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Renate Thon und Günter Beck (von links) führen zum Thema „Flößerdorf“ entlang der Nagold in Dillweißenstein, hier an der Steinernen Brücke.  Foto: Tilo Keller 

Sagen und Geschichten in Pforzheim: Das birgt ein Stadtrundgang durch das einstige Flößerdorf Dillweißenstein

Pforzheim. Bei einem Rundgang entlang der Nagold in Dillweißenstein haben Günter Beck und Renate Thon die Geschichte des „Flößerdorfes“ aufleben lassen. Anhand der lebhaften Schilderungen konnten sich die Teilnehmer ein Bild aus früheren Zeiten machen.

„Die Ankerkulturgruppe versucht immer, ein Kulturprogramm zu machen, der erste Teil ist allerdings Corona zum Opfer gefallen“, sagte Renate Thon bei der Begrüßung der rund 20 Teilnehmer. Vom Ludwigsplatz aus ging es für rund zweieinhalb Stunden entlang der und über die Nagold bis zum Goldenen Anker, dem ehemaligen Flößerhaus. Bevor die Gruppe aufbrach, erklärte Günter Beck, dass er im Grunde eigentlich ein Brötzinger sei, weil er fünf Meter vor der Grenze zu Dillweißenstein wohne. Beim Start am Ludwigsplatz machte er darauf aufmerksam, dass hier einst die Wirtschaft Zur Traube gestanden habe, die aus einem barocken Flößerhaus entstanden sei. Der Besitzer sei ein Schultheiß mit Namen Trautz gewesen, der nur einer von zehn Schultheißen mit diesem Namen war.

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Ein Stadtrundgang durch das einstige Flößerdorf Dillweißenstein

Ludwigsplatz war unter Wasser

Auf dem Weg zur Steinernen Brücke zeigte Beck eine Markierung, die an das Hochwasser der Nagold aus dem Jahr 1851 erinnert. „Eindrucksvoll, wie hoch der Ludwigsplatz unter Wasser gestanden ist“, sagte er. Er berichtete, dass damals sogar ein Bogen der Steinernen Brücke zerstört worden sei. Hölzerne Vorgängerbrücken seien bei früheren Hochwassern sogar ganz weggerissen worden. Eine Teilnehmerin erinnerte sich, dass sie als Kind immer auf der Brückenbrüstung balanciert sei, was man natürlich nicht durfte. Während die Gruppe den Gaisenweg einschlug, stellte Beck fest, dass die Flößer heute keine Chance auf der Nagold hätten, selbst mit einer Schwallung nicht. Als es über den Katzensteg ging, herrschte zunächst Ratlosigkeit über den Namen des Bauwerks.

Doch eine Teilnehmerin hatte gehört, dass die Brücke nach Fertigstellung als erstes von einer Katze überquert worden sei. Im weiteren Verlauf berichtete Beck, dass hier einst schon von den Römern Flößerei betrieben worden sei. Er erklärte, dass der älteste schriftliche Beleg für Flößerei aus dem Jahr 1342 stamme, wobei es sich um einen Vertrag über den Transport von württembergischem Holz über badisches Gebiet handelt. „Die Jahre 1750 bis 1840 waren eigentlich die goldene Zeit der Flößerei“, erklärte Beck.

Spaziergang führt an altem Rathaus vorbei

„Die zünftigen Flößer haben recht gut verdient, die nichtzünftigen Flößer waren Handlanger.“ Zeitweilig habe es allerdings die Enz-Nagold-Murg-Kompanie geschafft, Holz nicht über badisches Gebiet zu führen. Dabei seien die Stämme über 200 Höhenmeter über einen Berg von einem zum nächsten Gewässer transportiert worden. Die Spaziergänger wanderten weiter zur Villa Gengenbach, wo sie erfuhren, dass der Spazierweg einst ein Floßkanal war, der direkt zum Sägewerk führte. Am alten Rathaus aus dem Jahr 1879 war zu erfahren, dass es genau auf der alten Grenze zwischen Dillstein und Weißenstein steht, so dass im Hause mal im einen und mal im anderen Ort getagt wurde.

Schlossfräulein kehrt zurück

Über den Entensteg ging es erneut über die Nagold zum sogenannten Bildstöckle, das Jesus am Kreuz sowie Maria und Johannes zeigt. Renate Thon erläuterte, dass das Werk von einem Floßherren errichtet wurde und verwies auf den Ring zum Anbinden von Flößen. Sie las hierzu aber auch eine unheimliche Sage vor, die von einem geraubten Schlossfräulein von der Rabeneck handelt. Nach einem Sturz in die Nagold ist die Frau an Fieber verstorben. „In manchen Nächten legt hier ein Floß mit dem Schlossfräulein an“, sagte Thon. „In der Burg strahlt dann ein Licht auf, bis das Fräulein die Burg erreicht hat.“