Aktion gegen Antisemitismus
Am Platz der Synagoge zeigen Hans-Ulrich Rülke, Yavuz Cevik, Rami Suliman, Gunther Krichbaum, Johanna Kirsch und OB Peter Boch (von links) Haltung gegen Antisemitismus. 

Schulterschluss gegen Judenhass: Pforzheimer Politiker und Religionsvertreter finden klare Worte zu Israel-Konflikt

Pforzheim. Es war ein Schulterschluss und ein deutliches Zeichen gegen Hass und Antisemitismus, die am Montag auf dem Platz der Synagoge gesetzt wurden. „Die vielen Demonstrationen, die sich hauptsächlich gegen Israel richten, bereiten mir große Sorgen“, sagte Rami Suliman, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Pforzheim. Er schilderte, dass die Unruhe längst in Deutschland und Baden-Württemberg angekommen sei und bedauerte die tumultartigen Szenen und die aufgeheizte Stimmung bei den Demonstrationen in Freiburg, Mannheim und Stuttgart. Allerdings könne von Beschimpfungen von Juden oder Verbrennen israelischer Fahnen in Pforzheim keine Rede sein.

„Wir haben seit Jahren mit den muslimischen Verbänden ein sehr gutes Verhältnis“, betonte Suliman. Gegenseitige Besuche beim Fastenbrechen oder Chanukka seien eine Selbstverständlichkeit. Diesen Frieden gelte es, unter allen Umständen zu bewahren. „Als Pforzheimer solidarisieren wir uns mit unseren jüdischen Nachbarn“ untermauerte Yavuz Cevik von der Ditib-Fatih-Moschee die Beziehungen. Antisemitismus spreche gegen die prophetische Tradition und sei nicht tragbar. „Die Muslime sind angehalten, sich von hasserfüllten Menschen zurückzuhalten“, legte Cevik dar.

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Oberbürgermeister Peter Boch erklärte, dass es eine klare Botschaft der Stadt geben müsse, wenn Angriffe auf Synagogen stattfinden. „Wir stehen nicht nur am heutigen Tag hier, sondern wir stehen schon seit vielen Jahren zusammen“, meinte er im Hinblick auf die Beziehungen der Menschen und Religionen innerhalb der Stadt.

"Teil unserer historischen Verantwortung"

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Gunther Krichbaum sieht im Pforzheimer Schulterschluss wie Boch den Ertrag der Arbeit des jahrzehntelangen Dialogs. Wie er herausstellte, zeige die aktuelle Situation, wie fragil der weltweite Frieden sei. Die Hamas müsse als Terrororganisation benannt werden, aber gleichzeitig bedürfe es Kritik an der israelischen Siedlungspolitik, und Krieg sei keine Lösung für die vorhandenen Probleme. „Menschen, die hier israelische Fahnen verbrennen, sind oftmals Personen, die einen Asylstatus haben. Mit so etwas haben sie ihren Aufenthaltsstatus verwirkt“, zeigte Krichbaum klar Kante.

"Rassismus und Antisemitismus werden niemals die Lösung sein."

Stellvertretende SPD-Kreisvorsitzende Johanna Kirsch

Hans-Ulrich Rülke, FDP-Landtagsabgeordnete und Chef der Stadtratsfraktion der Liberalen, unterstrich, dass auch deutsche Staatsbürger den Konflikt als Anlass nähmen und ihren Antisemitismus nach außen trügen. „Es ist Teil unserer historischen Verantwortung und Staatsräson, sich gegen Antisemitismus zu stellen“, sagte Rülke. Gleichzeitig müsse es aber erlaubt sein, die israelische Politik zu kritisieren.

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„Rassismus und Antisemitismus werden niemals die Lösung sein“, bekräftigte die stellvertretende SPD-Kreisvorsitzende Johanna Kirsch.

Stefan Meister

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