Pforzheim. Die Stadtbibliothek feiert ihr 20-jähriges Bestehen. Am Samstagabend war sie Spielstätte eines von gut 80 Zuhörern besuchten Poetry Slams, der modernen Form eines Dichterwettstreits. Oder wie es Lino Wirag formulierte, ein „Hotspot der Gegenwartsliteratur“.
Nach einer kurzen Anmoderation von Ruth Jaeckle (Stadtbibliothek) übernahmen die Zwillingsbrüder Andi und Lino Wirag die musikalische und verbale Führung durch den Poeten-Wettbewerb. Rasch wurden, an verschiedenen Stellen im Saal, sechs sogenannte „Juroren-Inseln“ aus mehr oder weniger zufällig nebeneinandersitzenden Gästen gebildet. Kurz darauf stellte Lino Wirag acht Slam-Kandidaten aus Karlsruhe, Malsch, Mannheim, Pforzheim und Stuttgart vor.
Nacheinander präsentierten sie ihre literarischen Werke, teils Prosa, teils Gedichte. Manche lasen vom Blatt, andere nutzten stattdessen ihr Handy. Die präsentierten Arbeiten konnten kaum unterschiedlicher gestaltet sein: Jessica Weigand trug beispielsweise einen humorigen Reisebericht mit dem Titel „Vietnam und das Krabbelzeugs“ vor, Evangelos Kouranos referierte über seine „Lieblingszahl, die Null“, und Daniel Ströbel ließ die Zuhörer an seiner Erkenntnis teilhaben: „Es gibt keinen Gott; doch zum Glück erfahren wir ihn, sie oder es“.
Während der Auftritt des kurzfristig eingesprungenen Slammers Marco Valentino – nicht nur bei der Textstelle „Wir brauchen weder männliche, noch neo-koloniale Normen“ – irgendwie resigniert klang, wohnte dem Beitrag „Gib auf!“ der 17-jährigen Anna Filipak erfrischend jugendliche Aufmüpfigkeit inne. Jasmin Köselis Beitrag mit dem Arbeitstitel „Nie genug“ (und der zuletzt gewählten Überschrift „Fuck You“) machte aus den autobiografischen Quellen keinen Hehl, während Stefan Unsers Reflexion „Probleme“ die Beobachtungen mit einer Prise Humor würzte. Kostprobe: „Ab drei Jahren können wir laufen und sprechen. Und ab da nur noch mitlaufen und entsprechen“.
Die Jury sah die Beiträge von Stefan Unser (mit 37,9 Punkten), von Anna Filipack (35,6) und Daniel Ströbel (35,2) auf den ersten Plätzen, die zum Stechen berechtigten. Hier hatte Routinier Unser „den längsten Atem“: auch sein zweiter Vortrag – „Über das Wollen“ – verfing beim Pforzheimer Publikum. Ihm wurde der stärkste Beifall, damit der erste Platz und ein Buchpreis zuteil.

