Pforzheim. Mit der Verwendung von Superlativen sollte man vorsichtig sein. Doch „Hinterm Horizont macht Schule“ von der Udo-Lindenberg-Stiftung wurde in Pforzheim gleich mehrfach zu etwas Großem und Besonderem. Denn das Musical- und Theaterprojekt, Grundlage ist Udo Lindenbergs Musical „Hinterm Horizont“ wurde bedingt durch Corona erstmals zu einer Hybridmischung von Film- und Schauspiel. Es vereinte – am Freitagabend bei der Premiere im Stadttheater – Film-, Theater- mit Musicalinszenierungen und Rockshow. Obendrein machte das Projekt erstmals im Westen Schule und dies vor allem mit Darstellern mit Migrationshintergrund der Nordstadtschule und der Brötzinger Schule. Anfangs war auch die Heumadenschule aus Calw mit im Boot.
Beachtlich wie Hauptdarsteller Alexandru Gabor Udo Lindenberg mimt, spricht und singt und den kessen Altrocker gibt. Besonders, wenn man weiß, dass Gabor mit rumänischen Wurzeln erst seit dreieinhalb Jahren in Deutschland lebt. Und obendrein während des Projekts, das Corona auf zweieinhalb Jahre verlängerte, auch noch in ein anderes Bundesland mit unterschiedlichen Ferien umzog. Andere wechselten in der Zeit ebenso auf andere Schulen.
„Alexandru hat mit den Texten Deutsch gelernt“, so der musikalische Leiter und Coach Noah Fischer, bekannt als Saxophonist von Udo Lindenberg. Für die Online-Coachings in Pforzheim und Calw hat der kreative, musikalische Kopf eigens eine Software optimiert, die es möglich machte, auch digital synchron zu üben.
Die Filmidee stammt von Regisseurin Elisabeth Engstler, die es kaum fassen kann, wie sich manche Akteure entwickelten. Gedreht wurde nicht nur auf den Straßen von Brötzingen und Bad Teinach. Auch der der Sparkassenturm, das Enzufer oder eine Verfolgungsszene im Schlachthof ist zu sehen. Unterstützt wurde das Projekt beispielsweise auch vom DDR-Museum und der Sparkasse.
Interessant ist die Story, die auf Pforzheim umgemünzt wurde. 20 Jahre nach der Wende stoßen Journalistinnen der hiesigen Zeitung im Haidach auf Udos Liebe aus Ost-Berlin. Auch Zeitzeugen wie Stadträtin Jacqueline Roos, die aus dem Osten stammt, kommen im Film zu Wort.
Bei so viel Engagement von Schülern und Crew verwundert es nicht, dass es da von Udo Lindenberg selbst viel Lob im Programmheft gibt: „Hallo ihr Expertinnen und Experten in Pforzheim und Calw. ‚Hinterm Horizont macht Schule‘, erstmals in Westdeutschland, unsere Geschichte von einer unmöglichen Liebe zwischen Ost und West, der Stasi und der Mauer. 2019 habt ihr begonnen, bevor uns das Virus radikal ausbremste. Trotzdem habt ihr das durchgezogen. Coachings, online, unter erschwerten Bedingungen und als dann auf einmal gar nichts mehr gehen sollte, habt ihr die Geschichte verfilmt. Ich hab‘ das alles verfolgt und finde es spitzenmäßig, mit welcher Liebe, Energie und Leidenschaft ihr die Geschichte umgesetzt habt. Trotz aller Stürme und Turbulenzen, ihr seid immer drangeblieben. Die ganze Panikfamily drückt euch die Daumen und fiebert mit“, schreibt Lindenberg, Pate des Projekts.
Da wirbeln 20 Schauspieler und 20 Tänzer über die Bühne. Beeindruckend so manches Gesangstalent, darunter das Solo von Giuliana Hardt als junge Jessy mit „Verbotene Stadt“. Und natürlich kommen Lindenberg-Fans mit Klassikern und Stücken wie „Mädchen aus Ostberlin“, „Hinterm Horizont geht’s weiter“ und „Mein Ding“ auf ihre Kosten. Aber auch in Projekten hinter der Bühne sind nochmals 60 Schüler aktiv, zum Beispiel in der Medien AG von Projektkoordinator Arno Köster, der mit Udo Lindenberg seit 1996 unterwegs ist.
Für die Aufführung am Freitag, 25. März, ab 15.30 Uhr gibt es noch Karten.

