nach oben
In einem unbeobachteten Moment gelangen die K.O.Tropfen in das Getränk.
In einem unbeobachteten Moment gelangen die K.O.Tropfen in das Getränk. © Homann
23.07.2008

Pforzheimer Beratungsstelle warnt: Jugendliche mit K.o.-Tropfen betäubt und vergewaltigt

PFORZHEIM. Die K.o.-Tropfen haben der 13-Jährigen sämtliche Erinnerungen an den Party-Abend genommen. Erst als sie einen Gynäkologen wegen Beschwerden aufsucht, wird sie mit der stattgefundenen Vergewaltigung konfrontiert.

Die Lilith-Beratungsstelle zum Schutz vor sexueller Gewalt registrierte in den vergangenen 18 Monaten fünf bis sechs Fälle, in denen Jugendliche mit K.o-Tropfen betäubt und dann gegen ihren Willen misshandelt wurden. Für die Leiterin der Beratungsstelle, Angela Blonski, steht fest: „Die eigentliche Zahl ist viel höher, bei uns kommen wenige an.“

Schwer nachweisbar

Denn durch die Betäubungstropfen würde den Opfern die Erinnerung an die Tat genommen aber auch oftmals an den Täter und den Ort des Geschehens. Eine Anzeige bei der Polizei zu erstatten oder sich an die Beratungsstelle zu wenden, sei unter diesen Umständen schwierig. Nur wenige Stunden nach dem Einflößen der geruchs- und geschmacklosen Tropfen sei der Wirkungsgehalt im Körper nachweisbar. Dies sei ein weiteres Hindernis, um den Täter mit Hilfe einer Anzeige zu erwischen.

Ein Bekannter hatte der 13-Jährigen am Party-Abend bei Freunden ein Getränk mit den Tropfen gebracht, Stunden später wachte das Mädchen an einem anderen Ort wieder auf. Oftmals, sagt Psychologin Katja Leonhardt, seien mehrere Täter an der Vergewaltigung beteiligt. Sie betreute das Mädchen psychologisch und bearbeitete ihre albtraumhaften Fantasien, die sie über die Tatnacht hatte. In einem anderen Fall hatte das Opfer die vage Erinnerung, dass der Täter Nackt-Fotos von ihr angefertigt haben könnte, die jetzt im Internet kursieren.

Drohender Kontrollverlust

Für die Lilith-Mitarbeiterinnen steht fest: Nur durch Vorbeugung lasse sich eine Situation verhindern, in der – etwa auch durch Alkoholkonsum befördert – komplett die Kontrolle verloren gehe.

Die Getränke nicht aus den Augen lassen, und auch beim Einschenken an der Bar aufmerksam zuschauen: Nur so könne eine solche Tat verhindert werden. Wer sich nicht sicher fühle, solle die Party verlassen.

„Die Opfer fallen durch eine solche Tat völlig raus aus ihrem Sicherheitsgefüge“, sagt Leonhardt. Da breche eine Welt für die Mädchen zusammen. Um generell auf sexuelle Gewalt und deren Vorbeugung hinzuweisen, hat Lilith jetzt einen Flyer entwickelt, der sich an Jugendliche wendet (die PZ berichtete).

Lilith – Die Beratungsstelle für Mädchen und Jungen zum Schutz sexueller Gewalt ist telefonisch erreichbar unter (0 72 31) 35 34 34 und im Internet unter www.lilith-beratungsstelle.de