Ein Juwel in den Alpen: die Pforzheimer Hütte. Foto: Constantin
1926 wurde das zweite Berghaus eingeweiht. Foto: Constantin
Pforzheim
Pforzheimer Hütte ist ein Magnet in den Alpen: Vor 130 Jahren begann die Begeisterung für das Bergsteigen
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Pforzheim. Vor 130 Jahren haben bergbegeisterte Pforzheimer beschlossen, eine eigene Sektion des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins zu gründen. Sie wollten mit dieser Gründung die Begeisterung für Bergsteigen in der Region wecken und die Erschließung der Alpen fördern – gleichzeitig aber auch die Jugend einbinden.

Mit großer Zielstrebigkeit ging die Gemeinschaft ans Werk, Pläne für ein Berghaus, in einem touristisch noch nicht erschlossenen Gebiet zu errichten. Das fand sich am Schlinigpass in der Sesvennagruppe, dem Grenzkamm zwischen Italien und der Schweiz. Zwei Kilometer von der Schweizer Grenze entfernt, konnte die Sektion Pforzheim am 24. August 1899 für 20 Gulden das passende Gelände erwerben. Von Schlinig stiegen zur Einweihung Emil und Adolf Witzenmann mit Gemeinderatsmitgliedern der Stadt Pforzheim hinauf zur Einweihung, die am 20. August 1901 stattfand. Dabei war auch der Baumeister Wallnöfer, dessen Enkel sich für den Wiederaufbau des inzwischen denkmalgeschützten Berghauses einsetzten. Bis zum Kriegsausbruch 1914 fanden 3500 Bergsteiger hier eine beliebte Anlaufstelle und Nachtlager für ihre Touren. Mit dem Friedensvertrag 1919 von St. Germain ging das Haus verloren und kam in den Besitz des Club Alpino Italiano der Sektion Mailand. Ab diesem Zeitpunkt diente das Berghaus als Unterkunft der Alpini, als Grenzstützpunkt zur Kontrolle für Schmugglern zwischen der Schweiz und Italien, und danach beinten es Einheimische aus. Für die aufgebrachten Baukosten von 17 000 Goldmark bekam die Sektion keine Entschädigung. Mehrere Versuche durch den Südtiroler Alpenverein, den Verfall der alten Pforzheimer Hütte zu stoppen, verpufften. 1981 konnte dann in unmittelbarer Nähe die Sesvenna-Hütte – Untertitel ehemals Pforzheimer Hütte, eingeweiht und offiziell ihrer Bestimmung übergeben werden. Die Abrissbagger standen schon bereit, um die alte Pforzheimer Hütte dem Erdboden gleich zu machen, als ein plötzlicher Wintereinbruch die Wende brachte. Danach genehmigte die Autonome Region Trentino-Südtirol in Bozen einem Förderverein, die Berghütte zu erwerben, sie zu sanieren und als Berghausmuseum zu erhalten. Walter Witzenmann wollte jemanden als Geldboten nach Südtirol schicken, da Überweisungen für den Umbau damals noch nicht möglich waren. Den Rahmen dafür gab dann ein Förderverein.

In wunderschöner Lage an einem kleinen See mit der Spiegelung des Ortlers präsentiert sich das Haus in einer neuen Außenhaut, und auch der Innenausbau schreitet voran. Gleichzeitig mit dem Bau des Berghauses entstand ein in die Felsen gesprengter Felssteig, hoch über der Uinaschlucht, der den Weg zwischen dem Vinschgau und dem Unterengadin verkürzt. Der Grenztierarzt Vital aus Sent musste immer einen weiten Weg über den Reschenpass gehen, um die Tiere auf Südtiroler Seite zu versorgen, und die Pforzheimer hatten großes Interesse, mehr Bergsteiger zum Berghaus zu bringen. Nur ein Weg durch die Felswände war hier die Lösung, die der Ingenieur Coray aus Trins in Graubünden entwickelte. 100 Meter über dem tosenden Gebirgsbach, Lawinen – und Steinschlag geschützt, ist der Steig mit Galerien rund einen Kilometer in das felsige Gestein gefräst. Die Transalpin-Strecke ist bei Bikern beliebt. Auf Metalltafeln, die am Eingang und Ausgang der Schlucht befestigt sind, ist die Geschichte des Steiges beschrieben. Die Sektion drängte es nach dem Verlust des ersten Berghauses, sich um einen Bauplatz für ein zweites Berghaus umzusehen. Auch die Stubaier Bergkämme waren vor 95 Jahren noch nicht so erschlossen. Hoch über dem Gleierschbach, auf einem alten Moränenrücken auf 2308 Metern Höhe entstand dann in den Jahren 1925 und 1926 das zweite Pforzheimer Berghaus. Zur Platzbesichtigung gingen der noch junge Walter Witzenmann mit seinem Onkel Adolf Witzenmann zu Fuß von Ötz über Kütai und St. Sigmund hinauf zum Bauplatz. 25 Jahre nach dem Bezug des ersten Berghauses war am 5. September 1926 mit einer großen Feier die Einweihung des zweiten Berghauses der Sektion. Nach dem Tod den bekannten Bergsteigers Adolf Witzenmann, der vor allem in den Dolomiten viele Erstbesteigungen durchführte, erhielt das Haus den zusätzlichen Namen Adolf-Witzenmann-Haus. In der Zwischenzeit hat das Haus eine Reihe bauliche Veränderungen erfahren und ist eine beliebte Anlaufstation für die gesamte Region. Geplant ist auch ein weiterer Ausbau des Hauses, da es an Personalzimmern fehlt und der Trend bei Übernachtungen auch auf weniger Betten in den einzelnen Räumen geht.

Das Berghaus mit seinen 28 Zimmern und 40 Matratzenlagern ist noch bis Ende September geöffnet. Anmeldungen telefonisch unter (00 43) 5 23 65 21 oder über pforzheimerhuette@a1.net. Zu den Hygienevorschriften gehört es, dass jeder Besucher während der Pandemiezeit einen eigenen Schlafsack mitbringen muss.