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© Ketterl
23.11.2015

Polizei versichert "nahezu Dauerpräsenz" auf Pforzheimer Weihnachtsmarkt

Trotz der Terroranschläge in Paris eröffnen heute viele Weihnachtsmärkte im Südwesten - so auch in Pforzheim. Die Polizei kündigt besondere Wachsamkeit an, sieht aber keine konkrete Gefahr.

Polizeioberrat Martin Plate vom Polizeipräsidium Karlsruhe sagte gegenüber PZ-news, dass weiterhin eine ernstzunehmende Bedrohungslage bestehe. Es gäbe aber keine konkrete, sondern lediglich eine abstrakte Gefahr. Die Präsenzmaßnahmen der Polizei bleiben zwar auf gleichem Niveau wie in den Vorjahren auch, jedoch besteht eine erhöhte Wachsamkeit und Sensibilisierung der Beamten. Es werde speziell für den Pforzheimer Weihnachtsmarkt "nahezu polizeiliche Dauerpräsenz geben", so der Pressesprecher. Plate verweist außerdem darauf, dass auch Maßnahmen stattfinden, die vor dem normalen Bürger verdeckt ablaufen. Im Bezug auf die große salafistische Gemeinde in Pforzheim gäbe es durchaus Personen, die im Fokus der Polizei stünden und einen "Gefährderstatus" einnehmen.

Nach Informationen des Innenministeriums wird im Südwesten Deutschlands kein Weihnachtsmarkt abgesagt. «Wir nehmen die Situation ernst, aber wir überlassen den Terroristen, die mit ihren Aktionen auf die Angst der Leute zielen, nicht das Feld», hatte der Stuttgarter Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) kürzlich gesagt. Die Polizei kündigte an, sich häufiger als sonst auf dem Markt zu zeigen. Auch müssten sich die Besucher ab Mittwoch auf mehr Kontrollen einstellen - hilfreich könne es sein, weniger Gepäck mitzunehmen.

3,5 bis 4 Millionen Menschen besuchen den Stuttgarter Weihnachtsmarkt jedes Jahr. Werden es dieses Jahr weniger? «Das ist spekulativ», hatte ein Sprecher des Veranstalters kürzlich gesagt. Die Menschen müssten ohnehin zum Einkaufen in die Innenstadt strömen, dann würden sie auch den Markt besuchen. «Das Leben geht weiter, der Alltag auch.» Zugleich räumt er aber ein: «Die Sorgen der Menschen sind da.»

Auch für den Freiburger Weihnachtsmarkt ab Montag gebe es keine Hinweise auf Bedrohungen, sagte der Geschäftsführer des Touristikunternehmens der Stadt Freiburg, Bernd Dallmann. Mitarbeiter und Beschicker seien aber aufgefordert, besonders auf verdächtige Situationen zu achten. Taschenkontrollen beim Einlass seien dagegen nicht vorgesehen - das sei bei erwarteten 500 000 Besuchern nicht zu machen. Doch große Veranstaltungen, etwa auch die Märkte in Colmar und Straßburg im grenznahen Frankreich, könnten dieses Jahr wegen der Anschläge einige Besucher einbüßen, schätzte Dallmann. «Ich glaube, dass es eine Menge Leute gibt, die das berührt.»

Auf dem traditionsreichen Straßburger Weihnachtsmarkt soll ein verstärkter Polizeieinsatz für Sicherheit sorgen. Der «Christkindelsmärik» soll wie geplant am Freitag eingeweiht werden. Tagelang stand die Großveranstaltung mit etwa zwei Millionen Besuchern pro Jahr aus Sorge vor möglichen Anschlägen auf der Kippe.

Auch der Karlsruher Weihnachtsmarkt öffne am Donnerstag normal, sagte ein Sprecher der Polizei. Allerdings wolle sie bis zur Eröffnung die Lage im Blick behalten und falls nötig reagieren. «Eine Absage steht derzeit nicht im Raum». Die Polizei werde wohl einige Beamte mehr als sonst patrouillieren lassen, die vereinzelt auch Taschen von Besuchern durchsuchen sollen.

Der Ulmer Weihnachtsmarkt erwartet ab Montag rund eine Million Besucher - vermutlich würden die Anschläge aber keinen Einfluss auf diese Zahlen haben, sagte eine Markt-Sprecherin. Vielmehr sei das Wetter entscheidend. Auch hier werde die Polizei verstärkt unterwegs sein, kündigte ein Sprecher an. Kontrollen ohne Anlass werde es nicht geben - Wachsamkeit sei trotzdem geboten, wie bei jeder großen Ansammlung von Menschen.

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