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Freundlicher Blick aus dem Fenster: Alois Amann feiert am morgigen Ostersonntag seinen 90. Geburtstag in Hohenwart.  Foto: Fuchs 

Politiker aus Leidenschaft: CDU-Urgestein Alois Amann wird 90 Jahre alt

Pforzheim-Hohenwart. Das Pforzheimer CDU-Urgestein, das über Jahrzehnte den Pforzheimer Stadtrat und als langjähriger Ortsvorsteher von Hohenwart den Höhenstadtteil prägte, Alois Amann, wird am Ostersonntag 90 Jahre alt.

Mittlerweile macht der Jubilar, der 2009 als Ortsvorsteher verabschiedet wurde, keine Politik mehr, die einst seine große Leidenschaft war. „Er informiert sich über das Fernsehen, erzählt mir viel über sein Leben und manchmal schlägt er die sprachwissenschaftliche Herkunft eines Wortes nach“, sagt seine häusliche Pflegekraft. Dabei blitzt auch immer noch Amanns Faible für Familien- und Heimatforschung durch.

Historisch interessiert

Alois Amann war mit Leib und Seele Kommunalpolitiker, politisch versiert und geschichtlich weit mehr als interessiert. Denn der 90-Jährige galt einst als wandelndes Lexikon. 1955 begann Alois Amann, der lange Konrektor der Nordstadtschule war, in seinem Traumberuf als Lehrer zu arbeiten, danach trat der Hohenwarter, der ursprünglich aus Semlin, im ehemaligen Jugoslawien stammt, der CDU bei. Noch heute spürt seine Pflegekraft Amanns Verbundenheit zu ihrem Heimatland, dem heutigen Serbien, auch wenn sie aus einer anderen Region als Amann stammt. Vor drei Jahren sei Alois Amann das letzte Mal in seiner Geburtsstadt gewesen, so die Pflegerin.

In Semlin wurde Amann am 12. April 1930 als Sohn einer deutschstämmigen Familie geboren, der mit mehreren Geschwistern aufwuchs. Der Familie blieb im Zweiten Weltkrieg nur die Flucht. Nach dem Krieg kam Alois Amann in Pforzheim und 1946 in Hohenwart an. Der später sehr erfolgreiche Pforzheimer CDU-Kommunalpolitiker und Träger der Bürgermedaille der Stadt Pforzheim, war schon als junger Mann zielstrebig und ehrgeizig, machte eine Gärtnerlehre und besuchte parallel das Abendgymnasium, absolvierte ein Studium am Pädagogischen Seminar in Karlsruhe und interessierte sich für Politik und Kirche.

CDU mit absoluter Mehrheit

Aus dem Pforzheimer Gemeinderat schied Alois Amann nach 34 Jahren aus, länger als er saß damals keiner am Ratstisch und mächtiger war zu jener Zeit wohl auch keiner. Denn Amann führte die große CDU-Fraktion im Pforzheimer Stadtrat von 1977 bis 2003 und dies jahrelang mit absoluter Mehrheit und jahrzehntelang nur knapp darunter. Politische Weggefährten – auch damalige Gegner - sagen dem Jubilar Bildung, Kultiviertheit und Prinzipientreue nach und haben noch heute großen Respekt davor, was der Mann aus Hohenwart alles bewegt hat.

Unter der Führung von Alois Amann hat die CDU-Fraktion beispielsweise Bürgermeisterstellen besetzt, das Wachsen der Sparkasse Pforzheim Calw begleitet und das Stadttheater, die Stadthalle, das Parkhotel und die Stadtbibliothek mitgetragen.

Private Schicksalsschläge

Als er nach mehr als 30 Jahren nicht mehr für den Stadtrat kandidierte. Auch kirchlich, für den Hohenwarter Pfarrgemeinderat, engagierte sich Amann fünf Wahlperioden, in der Zeit von 1973 bis 1995. Amann war für die Gesellschaft vielfältig engagiert und ein Kämpfer. Politisch hat der CDU-Mann 1972 einen Kampf verloren. Damals wäre Alois Amann gerne Landtagsabgeordneter geworden. Doch die Pforzheimer CDU nominierte nicht Amann, sondern Hugo Leicht. Auch privat musste Amann schon einige Schicksalsschläge verkraften, so den Tod seiner Frau Margarete im Jahr 2014 und seiner Tochter Elisabeth nur drei Jahre später. Zu seiner Familie gehören heute zwei Kinder, vier Enkel und zwei Urenkel.