Pforzheim. Tief steht die Sonne am Himmel und taucht den Hoheneckfestplatz in ein dunkelgelbes Licht. Um kurz nach 18 Uhr am Samstagabend stehen dort ein paar Dutzend Autos – hintereinander, in mehreren Reihen, so ausgerichtet, dass die in ihnen sitzenden Menschen einen freien Blick auf die Bühne haben, die an einem Ende des Festplatzes aufgebaut wurde.
In wenigen Minuten wird dort Olli Gimber seine Witze erzählen. Und nicht nur er steht am Wochenende auf dem Hoheneckfestplatz auf der Bühne. Auch Helge Thun und Christoph Sonntag absolvieren einen Auftritt, Christiane Quincke, Georg Lichtenberger und Hans Draskowitsch gestalten einen Gottesdienst. Es ist das erste Mal, dass es so etwas in Pforzheim gibt. „Die schwer gebeutelte Kultur- und Veranstaltungsbranche trotzt der Corona-Krise“, lautet das Motto des neuen Formats, das Philipp Buchholz und Simon Berger auf die Beine gestellt haben, ehrenamtlich unterstützt von Gerhard Baral.
Die Idee: Wie in einem Autokino bleiben die Gäste in ihren Vehikeln sitzen – mit dem Unterschied, dass sie keinen Film zu sehen bekommen, sondern Comedy. Olli Gimber findet das Konzept toll. Als am Samstagabend die Sonne langsam hinter den Bäumen zu versinken beginnt, stand er bereits einmal auf der Bühne. Sein zweiter Auftritt folgt in wenigen Minuten.

Gebeutelte Kulturszene trotzt der Krise mit Waldbühne
Immer wieder fahren Autos auf den Hoheneckfestplatz. Evelyn, Selina und Lucas nehmen die Besucher in Empfang, die ihr zuvor im Internet gekauftes Ticket entweder ausgedruckt oder auf dem Handy von innen an die geschlossene Fahrerscheibe halten. Alle drei helfen ehrenamtlich. „Das ist eine klasse Aktion“, sagt Lucas: „Das kann man gut unterstützen.“ Kontaktlos scannen sie die Tickets ab und verweisen die Besucher an Corin, der ihnen einen Platz zuteilt, auf dem sie ihr Auto abstellen können. Elf, durch rot-weißes Flatterband abgetrennte Reihen gebe es, erklärt Corin: Immer zwei Autos stünden hintereinander, dann folge eine fünf Meter breite Rettungsgasse.
Alles läuft sehr geordnet
Wenn die Veranstaltung zu Ende ist, fahren alle geradeaus in Richtung Bühne, biegen dort nach links oder rechts ab und gelangen so wieder zum Eingang, ohne den Rückwärtsgang einlegen oder wild am Lenkrad kurbeln zu müssen. „Die Leute halten sich gut daran“, sagt Corin: Alles laufe sehr geordnet. Der Platz hat sich inzwischen gefüllt. Unter den Besuchern ist auch Sabina Eckenfels. „Ich finde, das ist ein sehr interessantes Format, von dem ich mir vorstellen könnte, dass man es auch nach Corona beibehalten könnte“, meint sie und berichtet, sie habe auch schon ein Foto mit Olli Gimber gemacht – mit ausreichend Sicherheitsabstand, versteht sich.
Der betritt derweil die Bühne. In den Autos wird gehupt. Manche strecken ihr Smartphone aus dem geöffneten Schiebedach, um ein Foto zu schießen. Gimber ist gut gelaunt und trägt wie immer sein Elektrikerhemd: „Jeder Knopf steht unter Spannung.“ Schnell kommt er in Fahrt, erzählt einen Witz nach dem anderen und stellt Fragen wie diese: Was sind die letzten Worte des Sportlehrers? „Alle Speere zu mir.“ Egal, ob Frauen oder Männer, ob Deutsche, Polen, Schweizer, Italiener oder Österreicher, ob Alte oder Junge, ob Urologen oder Zahnärzte: Bei ihm kriegt jeder sein Fett weg.

Gimber erzählt vom Streit über den größten King Kong, vom frühzeitigen Ejakulieren, von katholischen Geistlichen und Rabbis, von Omas auf dem Sonnendeck eines Luxuskreuzers und von zwei Arschbacken, die sich unterhalten: „Sagt die eine zur anderen: Du, im Flur stinkt es.“ Nach dem Auftritt meint Gimber, es habe ihm Spaß gemacht – auch, wenn es etwas ganz anderes sei als sonst. „Man braucht ein bisschen Zeit, bis man reinkommt.“
Nicht nur Pfarrer denken an Wiederholung
Auch für die evangelische Dekanin Christiane Quincke und den katholischen Pfarrer Georg Lichtenberger ist es eine neue Erfahrung, am Sonntagmittag vor rund 45 Autos zu predigen. Unterstützt von Hans Draskowitsch am Saxofon, machen sie den Menschen Mut. Sie rufen ihnen zu, nach etwas Essbaren im Auto zu suchen und es dann allein oder zusammen mit den anderen Insassen zu genießen, denn: „Brot brechen geht auch in den eigenen vier Wänden.“ Die Hupe ersetzt das Glockengeläut und die Schlussmusik. Als der Auto-Gottesdienst vorbei ist, meint Quincke, dies könne in Zukunft eine von mehreren Formen sein, mit denen die Kirche in der Krise für die Menschen da ist.
Lichtenberger sagt: „So etwas schreit nach Wiederholung.“ Philipp Buchholz und Simon Berger wären dazu bereit. Die beiden Organisatoren würden die Bühne gerne stehen lassen und in Zukunft dort öfter Veranstaltungen ermöglichen, bei entsprechender Nachfrage jeden Tag. „Wir haben hier ein Gelände, das spielfähig ist und Veranstaltungen in Corona-Zeiten erlaubt“, sagt Berger und ergänzt, man würde es auch anderen zur Verfügung stellen. Bislang liegt für eine Fortführung aber noch keine Genehmigung vor.

