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Nika Wanderer (rechts) spielt die Protagonistin in Goethes „Iphigenie auf Tauris“ und steht neben Fredi Noël als Arkas auf der Bühne. 

Sehend in die Weimarer Klassik: Schüler des Reuchlin-Gymnasiums tauchen in Goethes Werk ein

Pforzheim. Mit Schwung schiebt Iphigenie (Nika Wanderer) die Hackschnipsel von den Gesichtern am Boden, während sie König Thoas (Peter Donath) ihre Herkunft beichtet. Sie – Tochter des Agamemnon, vom zum innerfamiliären Mord verfluchten Geschlecht des Tantalus, gerettet von der Göttin Diana und zu deren Priesterin gemacht – verweigert sich dem Mann, der sie aufnahm. Denn ihr Herz schlägt in Richtung Griechenland.

Am Mittwoch spielten die Schauspieler des Stadttheaters Goethes Drama "Iphigenie auf Tauris" vor einem besonderen Publikum, welches großteils aus Schülern der elften Klasse des Reuchlin-Gymnasiums bestand. Deutschlehrer Mario Aschenbrenner freut sich auf die Schulvorstellungen: "Die Schüler haben gestrahlt, weil es endlich wieder möglich ist."

Stück bietet guten Zugang zur Weimarer Klassik

Für den Deutsch-Leistungskurs biete das Stück einen guten Zugang zur Weimarer Klassik. Dass das Stück erst geschaut und dann gelesen werde, findet Theaterpädagoge Michael Schmidt gut. Bei einem so komplizierten Stück sei das sinnvoll. Theatertexte seien für die Bühne und weniger für das Lesen gemacht. Ähnlich sahen es auch die Schüler.

Oskar Binder etwa sieht darin die bessere Herangehensweise: "Ich hätte mir auch vor zwei Jahren bei Wilhelm Tell gewünscht, das Stück vorher zu sehen." Zwar sei die Sprache kompliziert, so der 16-Jährige, nach fünf Minuten wurde es aber einfacher.

Ob der griechisch-mythologische Hintergrund des Stücks für die Schüler ein Problem dargestellt hat? "Nein", sagt Lisa Beyer. "Am Reuchlin-Gymnasium sind wir da mit Latein und Altgriechisch vorbelastet." Die Kombination aus Sehen und Lesen überzeugt sie.