Nichts geht mehr: Wer zum Zeitpunkt des Korsos hier einfach nur von A nach B will, hat ein Problem. Foto: Moritz
Pforzheim
Protestkorso durch Pforzheim wird zu chaotischem Hupkonzert: Veranstalter entschuldigt sich für Lärm
  • Nico Roller

Pforzheim. Ohrenbetäubender Lärm in der Innenstadt: Hunderte Autos fuhren am Sonntagnachmittag blinkend durch die Straßen, an vielen hingen Schilder und Fahnen. Vor allem an den Ampeln bildeten sich teilweise lange Staus. Auch eine Polizeibeamtin wurde verletzt. Die Polizei war mit 26 Beamten im Einsatz und schätzt, dass in der Spitze rund 1000 Fahrzeuge und 2500 Teilnehmer am Autokorso gegen die Corona-Politik beteiligt waren. Die Veranstaltung sei insgesamt friedlich verlaufen.

Angemeldet hatte sie Bernhard Schäfer, um auf die verheerenden Folgen aufmerksam zu machen, die die geltenden Einschränkungen für viele Unternehmer und die Wirtschaft insgesamt haben, wie er im PZ-Gespräch sagt. Eigentlich war zunächst ein Autokorso durch die Innenstadt geplant und dann eine Kundgebung, auf der er und eine Vertreterin der noch jungen Partei „Wir2020“ eine Rede halten wollten. Eigentlich, denn es kam anders.

Als die Veranstaltung um kurz nach 14 Uhr auf dem Messplatz begann, hatten sich dort Hunderte Menschen aller Altersklassen eingefunden, darunter auch Familien mit Kindern. Wie Verschwörungstheoretiker oder Extremisten sahen die meisten nicht aus. Schon jetzt kam es laut Polizei zu erheblichen Verkehrsbehinderungen, bei denen auch die Ausfahrt der Berufsfeuerwehr blockiert wurde. Auf dem Platz dankte Schäfer unterdessen allen für ihr Kommen und sagte, er wolle die Menschen dazu bringen, selbst nachzudenken. „Fahnenschwenker“ wolle er auf der Demonstration keine sehen: „Dort ist der Ausgang, wenn es euch nicht passt.“ Die Polizei sei nicht der Feind, sondern der Freund.

Bernhard Schäfer hat den Ablauf anders geplant. Foto: Moritz

"Das nimmt Ausmaße an, die ich nicht kontrollieren kann, es sind schon genug Autos unterwegs."

Organisator Bernhard Schäfer

Nachdem Schäfer den Start des Autokorsos angekündigt hatte, passierte lange nicht viel: Die Fahrzeuge stauten sich vor dem Messplatz. Gegen 15 Uhr traf er die Entscheidung, auf den Autokorso zu verzichten und stattdessen direkt seine Rede zu halten. „Das nimmt Ausmaße an, die ich nicht kontrollieren kann, es sind schon genug Autos unterwegs“, sagte Schäfer: „Sucht euch Parkplätze, haltet die Abstände ein und tragt Masken."

"Korso und keine Scheißrede"

Das stieß nicht bei allen auf Gegenliebe: „Lass‘ den Korso laufen“, rief einer: „Wir können doch nicht zwei Stunden hier stehen.“ Schäfer machte einen neuen Vorschlag: Erst die Rede, dann der Korso. Auch das wurde nicht akzeptiert: „Korso und keine Scheißrede.“ Schäfer redete trotzdem. Corona und dessen Gefährlichkeit leugne er nicht. Aber er wolle auch nicht zulassen, dass die Wirtschaft „plattgemacht“ werde. „Wenn wir zusammenhalten, können wir diese Geschichte hier rumkriegen.“ Unterdessen machten sich immer mehr Autos auf den Weg in die Innenstadt.

Bis zu 600 Fahrzeuge nebst Insassen versammeln sich auf dem Messplatz.
Die Botschaft vieler Teilnehmer. Foto: Moritz

An den Scheiben klebten Plakate: „Demokratie braucht Freiheit“, „Auch Impftote sind Tote“ und „Gastronomie öffnen“ war auf ihnen zu lesen. Der Messplatz leerte sich. Wenig später stand Schäfer dort allein – und bedauerte gegenüber der PZ, mit seiner Rede nicht alle erreicht zu haben. Er entschuldige sich bei allen, die sich durch die Demonstration gestört fühlen: Das habe er nicht gewollt. Die Veranstaltung hatte er akribisch vorbereitet und im Vorfeld Pläne mit der Fahrtstrecke verteilt. Aber nicht alle hielten sich daran.

Mehr lesen Sie am Montag, 1. Februar, in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news.