeflächenknappheit gesagt – und PZ-Leser Bernd Feil will nun wissen: „Wurde im Rathaus schlicht vergessen, dass die Stadt über eine so große Fläche verfügt?“
Zunächst muss man vielleicht nochmal auf die Vorgeschichte eingehen“, sagt Michael Strohmayer. Der städtische Pressesprecher hat auf die Frage der PZ im Rathaus, beim Regionalverband und weiteren beteiligten Institutionen die Infos zusammengetragen: „Der Gemeinderat hat dem Kauf des Katharinentaler Hofs in den 1990er-Jahren zugestimmt, um ein Grundstück auf Vorrat zu haben, das als Erweiterungsfläche für die Mülldeponie dient. Eine Gewerbeflächenentwicklung wurde vom Gemeinderat damals abgelehnt.“ Die Deponieerweiterung sei dann auch nicht zum Tragen gekommen, weil die Untere Landwirtschaftsbehörde keine Verkehrsgenehmigung erteilt habe. „Die Lösung war schließlich, das Grundstück für 30 Jahre an einen Landwirt zu verpachten.“ Dies sei noch nicht abgelaufen.
Im Zuge des Gewerbeflächenkonzepts habe die Stadt zuletzt 2012 insgesamt 20 mögliche Standorte für Gewerbeflächen nach verschiedenen Kriterien untersucht, darunter auch den Katharinentaler Hof. Bereits in der ersten Bewertungsrunde sei dieser Standort aus einer ganzen Reihe von Gründen als „nicht geeignet“ eingestuft worden. Das Areal gehört zur Gemeinde Neulingen, „Pforzheim hat hier also keine Planungshoheit“. Damit wäre das Landratsamt die genehmigende Behörde, die dies dann gegen zahlreiche Widrigkeiten und Vorschriften tun müsste. So handle es sich um die größte abflusslose Karstsenke Europas, was zu schwerwiegenden wasserschutzrechtlichen und geologischen Problemen führe. Und nicht zuletzt: Aufgrund seiner hochwertigen landwirtschaftlichen Böden sei das Areal als „regionaler Grünzug“ ausgewiesen, der keinerlei Siedlung erlaubt. Eine Verschärfung als sogenanntes „Vorranggebiet Landwirtschaft“ steht bevor.

