Pforzheim. Die Radverkehrsinitiative Critical Mass will bei ihrer nächsten Raddemonstration gegen die Rückkehr zu Tempo 50 auf mehreren Pforzheimer Vorfahrtsstraßen protestieren, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Die Ausfahrt beginnt am Freitag, 28. August, um 19 Uhr auf dem Waisenhausplatz. Tagsüber gilt auf den betroffenen Straßen wieder Tempo 50, nachts bleibt es bei Tempo 30.
Die Route führe bewusst über betroffene Abschnitte wie die Lindenstraße und die Wurmbergerstraße, teilt die Initiative mit. Damit wolle sie für sicheren Radverkehr, weniger Straßenlärm und mehr Lebensqualität werben. Kritik übt Critical Mass an der Entscheidung der Stadtverwaltung, die Rücknahme der Geschwindigkeitsbegrenzung mit Anpassungen im Lärmaktionsplan zu begründen. Bauliche Alternativen wie lärmoptimierter Asphalt fehlten bislang, heißt es. Nach Messdaten der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg könne Tempo 30 den wahrnehmbaren Straßenlärm um bis zu drei Dezibel senken. Tempo 50 führe dagegen zu höheren Lärmspitzen. Dauerhafter Verkehrslärm könne Stress, Schlafstörungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen.
Auch mit Blick auf die Verkehrssicherheit spricht sich die Initiative gegen höhere Geschwindigkeiten aus. Bei Tempo 30 betrage der Anhalteweg eines Fahrzeugs rund 13 Meter, bei Tempo 50 etwa 27 Meter. Für Fußgänger und Radfahrer steige damit das Risiko.
Kritisch sieht die Initiative auch Teile der politischen Debatte. Der frühere Oberbürgermeister Joachim Becker und der ehemalige Umweltdezernent des Enzkreises, Karl-Heinz Zeller, hätten sich nach ihrem Protest gegen Tempo 30 durch die jüngste Entwicklung bestätigt gesehen. Aus Sicht der Critical Mass werde dabei die Durchfahrtsgeschwindigkeit des Autoverkehrs zu stark gegenüber dem Gesundheitsschutz gewichtet. Die Initiative fordert eine Verkehrspolitik, die Sicherheit und Lebensqualität stärker in den Mittelpunkt stelle, sowie eine lückenlose und baulich getrennte Radinfrastruktur.

