Stehen beim Poetry Swim auf der Bühne: Jörg Augenstein, Hans Draskowitsch, Nik Salsflausen, Lena Stokoff, Lukas Bendig, Sarah Kentner, Marvin Suckut, Lino Wirag und Jörg Müller (von links). Foto: Nico Roller
Pforzheim
Poetry Swim im Nagoldfreibad: Premiere mit geballter Unterhaltung lockt Neugierige
  • Nico Roller

Pforzheim. Schmissige Musik sorgt für gute Stimmung, flotte Tänze reißen das Publikum mit, Wortakrobaten bringen die Zuhörer mit ihren Texten nicht nur zum Lachen, sondern auch zum Nachdenken. Und dann gibt es noch 2000 gelbe Quietscheentchen, die im Wasser schwimmen. Es wäre wohl nicht übertrieben, wenn man sagen würde: Beim ersten Poetry Swim war am Samstagabend im Pforzheimer Nagoldfreibad ordentlich was los.

Sehr zur Freude von Jörg Müller: „Einzigartige Orte brauchen einzigartige Erlebnisse“, erklärt der Vorsitzende des Fördervereins: „Wir wollten einfach mal wieder etwas Besonderes anbieten.“ Die Idee zu der Veranstaltung sei schon voriges Jahr aus einer Bierlaune entstanden, erzählt Müller. Im Januar habe man dann den Kontakt zu Lino Wirag gesucht. Sein Name ist in Pforzheim nicht unbekannt und fällt oft, wenn es um Poetry Slams geht. Unzählige von ihnen hat der Kulturwissenschaftler schon in der Goldstadt moderiert. Klar, dass er auch am Samstagabend auf der Bühne steht, um in gewohnter Weise mit einer großen Portion Humor und einer Prise schlagfertiger Gelehrsamkeit durchs Programm zu führen.

Das dauert gut zwei Stunden und beginnt, als die Sonne langsam hinter dem Horizont versinkt. Im Mittelpunkt steht der Wettstreit der Wortakrobaten. Sie duellieren sich mit Texten, werfen mit Metaphern, jonglieren mit Vergleichen und anderen rhetorischen Figuren. Ihre Arena ist eine quadratische, im Wasser des Nagoldfreibads schwimmende Plattform, die über eine kleine Brücke und einen schmalen Steg zu erreichen ist. Ganz schön wacklig das Ganze. Baden geht trotzdem keiner – auch nicht im übertragenen Sinn: Jeder der acht Slamer trifft den Nerv des Publikums, jeder mit einem anderen Thema. Während Lena Stockoff mit Blick auf den Klimawandel über das Leben als Fisch nachdenkt, lässt Lukas Bendig das Publikum teilhaben an den Vorgängen in seinem Kopf, wo Gefühlsdistrikt, Marketing- und Forschungsabteilung angeregt miteinander diskutieren.

Liebeslyrik bis afro-schwäbisch

Bei Nik Salsflausen dreht sich dagegen alles um die Freiheit – ein Wort, das in diesen Tagen vor allem von jenen gebraucht wird, die gegen die Corona-Verordnungen auf die Straße gehen. Marvin Suckut präsentiert zuerst makabre Liebeslyrik, dann seine Gedanken zu Ästhetik. Im Finale tritt er gegen Sarah Ka an, die aus ihrem „afro-schwäbischen Alltag“ berichtet und bis ins kleinste Detail die mehr oder minder erotischen Inhalte des Metzgerkalenders beschreibt. Eigentlich müsste der Applaus entscheiden, wer von den beiden gewinnt. Aber was macht man, wenn der Beifall für beide gleich laut und gleich heftig ausfällt? Ganz einfach: Man erklärt beide zu Siegern.

„Eine tolle Premiere“

Apropos Applaus: Den bekommt zu Beginn des Abends auch Hans Draskowitsch, als er mit zupackender Spielweise sein Saxofon zum Klingen bringt. Und was macht Jörg Augenstein? Er haut einen Schlager nach dem anderen raus, unterstützt von den Tänzerinnen der Tanzschule Saumweber-Fischer. „Señorita Bonita“ gibt es genauso zu hören wie „Eiskalter Engel“ und „Good Morning Sunshine“. Für das Fazit ist wieder Jörg Müller zuständig: „Ich finde, das war eine tolle Premiere.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.