Pforzheim. Das PZ-Forum war voll besetzt, die Bücher waren am Ende ausverkauft, die Fragen der Besucher persönlich. Albert Jakob hatte mit seinem Thema offenbar einen Nerv getroffen: Rückenschmerzen. In seinem Buch „Schmerz, wir müssen reden!“ nimmt der Physiotherapeut und Osteopath seine Leser mit auf ihren ganz persönlichen Jakobsweg zu einem schmerzfreien Leben. Im PZ-Autorenforum zeigte er, wie alltagstauglich dieser Weg beginnen kann – im Sitzen, im Stehen und sogar morgens im Bett.
Dabei erzählte Jakob leicht, anschaulich und mit viel Humor. Einer, der mehr als 40 Jahre Erfahrung mitbringt, Spitzensportler bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften betreut hat und sich trotzdem nicht als abgehobenen Experten inszeniert. „Ich bin halt ein ganz normaler Albert“, sagte er und erzählte von seinem Weg aus Füssen bis in den Spitzensport. Die Arbeit mit Profis verglich er mit der Autoindustrie: „Der Sportler war für mich die Formel 1.“ Wie Technik aus dem Rennsport später im normalen Auto lande, so habe er Erfahrungen aus dem Spitzensport in die Behandlung ganz normaler Patienten übertragen.

Doch Jakob blieb nie lange bei sich selbst. Immer wieder kam er zurück zu den Menschen im Saal und zu deren Alltag. Wer sage „Ich habe Rücken“, habe damit noch lange nicht beschrieben, was eigentlich los sei. Schmerz müsse genauer angeschaut werden: „Fühlt es sich spitz an? Ist er stumpf, brennt es, drückt es, zieht es?“ Für Jakob beginnt genau da der Weg aus dem Schmerz-Karussell: nicht beim schnellen Rezept, sondern beim Zuhören und Verstehen.
Deutlich wurde er beim Thema Befunde. Viele Patienten kämen mit MRT-Bildern und der Aussage: „Ich habe einen Bandscheibenvorfall.“ Jakob fragte dazu sinngemäß: Passt dieser Befund überhaupt zu den Beschwerden? Oder war er vielleicht schon lange vorher da? Seine Botschaft: „Bandscheibe“ ist erst einmal ein Befund, nicht automatisch die Erklärung für den Schmerz.

Auch sein Buch stellte Jakob nicht als Fachliteratur vor, sondern als Werkzeug für normale Menschen. „Das ist kein Fachbuch“, sagte er. Es sei so geschrieben, „dass jeder weiß, wovon man spricht“. Sein Ziel: Patienten sollen nicht nur zuhören, sondern mitdenken und ihre eigene Gesundheit besser verstehen. Oder, wie Jakob es formulierte: aus dem Patienten einen „selbstbewussten Mitgestalter“ machen.
Besonders gut kamen die praktischen Tipps an. Einer davon: der Jakobssitz. Wer auf einem Stuhl sitzt, stellt ein Bein unter den Stuhl. Dadurch rutscht man automatisch weiter nach vorne und hängt weniger im Kreuz. Auch beim Stehpult empfahl Jakob eine kleine Änderung mit großer Wirkung: nicht parallel stehen, sondern in Schrittstellung. Noch besser: ein Bein leicht erhöht abstellen, wie an einem Tresen. Das entlaste den Rücken spürbar.


Dr. Thomas Pfeifer im PZ-Forum: „Irgendwann muss jeder zum Orthopäden“
Für den Morgen empfahl Jakob den Push-up im Bett: keine Kraftübung, sondern ein Mobilitätscheck. In Bauchlage den Oberkörper mit den Armen vorsichtig hochschieben, ähnlich wie bei der Kobra im Yoga. Wird die Bewegung nach mehreren Wiederholungen besser oder bleibt gleich, sei das ein gutes Zeichen. Wird sie kleiner, solle man an diesem Tag vorsichtiger sein.
Eine seiner zentralen Botschaften lautete: „Bewegung vor Kraft.“ Jakob warnte davor, Rückenprobleme reflexhaft mit Krafttraining lösen zu wollen.
Besonders deutlich wurde das auf die Frage einer Besucherin, der Kraftaufbau empfohlen worden, die Schmerzen aber seien geblieben. Jakob nahm diesen Ball sofort auf: Kraft könne sinnvoll sein, sagte er, aber nicht als Reflex. Erst müsse Bewegung möglich sein, dann könne Muskulatur sinnvoll arbeiten.


Sprunggelenk schützen, ohne die Bewegung zu bremsen: Worauf es bei moderner Bandagen-Technik ankommt
Er erklärte es mit einem einfachen Bild: Wer den Bizeps trainieren wolle, müsse den Arm erst beugen und strecken können. Bei der Wirbelsäule sei es nicht anders. Sind kleine Wirbelgelenke blockiert oder unbeweglich, könne die Muskulatur nicht richtig angesteuert werden. Dann helfe es wenig, einfach weiter Kraft aufzubauen. Entscheidend sei, den Rumpf wieder beweglich und belastbar zu machen. Dass Jakob den Nerv traf, zeigte sich nicht nur am vollen Saal. Am Ende waren alle Bücher, die zum Verkauf bereitlagen, ausverkauft. Beim Signieren beantwortete er weiter Fragen – bis zuletzt. Die Besucher gingen mit ganz konkreten Dingen nach Hause: dem Jakobssitz, dem richtigen Stehen am Pult, dem morgendlichen Push-up im Bett. Und vielleicht vor allem mit einem anderen Blick auf Schmerz: nicht als Feind, sondern als Signal, das verstanden werden will.

