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Dieser Coup soll Aufsehen erregen: Die Bundestagsabgeordnete Katja Mast macht gleich mal ein Handyfoto von Pforzheims Spitzenkandidaten Uwe Hück (links) und SPD-Landeschef Andreas Stoch.  Foto: Meyer 
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Oben das Führungstandem Uwe Hück und Annkathrin Wulff, unten (von links) neben der Bundestagsabgeordneten Katja Mast einige der Top-10-Kandidaten – Ralf Fuhrmann, Kristin Künkele, Jacqueline Roos, Johanna Kirsch und Henry Wiedemann – sowie der stellvertretende Kreisvorsitzende Christoph Mährlein und Landeschef Stoch. 

SPD setzt voll auf den Hück-Effekt - Nominierung wird zur Show

Pforzheim. Sie haben es tatsächlich durchgeboxt: Noch zu Beginn der vergangenen Woche lagen die Genossen mit dem scheidenden Porsche-Betriebsratschef und früheren Thaibox-Profi Uwe Hück im Clinch. An diesem denkwürdigen Samstagvormittag nun liegen sich Hück und SPD-Landeschef Andreas Stoch vor etlichen Foto- und Filmkameras in den Armen.

Pforzheims SPD zieht mit dem Promi als Spitzenmann in den Kommunalwahlkampf und will die Goldstadt „rocken“, wie der stellvertretende Kreisvorsitzende Christoph Mährlein ruft. Auch wenn sich Kreischefin Annkathrin Wulff mit Listenplatz 2 begnügen muss und sich die bisherigen Stadträte – nur Ellen Eberle fehlt aus Altersgründen – in der Top 10 weiter hinten einordnen: Für die SPD sei dieser Coup ein „Glücksfall“, urteilt etwa Stadtrat Henry Wiedemann. Fraktionschef Ralf Fuhrmann sieht „gute Chancen, Sitze dazuzugewinnen“, vielleicht gar die CDU als stärkste Kraft im Rat abzulösen.

Es wird stürmisch

Schon die Nominierung wird zur Show. Die Teilnehmer im Awo-Familienzentrum erleben eine Dauersalve markiger Sprüche. Klar, der Schock saß tief, als Hück zunächst verkündete, mit einer eigenen Liste durchstarten zu wollen, was einen Rauswurf aus der SPD zur Folge gehabt hätte. „Wenn Sie Kultusminister waren, sind Sie es gewohnt, dass Ihnen Kugeln um die Ohren fliegen“, blickt Landeschef Stoch im PZ-Gespräch zurück und kann schon wieder herzhaft darüber lachen, dass das an diesem Wochenende über die Republik fegende Sturmtief just den Namen „Uwe“ trägt. Wenn so eine Kugel komme, dürfe man nicht in Schockstarre verfallen, sondern müsse sofort reagieren. Das hat die SPD getan. Stoch, die hiesige Bundestagsabgeordnete Katja Mast, ja selbst der frühere Bundesvorsitzende und Ex-Außenminister Sigmar Gabriel schalteten sich ein, um Hück in der Partei, der er seit 1982 angehört, zu halten. „Uwe Hück ist eine Marke“, sagt Stoch. Er habe das Talent, Menschen, die sich vielleicht schon von der Politik abgewandt haben, zurückzugewinnen.

„Wenn man mit den ,Rolling Stones‘ kommt, dann ist Mick Jagger der Frontmann“, begründet Mährlein, weshalb es für Hück nur der Top-Platz sein konnte. Und er klärt darüber auf, dass eine Umstellung der Reihenfolge durch Dritte nicht möglich sei – ein Sitzungsteilnehmer hatte beantragen wollen, Wulff vorne zu platzieren. Dieser Wunsch aber hätte von der Kreisvorsitzenden selbst kommen müssen. Wulff bekräftigt: „Für mich ist das Wichtigste, eine Superliste hinzubekommen, ich werde nicht für Platz 1 kandidieren.“

Pforzheim ist erst der Anfang

Sie erhält von 47 Wahlberechtigten 43 Stimmen, der Spitzenmann 41. „Ich bin halt ein Boxer: Wenn der Gong kommt, marschiere ich los“, entschuldigt der 56-Jährige seine Pläne für einen Alleingang und lässt dann erahnen, was Pforzheim erwartet, sollte er im Gremium mit- und die Stadtpolitik aufmischen. „Ich werde laut sein, es wird stürmisch“ sagt Hück und versichert seinen Mitstreitern: „Ich mache die Kehrwoche für euch, ich mache den Dreck weg.“ Begeisterung wolle er wecken bei jungen wie alten Bürgern, die „Braut Pforzheim“ aufhübschen, Investoren gewinnen, Respekt und Toleranz vorleben, den Schwachen helfen. „Sozialer Unfrieden hat in Deutschland immer den Rechten geholfen“, ruft Hück so laut, als habe er die gesamte Porsche-Belegschaft vor sich, und: „Ich will, dass Pforzheim so schön wird, dass alle, die in New York leben, sich fragen: ,Scheiße, wieso leben wir hier?‘“ 2021 werde er bei der Landtagswahl seinen Hut in den Ring werfen und Stoch „zum Ministerpräsidenten machen“. Der Landeschef bekräftigt das „gemeinsame Ziel, Pforzheim an die Spitze zu führen und danach Baden-Württemberg zu rocken“.

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