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In einer Gaststätte in der Pforzheimer Oststadt sollen sich die Mitglieder des verbotenen Vereins der Pforzheimer Hells Angels zu regelmäßigen Clubtreffen einfinden. Das Lokal wurde ebenso durchsucht wie Wohnungen diverser Hells Angels. © Seibel
27.03.2012

Razzia bei Hells Angels soll Vereinsleben unterbinden

Pforzheim. Einmal ein Hells Angel, immer ein Hells Angel. Und was ein rechter Rocker ist, der kümmert sich nur bedingt um Verbote. So verwundert es wohl kaum jemand, dass die Polizei davon ausgeht, dass sich die Mitglieder des verbotenen Pforzheimer Hells-Angels-Verein weiterhin zu Clubabenden und anderen gemeinsamen Aktivitäten treffen. Weil hierbei aber nach Vermutungen der Ermittler nicht immer nur die Geselligkeit unter Motorradfreunden im Vordergrund zu stehen scheint, hat die Polizei am Montagabend mit einer Razzia nicht nur Präsenz gezeigt, sondern auch Drogen und Waffen gefunden.

Bildergalerie: Razzia bei den Pforzheimer Hells Angels

"Aufgrund kriminalpolizeilicher Ermittlungen der Pforzheimer Kriminalpolizei ergab sich der begründete Verdacht, dass sich ehemalige Angehörige des verbotenen Vereins Hells Angels Motorcycleclub (HAMC) Charter Borderland trotz bestehenden Vereinsverbots weiterhin regelmäßig in Pforzheim treffen, um ihren Verein fortzuführen", heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung von Staatsanwaltschaft und Polizei. In einer Gaststätte in Pforzheim, so die Polizei, würden regelmäßig Clubsitzungen stattfinden. Daraufhin wurden über die Staatsanwaltschaft Pforzheim Durchsuchungsbeschlüsse für die Gaststätte und die Wohnungen führender Mitglieder des verbotenen Vereins beantragt.

Am Montag um 20.25 Uhr wurden unter Einsatz von Spezialeinheiten insgesamt fünf Objekte in Pforzheim, im Raum Karlsruhe und im Raum Rastatt/Baden-Baden durchsucht. Zeitgleich wurde eine Razzia in der als Treffpunkt dienenden Gaststätte in Pforzheim durchgeführt. Die Situation in der Gaststätte und sichergestellte schriftliche Unterlagen würden, so die Polizei, weitere klare Hinweise auf eine Fortführung des verbotenen Vereins geben. Auch in den durchsuchten Privatwohnungen soll sich Hinweise ergeben haben, dass regelmäßige Clubtreffen stattfinden. Übrigens: Laut Vereinsgesetz wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft, wer einem vollziehbaren Vereinsverbot zuwiderhandelt, zum Beispiel dadurch, dass er den Verein fortführt.  

Zudem wurden bei der Razzia anabole Steroide, ein Teleskopschlagstock und ein griffbereites Einhandmesser sichergestellt. So werden neben Anzeigen wegen Verstößen gegen das Vereinsgesetz auch Anzeigen wegen Verstößen gegen das Waffengesetz und das Arzneimittelgesetz folgen. An dem vom Leitenden Polizeidirektor Burkhard Metzger geführten Einsatz mit 260 Einsatzkräften waren das SEK Baden-Württemberg, das mobile Einsatzkommando aus Karlsruhe und die Bereitschaftspolizei Baden-Württemberg beteiligt.

Bereits im Februar wurden durch die Kriminalpolizei Pforzheim Ermittlungen gegen einen ehemaligen Supporter des verbotenen Vereins HAMC Charter Borderland geführt, der im Verdacht stand, im Kilobereich mit Amphetamin zu handeln. Nach verdeckt geführten Ermittlungen wurden am 8. März ein 52-jähriger Pforzheimer und sein 21-jähriger Sohn auf der Rückfahrt von einer Beschaffungsfahrt in Bretten festgenommen. Die beiden Personen befinden sich nach wie vor in Untersuchungshaft, nachdem man bei einer anschließenden Wohnungsdurchsuchung in Pforzheim knapp 500 Gramm Amphetamin, 110 Gramm Marihuana sowie eine griffbereit geladene  halbautomatische Pistole beschlagnahmen konnte. tok/pol

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