Auf dem Weg zu seinem dritten Versuch schüttelte TVP-Rugbyspieler Taina Tamou die halbe Mannschaft des TSV Handschuhsheim ab. Der Pforzheimer war nur schwer zu halten in einem schnellen Spiel, das der TVP klar mit 83:24 gewinnen konnte.

Jürgen Keller
Pforzheim
Rugby-Bundesliga: TV Pforzheim überrennt Tabellenfünften TSV Handschuhsheim
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Vor dem vorletzten Saisonspiel des TV Pforzheim in der Rugby-Bundesliga Süd/West gegen den TSV Handschuhsheim am vergangenen Samstag hatte Coach John Willis seine Spieler noch einmal auf volle Konzentration eingeschworen, um im letzten Spiel gegen Meister Heidelberger RK und im darauf folgenden DM-Halbfinale in Berlin in Höchstform antreten zu können. Die Pforzheimer Rhinos haben Willis den Gefallen getan und im heimischen SüdwestEnergie-Stadion den TSV mit einem unerwartet deutlichen und stellenweise begeisternd herausgespielten 83:24-Sieg vom Platz gefegt.

Dass noch nicht alles optimal läuft, wurde gleich zu Beginn des Spiels deutlich. Die starken TSV-Stürmer schoben nach drei Minuten ein Paket ins Pforzheimer Malfeld und gingen nach dem fälligen Erhöhungskick mit 7:0 in Führung. Drei der insgesamt vier Versuche der Handschuhsheimer, die sich so den Bonuspunkt sicherten, wurden durch Gedränge wenige Meter vor der Mallinie eingeleitet. Da müssen die Kraftpakete des TVP noch ein paar Trainingssonderschichten fahren.

Doch die rund 250 Zuschauer hatten trotzdem ihren Spaß an einem schnellen, kombinationssicheren Spiel der Rhinos. Oft flog der Ball scheinbar mühelos und unerreichbar für den Gegner blitzschnell von Hand zu Hand, um dann im entscheidenden Moment einen Sprinter auf den Außenbahnen zu finden, der mit einem rasanten Antritt den Handschuhsheimern davonlief. Wenn der TVP das Spiel schnell machte, hatte der TSV Mühe, zu folgen. Das führte zu etlichen glänzenden Einzelaktionen, das beflügelte aber auch das Mannschaftsspiel, das phasenweise richtig zu begeistern vermochte. Die Pforzheimer schienen nicht nur konzentriert, sondern auch mit großer Lust bei der Sache zu sein.

Und das bekamen die Handschuhsheimer nach einer ersten ausgeglichenen Viertelstunde zu spüren. Innerhalb von 17 Minuten hatte der TVP das Spiel mit sechs Versuchen komplett gedreht.

Trotz der komfortablen 40:14-Halbzeitführung legten die Rhinos in der zweiten Hälfte keinen Gang zurück. Sieben weitere Versuche der Pforzheimer zum 83:24-Endstand folgten. Dabei zeigten die Stürmer des TVP famose Einzelleistungen beim Durchbrechen der TSV-Abwehrlinie. Oliver Paine erwies sich als sicherer Kicker, der 9 von 13 Erhöhungskicks verwandelte.

Auch die drei Pforzheimer Nationalspieler, die beim Qualifikationsturnier für die Sevens World Series im 7er-Rugbyturnier in Hongkong mit ihren Nationalteams bis ins Halbfinale kamen, spielten mit. Carlos Soteras-Merz (Deutschland) sowie Manasah Sita und Tafadzwa Chitokwindo (beide Zimbabwe) konnten sogar punkten.

In dieser Form könnte der TVP dem bislang in der Rugby-Bundesliga Süd/West noch ungeschlagenen Serienmeister HRK beim Heimspiel am kommenden Samstag vielleicht sogar Paroli bieten. Den letzten Sieg gegen die Heidelberger gab es im Oktober 2011 im alten Stadion im Enzauenpark.

Die Versuche des TVP:

Taina Tamou (3), Manasah Sita (2), Marc Hittel, Tafadzwa Chitkowindo, Antipas Kamkwindo, Willians Portillo, Carlos Soteras Merz, Morgan Vangue, Mustafa Güngör, Lee Murray (jeweils 1)

Die Erhöhungskicks des TVP:

Oliver Paine (9 von 13)

Das letzte TVP-Heimspiel (Runde 14 von 14):

Samstag, 23. April, 15 Uhr: TV Pforzheim – Heidelberger RK

Der TVP im DM-Halbfinale:

Samstag, 30. April, 15 Uhr: RK 03 Berlin – TV Pforzheim

Der Weg des TVP zur deutschen Rugby-Meisterschaft

Nach einer Hin- und Rückrunde treten die beiden erstplatzierten Teams der Rugby-Bundesligen Süd/West und Nord/Ost in zwei Halbfinalspielen über Kreuz gegeneinander an. Der TV Pforzheim als Süd/West-Zweiter trifft am 30. April in Berlin auf den ungeschlagenen Tabellenersten von Nord/Ost, den RK 03 Berlin, während Süd/West-Tabellenführer Heidelberger RK daheim gegen den Nord/Ost-Zweiten SC Germania List spielt. Die beiden Halbfinalsieger kämpfen im Endspiel um den deutschen Meistertitel. 2012, 2014 und 2015 scheiterte der TVP jeweils im DM-Finale am HRK und wurde Vizemeister.