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Im Südwesten gibt es zahlreiche Terminwohnungen, in denen Prostituierte ihre Dienste anbieten.
Im Südwesten gibt es zahlreiche Terminwohnungen, in denen Prostituierte ihre Dienste anbieten. © dpa
25.11.2012

Prostitution: Viele Wohnungen im Land, 40 in Pforzheim

Freiburg/Pforzheim. Sie bieten ihre Dienste mitten in Wohngebieten an, inserieren für Haus- und Hotelbesuche in Zeitungen und locken manchmal auch zwielichtige Gestalten an: Zahlreiche Prostituierte im Südwesten arbeiten in sogenannten Terminwohnungen. In manchen Städten sorgt das für Ärger, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab. In Pforzheim soll ab Januar für solche Objekte eine Vergnügungssteuer eingeführt werden.

Reagiert hat zuletzt die Stadt FREIBURG. «Wir mussten handeln, sonst wäre das Problem noch mehr als bisher aus dem Ruder gelaufen», sagt Rathaussprecherin Edith Lamersdorf. Die Prostitution in der badischen Universitätsstadt lief zunehmend unkontrolliert. Und sie nahm deutlich zu - vor allem in illegalen Bordellen und sogenannten Terminwohnungen. Deren Zahl stieg von etwa 25 im Jahr 2003 und 30 im Jahr 2005 auf inzwischen mindestens 90 an, wobei die Dunkelziffer nach Angaben der Polizei hoch ist. Es kam häufig zu Konflikten, zu Beschwerden von Anwohnern sowie zu Kriminalität. Und einige Amüsierdamen boten ihr Geschäft an der Straße in Wohnmobilen an. Auch dagegen gab es von Anwohnern Proteste.

Auch in der oberschwäbischen Kleinstadt RAVENSBURG gab es wiederholt Ärger wegen drei Terminwohnungen, die mitten in der Altstadt liegen. Dort kam es wiederholt zu Anwohnerprotesten, wie ein Polizeisprecher sagte. «Wenn dort Publikumsverkehr herrscht und die Leute alkoholisiert sind und laut, gibt es Beschwerden wegen Ruhestörung.» In Städten wie Ravensburg mit mehr als 35 000 Einwohnern sei die Prostitution aber legal. Da es keinen Sperrbezirk gebe, könne die Polizei nur einschreiten, wenn Verstöße gegen geltendes Recht vorlägen. Die Polizei kontrolliere einschlägige Adressen regelmäßig.

In FRIEDRICHSHAFEN im Bodenseekreis gab ebenfalls Proteste und Beschwerden in der direkten Nachbarschaft von Terminwohnungen. Allerdings seien das Einzelfälle, die meist aufkämen, wenn eine neue Terminwohnung eingerichtet würde, sagte ein Sprecher. Etwa zehn solcher Einrichtungen gebe es, vor allem in der Innenstadt. KONSTANZ hat dagegen nach Angaben eines Polizeisprechers keine Probleme mit Terminwohnungen. Diese siedelten sich vor allem in Industriegebieten an. «Es gibt schon einige, weil wir viele Schweizer haben, die deswegen nach Konstanz kommen», so der Polizeisprecher.

In MANNHEIM gibt es mit Terminwohnungen nach Angaben der Polizei keine größeren Probleme. Für den Großteil der Mannheimer Innenstadt gebe es einen Sperrbezirk, in dem die Prostitution und die Werbung dafür verboten seien, sagte Otto Steinbrenner, Leiter des Dezernats Sitte bei der Mannheimer Polizei. «Natürlich gibt es trotzdem immer wieder Versuche, das zu unterlaufen.» Das seien aber Einzelfälle. Werde ein Fall bekannt, dann müssten die Behörden nachweisen, dass in der Wohnung tatsächlich sexuelle Dienste angeboten werden. «Oft wird das ja als Massage oder Ähnliches ausgewiesen.» Für einen solchen Nachweis brauche es entweder eine geständige Prostituierte oder einen Freier, der das bezeuge.

In KARLSRUHE, ETTLINGEN und BRUCHSAL gibt es den Angaben zufolge 57 Terminwohnungen «von einzelner Zweizimmer-Wohnung bis hin zu großer Fünfzimmer-Wohnung oder Haus», hieß es. Sie befänden sich oft in ganz normalen Wohnanlagen oder Häusern. Nur vereinzelt komme es zu Protesten oder Beschwerden. Sichtbare Werbung an den Gebäuden gibt es nicht, «in der Regel wissen die Anwohner überhaupt nicht, dass sich ein solches Objekt in ihrer Nähe befindet». PFORZHEIM meldet ebenfalls stagnierende Zahlen, aktuell seien 40 Terminwohnungen bekannt. Für den Betrieb solcher Objekte führt Pforzheim vom 1. Januar kommenden Jahres an eine Vergnügungssteuer ein.

In ULM gibt es nach Angaben des Polizeisprechers neben zwei Großbordellen 16 Terminwohnungen. Von Protesten der Anwohner gegen die Terminwohnungen sei der Polizei nichts bekannt. In SCHWÄBISCH GMÜND gibt es nach Angaben eines Sprechers gar kein Bordell, jedoch einige Terminwohnungen. Die Wohnungen würden nicht registriert, deshalb könne er die genaue Zahl nicht angeben, so der Sprecher. Es handele sich um Wohnungen in denen jeweils nur drei bis vier Frauen beschäftigt seien. Die Wohnungen seien aber relativ unauffällig, Beschwerden gebe es keine.

In REUTLINGEN sind der Polizei zwei Laufhäuser, vier Bordelle und knapp 10 Terminwohnen bekannt. Dort werde regelmäßig kontrolliert, ob etwa die Frauen legal ihre Dienste anböten. Ärger gebe es eher mit den Rockerclubs, die dort teilweise als Türsteher tätig seien. Auch in TÜBINGEN macht der Polizei die Szene keine Sorgen. Insgesamt gebe es acht Terminwohnungen in Tübingen und in der Nachbarstadt Rottenburg, aber keine größeren Bordelle.