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Hat ein Nachspiel: 40 Busse sind am Donnerstag an Haltestellen zurückgelassen worden. Die SVP hat 21 verantwortliche Fahrer ermittelt. Foto:
Hat ein Nachspiel: 40 Busse sind am Donnerstag an Haltestellen zurückgelassen worden. Die SVP hat 21 verantwortliche Fahrer ermittelt. Foto: © Seibel
18.05.2016

SVP bietet Busfahrern zwischen 5000 und 36.000 Euro und plant Abmahnungen

Seit Dienstag spricht die Stadtverkehr Pforzheim (SVP) GmbH die Kündigungen an alle rund 240 Mitarbeiter aus. Hintergrund sind die Fristen von bis zu sieben Monaten, wie Prokurist Nico Langemeyer gestern im Rahmen eines Pressegesprächs im Rathaus erklärt hat. In diesem Zug erhält die Belegschaft Angebote über Abfindungszahlungen.

Die Einzelsummen lägen mindestens bei zwei Bruttomonatsgehältern, was in diesen Fällen 5000 Euro bedeute, und reichten bis 36 000 Euro – je nach Betriebszugehörigkeit und Alter. „Die Mitarbeiter haben nun zweieinhalb Wochen Zeit, sich das durch den Kopf gehen zu lassen“, so Langemeyer. Insgesamt wende man einen siebenstelligen Betrag auf. Allerdings schöpfe man den Spielraum nicht aus, wie Personalamtschef Bernhard Enderes auf Nachfrage erklärte: „Wir müssen alles tun, um den Betrieb bis zum Jahresende aufrechtzuerhalten.“

Disziplinarische Maßnahmen

Neben Kündigungen sollen die Fahrer, die am Donnerstag ihre Busse an Haltestellen stehen ließen, auch Abmahnungen erhalten, so Langemeyer. SVP-Geschäftsführer Joachim Zimmermann erklärte nach PZ-Informationen bei der Betriebsversammlung am Dienstag, er werde prüfen lassen, inwiefern eine Behinderung vorlag. Sollte dies nicht der Fall sein, kündigte er an, die Abmahnungen zurückzunehmen, um eine erneute rechtliche Auseinandersetzung mit Verdi zu vermeiden. Nach Lesart der Stadtverwaltung handelt es sich allerdings um einen Eingriff in den Straßenverkehr, so Enderes – andere Linien hätten ihre Fahrgäste außerhalb der Haltestellen aussteigen lassen müssen, was nicht ungefährlich sei. Dass mit 21 nur rund die Hälfte der Fahrer der 40 Busse bekannt sei, begründete er damit, dass das elektronische Überwachungssystem abgeschaltet worden sei. Dies sei ebenso illegal wie die Aktion selbst. Die SVP betrachtet sie als gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr .

Zugleich betonte Oberbürgermeister Gert Hager, dass man weiterhin verhandlungsbereit sei und Unterstützung anbiete – finanziell allerdings, wie gehabt, nicht mehr als die Mittel der Tochtergesellschaft selbst. Enderes erklärte, dass man dem Betriebsrat seit Februar 40 Termine genannt habe, um einen Interessenausgleich zu verhandeln. Stets sei aus organisatorischen oder Zeitgründen abgelehnt worden. „Auch bei der Einigungsstelle ist das so. Derzeit haben wir einen Termin im Juli“, sagte Enderes.

Die von Verdi geforderte Schlichtung mit Herta Däubler-Gmelin sei im Rechtssinn keine – denn in einer solchen hätte die Stadt, anders als behauptet, keine Rolle. „Ein Schlichter könnte auch nichts anderes vorschlagen, als das zu verteilen, was im Unternehmen ist“, so Enderes, der einräumte, dass die Mitarbeiter bei künftigen Beschäftigungen deutliche Einbußen hinnehmen müssen. „Da gibt’s nichts schönzureden.“ Er nannte Differenzen von 200 bis 500 Euro, bei Altverträgen bis zu 800 oder 900 Euro. In der Regel verdiene ein Busfahrer rund 35 000 Euro im Jahr, der „Spitzenbusfahrer“ bei der SVP erreiche rund 56 000 Euro.

Hasso M
18.05.2016
SVP bietet Busfahrern zwischen 5000 und 36.000 Euro und plant Abmahnungen

Was gibt es da schönzureden? Was im Straßenverkehr unzulässig ist, muss geahndet werden. Haben wir bei Verstößen die Möglichkeit, mit der Polizei zu verhandeln? Das geht nicht mal bei einem Knöllchen. mehr...

ROSAROT
18.05.2016
SVP bietet Busfahrern zwischen 5000 und 36.000 Euro und plant Abmahnungen

Klar sind die SVP - Mitarbeiter für ihre Entlassungen zu bedauern. Zumal dies je nach Lebensumständen ja auch einen gewaltigen finanziellen Verlust mit sich bringt. Aber wer früher als Uhrmacher oder Goldschmied oder Fasser in einem der "stolzen" Pforzheimer Traditionsbetriebe gearbeitet hat, kann nur staunen. Sie haben manchmal "einfach so" aufgehört, der "arme" Firmeninhaber hatte seine Schäfchen längst im Trockenen. Hier wird immerhin eine Abfindung zwischen 5000 und 36 000 Euro ...... mehr...

Realist01
18.05.2016
SVP bietet Busfahrern zwischen 5000 und 36.000 Euro und plant Abmahnungen

Schon interessant wie wieder mal Busfahrer gedisst werden. Ist da jemand nicht mehr für die Armen und Schwachen, oder ists halt nicht die passende unterstützenswerte Zielgruppe? Die Stadt wollte die Verkehrsbetriebe privatisieren. Niemand kann mir erzählen, daß das Ausschreibungsergebnis unabsichtlich war. Was bleibt den Busfahrern? Natürlich nur Streiks. Natürlich ist das bitter. Die Solidarität reicht aber wohl nur so weit, solange man nicht selbst einen Bus braucht. Es ist übrigens ...... mehr...

Faelchle
18.05.2016
SVP bietet Busfahrern zwischen 5000 und 36.000 Euro und plant Abmahnungen

Ich kann nicht beurteilen, was da alles falsch oder richtig gelaufen ist, allerdings halte ich es für erwähnenswert, dass Abfindungen i.d.R. steuerpflichtig sind und sich auf die Zahlung von Arbeitslosengeld auswirken. mehr...