nach oben
Hazel Brugger hat Unrecht: Es gibt keine gefährlichen Snack-Automaten auf Gleis 2 in Pforzheim. Foto: Türschmann
Hazel Brugger hat Unrecht: Es gibt keine gefährlichen Snack-Automaten auf Gleis 2 in Pforzheim. Foto: Türschmann
20.03.2017

Selbstversuch am Snackautomaten: Lebensgefahr auf Gleis 2

Zehn Menschen sterben jährlich durch einen Snack-Automaten. Mit dieser Information spickt Hazel Brugger ihr Preisträgerinnen-Programm beim Deutschen Kleinkunstpreis. Um dem Publikum die eventuell tödlich endende Verwendung solcher Automaten zu veranschaulichen, konstruiert sie ein Szenario, dass das kommende Grauen einleiten soll. „Stellen Sie sich vor, Sie sind nachts um halb 12 auf Gleis 2 in Pforzheim.“ Als ich das in ihrem Facebook-Video höre, packt mich die Abenteuerlust. Dieser Gefahr will ich ins Auge sehen.

Es ist Sonntagabend. In der Onlineredaktion ist alles erledigt, der Feierabend ruft. Der Heimweg führt durch die westliche Bahnunterführung – vorbei am Hinweisschild zu Gleis 2. Dort, wo bislang so ein Automat stand, wie ihn sich Comedian Brugger als potenziell lebensbedrohliches Gerät vorstellt.

Es ist noch nicht „halb 12“, ich nutze aber die Gunst der Stunde, um mir einen riskanten Snack auf Gleis 2 zu gönnen. Mutig laufe ich die Treppe empor, konzentriert den Blick gen Osten gerichtet. Dort muss der Automat stehen, den das 3sat-Publikum seit der Kleinkunstpreis-Gala für extrem gefährlich hält und aus dem ich zuvor schon oft Süßes geholt habe. Allerdings ohne Verletzungen.

Doch am Ende des Bahnsteigs machen sich zugleich Erleichterung und Enttäuschung in mir breit. Die Gefahr für Leib und Leben scheint gebannt: Kein Brugger-Automat zu sehen. Offensichtlich hat die Bahn kürzlich mit dem Umbau der Bahnsteige alle Automaten entfernt. Vielleicht sind sie doch zu gefährlich?

Um 21.30 Uhr ist nicht viel los am Bahnhof. Auf Gleis 2 fährt bald eine S-Bahn nach Karlsruhe. Ich knipse ein paar Beweisfotos, die ich der Comedian direkt auf Facebook schicke. „Grüße vom völlig ungefährlichen Gleis 2 in Pforzheim“ schreibe ich dazu. So richtig gefährlich wird jetzt aber nur eines: mein ungestillter Heißhunger auf Süßes.

Leserkommentare (0)