nach oben
Nachdenklich: SWP-Geschäftsführer Roger Heidt bei der Pressekonferenz Mitte Dezember. 
Nachdenklich: SWP-Geschäftsführer Roger Heidt bei der Pressekonferenz Mitte Dezember.  © Ketterl
11.01.2019

SWP-Gewinneinbruch: Hielt Stadtwerke-Chef Informationen zurück?

Pforzheim. Es ist eine der entscheidenden Fragen bei der Aufarbeitung des Gewinneinbruchs der Stadtwerke Pforzheim (SWP): Wer wusste wann von den massiven Problemen im Stromvertrieb und deren finanziellen Folgen Bescheid?

Fest steht: Nachdem die PZ die Entwicklung bei den SWP aufgedeckt hatte, erklärten alle Beteiligten unisono, dass sie überrascht gewesen seien. Auch Roger Heidt, der Vorsitzende Geschäftsführer der SWP, gab bei der Pressekonferenz Mitte Dezember bekannt, dass er im Urlaub in Südtirol davon erfahren hatte. Nach Recherchen der „Pforzheimer Zeitung“ fand dieser vom 29. Oktober bis 4. November statt. Öffentlich gemacht wurde das Ausmaß des Gewinneinbruchs allerdings erst in der Aufsichtsratssitzung am 12. Dezember. Dies hatte zur Folge, dass der Aufsichtsrat einstimmig beschloss, die Gewinnausschüttung an die Mehrheitsgesellschafterin Stadt Pforzheim und die Thüga AG auszusetzen.

Pforzheim fehlt die Rendite in Höhe von 6,5 Millionen Euro im Doppelhaushalt 2019/2020. Auch für das kommende Jahr rechnet die Stadt nicht damit, dass sie Geld von den Stadtwerken erhält, womit ihr weitere 6,5 Millionen Euro fehlen werden, die sie zum Beispiel für das Bäderkonzept dringend benötigen würde. Die SWP haben es am Freitag erneut abgelehnt, eine entsprechende PZ-Anfrage zu beantworten. Man wolle bis zur nächsten Aufsichtsratssitzung am 11. Februar nichts mehr zu dem Thema sagen.

Tatsache scheint aber zu sein: Der SWP-Geschäftsleitung mit Roger Heidt und Thomas Engelhard war spätestens Anfang November bekannt, dass die Stadtwerke Millionenverluste im Stromvertrieb einfahren werden. Heidt ist unter anderem für den Bereich Markt, also auch Stromvertrieb, zuständig. Engelhard verantwortet den Finanzbereich. Dass beide davon abgesehen haben, das Problem den Gesellschaftern frühzeitig zu kommunizieren, ist deshalb pikant, weil am 6. November Oberbürgermeister Peter Boch den städtischen Haushalt einbrachte, ohne zu wissen, dass die SWP nur einen Gewinn in Höhe von 4,2 Millionen Euro erzielen werden, der eine Ausschüttung nicht möglich macht.

Am 7. November fand eine Betriebsversammlung statt, bei der nach PZ-Informationen nicht bereinigte Zahlen präsentiert wurden und die Probleme im Stromvertrieb kein Thema waren. Noch Ende November wies der Forecast, also die offizielle Prognose des Unternehmens, einen Gewinn von mehr als zehn Millionen Euro aus, womit die Auszahlung der Rendite an die Gesellschafter möglich gewesen wäre. Auch bei den Haushaltsberatungen Anfang Dezember gingen die Pforzheimer Stadträte noch davon aus, dass das Geld von den Stadtwerken fließen würde. Mittlerweile wurde die Verabschiedung des Haushalts aufgrund der Vorgänge bei den SWP auf Ende Januar verschoben.

„Ich bin bis kurz vor Schluss davon ausgegangen, dass die Gewinnausschüttung der SWP an die Stadt erfolgen kann“, bekräftigte am Freitag der Erste Bürgermeister Dirk Büscher, der seit Beginn dieses Jahres auch Herr über Pforzheims Finanzen ist. Die Entwicklung habe ihn „überrascht – wie viele andere auch“. Er selbst habe in den zurückliegenden Tagen „sehr viel Zeit“ investiert, um die Aufarbeitung anzustoßen. Als dessen Vorsitzender sei er froh, dass der Aufsichtsrat Fragen gestellt und Antworten eingefordert habe, wie es dazu kommen konnte. Es sei wichtig und richtig, dass der Sachverhalt durch eine externe Untersuchung beleuchtet werde. So gelte es etwa zu klären, wieso das interne Risikomanagement nicht funktioniert habe. Denn es gebe ja „Systeme innerhalb eines Unternehmens“, also Steuerungs- und Kontrollmechanismen. „Warum gab es da keine Warnsignale?“, fragt Büscher. Auch ihn persönlich beschäftige die Entwicklung sehr: „Man steht da im Kreuzfeuer – das macht auch betroffen.“ Ihn als neuen Finanzdezernenten werde insbesondere auch die „Vorsichtsmaßnahme“ umtreiben, für zwei Jahre keine Gewinnausschüttung in den städtischen Haushalt einzupreisen und diese Zeit zu überbrücken: „Es gilt, politisch zu diskutieren und einen gemeinsamen Weg zu finden.“

Immer mehr Schulden

Neben den operativen Schwierigkeiten im Stromgeschäft belasten die SWP die Schuldenentwicklung der vergangenen zehn Jahren. Im Geschäftsbericht 2017 betrug der Schuldenstand 157 Millionen Euro. Das sind 99,9 Prozent mehr als im Jahr 2008. Die Verbindlichkeiten gegenüber Banken sind von 34,31 Millionen auf 105,65 Millionen Euro gestiegen (+ 207,93 Prozent). Die Jahresumsätze stiegen im gleichen Zeitraum von 182,56 Millionen auf 327,99 Millionen Euro (+79,66 Prozent), die Rücklagen von 54,33 auf 61,53 (+13,25 Prozent). Es ist davon auszugehen, dass die Schuldenentwicklung auch 2018 durch die Investitionen im Heizkraftwerk mit einem Volumen von 75 Millionen Euro deutlich ansteigen werden. Auch zum aktuellen Schuldenstand wollte das kommunale Energieunternehmen gestern nichts sagen. In der Vergangenheit verwies man darauf, dass das Unternehmen mit einer Eigenkapitalquote von 38 Prozent gut dastehe.

Schreiberling
16.01.2019
SWP-Gewinneinbruch: Hielt Stadtwerke-Chef Informationen zurück?

Dem Herrn Heidt kann so oder so nichts passieren. Die Unverwundtbarkeit hat er ja schon erlebt, als der Rechnungshof die Verhältnisse beim Tourismusverband Baden-Württemberg (TVBW) untersucht hat. Und in Pforzheim ist er ja auch noch versippt mit tonangebenden Granden. mehr...