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Pforzheim
SPD-Zoff eskaliert: Hück fährt Attacke gegen Renner

Pforzheim. Schwere Geschütze fährt der SPD-Stadtrat und Konkurrent von Katja Mast beim Ringen um das hiesige Bundestagsmandat, Uwe Hück, gegen den Chef der SPD im Enzkreis, Paul Renner, auf. In einer E-Mail an die „lieben Genossen und Genossinnen“ sowie einer angehängten, selbst gedrehten Videobotschaft wird Renner von Hück scharf attackiert. „Unmenschlich“ sei Renner, urteilt Hück, er habe „bei uns in der SPD nichts zu suchen“.  Und weiter: „Paul muss gehen.“

Uwe Hück hat eine neue Vorentscheidung über die Landtagsnominierung erwirkt. Archivbild: Moritz

Auslöser ist ein vorangegangenes Schreiben Renners an die hiesigen Genossen, in der der Enzkreis-Chef sein Pforzheimer Pendant, den Hück-Vertrauten Christoph Mährlein, ebenfalls harsch kritisiert. Mährlein hatte öffentlich geäußert, dass der Zeitplan für die Nominierung des Bundestagskandidaten wegen der Corona-Krise „gewaltig wackelt“. Dass sich Renner über diese – intern nicht abgestimmte – Äußerung Mährleins ärgere, wertet Hück als Zeichen dafür, dass dieser „den Ernst der Lage in Deutschland, Europa und auf der Welt nicht verstanden“ habe, wo Menschen um ihr Leben und um ihre berufliche Existenz bangten. „Ich schäme mich für den Brief von Paul Renner“, schreibt Hück. Die „Hetze gegen Mährlein“ müsse aufhören. 

Paul Renner, SPD-Kreischef. Foto: dpa-Archiv

Abgesagt hat Mährlein die für Mittwochabend vorgesehene Sitzung des Kreisvorstands per Videokonferenz inklusive Zuschaltung von Mast und Renner. „Es gibt noch keine Entscheidungen“, bleibt Mährlein wortkarg. Er streitet gar nicht ab, dass es innerparteilichen Zoff gibt – spätestens seit seiner knappen Wahl und dem Zeitpunkt, als Uwe Hück seinen Hut in den Ring geworfen hatte. Mast war brüskiert. Die Nominierung sollte am 26. Juni stattfinden. Bis 15. Juni keine öffentlichen Veranstaltungen wegen Corona – und dann zehn Tage für 19 Mitgliederversammlungen und drei Diskussionsrunden? Eben an diesen Zeitplan kann Mährlein nicht glauben. Für seine geäußerten Zweifel habe er in Form eines Rundbriefs von Renner erheblichen Gegenwind erhalten, bestätigt er. Der Pforzheimer Rechtsanwalt konterte mit einem Brief an den Kreisvorstand, in dem er beklagt, er werde „sinnlos angegriffen“. Wie es weitergeht, werde man vielleicht in einer Woche wissen. 

Christoph Mährlein