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Brutale Gewalt: Beamte der Kriminalpolizei sichern am Morgen nach einer  Schlägerei auf dem Parkplatz eines Supermarktes am Hauptgüterbahnhof in der  Nordstadt die Spuren. Mitglieder der Rockerbanden „Hells Angels“ und „United Tribunes“ hatten  geprügelt.
Brutale Gewalt: Beamte der Kriminalpolizei sichern am Morgen nach einer Schlägerei auf dem Parkplatz eines Supermarktes am Hauptgüterbahnhof in der Nordstadt die Spuren. Mitglieder der Rockerbanden „Hells Angels“ und „United Tribunes“ hatten geprügelt. © Bechtle
08.07.2011

Prozessauftakt gegen Hells Angels: Versuchte Tötung?

KARLSRUHE/PFORZHEIM. Der Vizechef der inzwischen verbotenen Pforzheimer Rockergruppe Hells Angels muss sich vor dem Landgericht Karlsruhe verantworten. Ihm werden versuchter Totschlag, gefährliche Körperverletzung, Landfriedensbruch und unerlaubter Waffenbesitz vorgeworfen.

Erwartungsgemäß sagt Sammy K. (Name geändert), 36, erst mal gar nichts außer Angaben zu seiner Person. Aufgewachsen in Brandenburg, ausgelernter Facharbeiter, Türsteher, einige Jahre davon selbstständig, Monatsverdienst angeblich unter 1000 Euro. Da grinsen einige im Schwurgerichtssaal des Landgerichts Karlsruhe. Dass er Vizepräsident des mittlerweile verbotenen „Hells Angels“-Charters Borderland, also des Pforzheimer Ortsvereins, ist, steht außer Frage. Auch dass die Kriminaltechniker nach einer gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen „Hells Angels“ und der Türsteher-Vereinigung „United Tribuns“ Schmauchspuren an seinen Händen nachwiesen, ist laut Staatsanwaltschaft unbestritten. Beweise also, dass er eine Waffe abgefeuert hat.

Anwalt hält dagegen

Sein Mandant bestreite das, hatte K.s Anwalt Uwe Kirsch bereits im Vorfeld mitgeteilt. Neben Kirsch vertritt auch der ehemalige Bundesrichter Heinrich Maul den Rocker. Um versuchten Totschlag geht es in erster Linie beim auf vier Tage angesetzten Prozess. Der Erste Staatsanwalt Marco Mayer wirft K. außerdem Landfriedensbruch, gefährliche Körperverletzung und illegalen Waffenbesitz vor.

Unter anderem fußt die Anklage auf einer Aussage eines führenden „Tribun“ bei der Polizei, der bei der Schlägerei auf dem „Netto“-Parkplatz in der Nordstadt am 27. November von einem „Angel“ mit einer Machete verletzt wurde. Doch nun kann er sich an keinen Schuss geschweige denn überhaupt an K.s Anwesenheit erinnern. K. grinst, ebenso seine Freunde im Gerichtssaal.

Fast alle der insgesamt sieben „Tribuns“ nehmen von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch, denn gegen sie laufen ebenfalls Ermittlungen wegen versuchten Totschlags. Einer von ihnen muss einem der 15 „Hells“ ein Messer in die Leber gestochen haben. Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt. Olaf Lorch-Gerstenmaier

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