Zusammen kochen im Kindergarten des Heilpädagogischen Zentrums. Foto: Privat
Pforzheim
Schulkindergarten der Caritas Pforzheim feiert 50. Geburtstag

Pforzheim. In diesem Jahr feiert der Schulkindergarten der Caritas Pforzheim im Heilpädagogischen Zentrum seinen 50. Geburtstag. Aus diesem Anlass referiert Professor Dieter Lotz von der Evangelischen Hochschule Nürnberg am Mittwoch, 25. April, um 19 Uhr in der Einrichtung zum Thema „Vielfalt – eine Bereicherung für unsere Gesellschaft“.

Und so begann alles: Der frühere Caritas-Geschäftsführer Manfred Krauß kümmerte sich vor mehr als 50 Jahren um einen Hilfeaufruf einer Mutter mit einer geistig behinderten Tochter. „Seinerzeit gab es keine geeigneten Förder- und Betreuungsmöglichkeiten für Kinder mit Behinderung in unserer Region“, sagt Caritasdirektor Frank Johannes Lemke. Damals habe die Schulpflicht für behinderte Kinder in Baden-Württemberg noch nicht gegolten. „In diesem Wissen sorgten sich die jungen Eltern um ihre kleine Tochter Heidi, die damals auch keinen Kindergarten besuchen konnte“, so Lemke. Niemand habe sie aufgenommen. So habe sie keine Spielkameraden gehabt. „Mutter und Vater kümmerten sich zwar liebevoll um ihre Heidi, die seit Geburt mit einer geistigen Behinderung und einer körperlichen Beeinträchtigung leben muss. Doch das reichte den bemühten Eltern natürlich nicht“, erzählt Lemke. Schließlich wollte Heidi wie alle anderen Kinder auch lernen, ihre Welt erschließen und soziale Kontakte zu anderen Kindern haben, nur eben anders und alles wesentlich zeitlich verzögert. Doch der Caritas-Geschäftsführer zeigte sich findig. Er nahm Kontakt zu dem damaligen Spastikerverein um den kommunalen CDU-Veteran Elmar Goldmann auf. Zusammen mit Goldmann, den Eltern von Heidi und anderen betroffenen Personen wurde an einem Förderkonzept für Kinder mit Behinderung gefeilt. Und das Land Baden-Württemberg wurde nicht aus der Pflicht gelassen.

Heraus kam eine Konzeption für einen Schulkindergarten für Kinder mit körperlicher Behinderung. Dieser wurde später um Kinder mit geistiger Behinderung erweitert. „Damit war nicht nur die hiesige Fördersituation der betroffenen Kinder schlagartig verbessert, sondern auch die Schulpflicht für Kinder mit Behinderung wurde eingeführt“, so Lemke. Rund 100 Kinder werden aktuell und an mehreren Standorten in Pforzheim betreut. „Denn mittlerweile gibt es ein sehr differenziertes Betreuungs- und Förderkonzept“, erklärt Lemke. „Selbst im Stammhaus an der Redtenbacher Straße werden heute nicht nur Kinder mit Schwerstbehinderung heilpädagogisch unterstützt, sondern gemeinsam mit 20 Kindern ohne Behinderung spielen diese Kinder gemeinsam, lernen voneinander und entwickeln sich weiter.“ Denn bereits seit mehr als zehn Jahren lebe die Caritas Pforzheim Inklusion vor.