nach oben
08.02.2010

Staatsanwältin: Brandstifter „Gefahr für Allgemeinheit“

PFORZHEIM. Mit elf Bränden, die im August vergangenen Jahres große Ängste in der Nord- und Oststadt ausgelöst hatten, befasst sich seit diesem Montag das Pforzheimer Amtsgericht. Der mutmaßliche „Feuerteufel“ ist geständig.

Bildergalerie: Feuerteufel schlägt in Gartenstadt zu

Bildergalerie: Feuer in der Eutinger Gartenstadt

Auf ursprünglich vier Tage war der Prozess gegen einen laut Sachverständigen-Gutachten wohl nicht schuldfähigen 50-jährigen Werkzeugmacher angesetzt, der psychiatrisch behandelt wird. Er wurde aus der Untersuchungshaft in Handschellen zur Gerichtsverhandlung vorgeführt, die ihm auf Antrag seines Verteidigers Gerhard Glatt aus Birkenfeld dann abgenommen wurden. Bisher hatte er stets geleugnet, mit den Bränden etwas zu tun zu haben.

Voll geständig

Bildergalerie: Brand am Oberen Wingertweg

Vor der Auswärtigen Großen Strafkammer des Landgerichts Karlsruhe in Pforzheim unter Vorsitz von Richter Hermann Meyer räumte er am Montag erstmals die ihm von Staatsanwältin Carola Otto vergeworfenen Straftaten am 5. 7., 10. und 11. August 2009 ein, was nach Ansicht von Richter Meyer das Gerichtsverfahren erheblich verkürzen wird. Da jetzt nicht mehr alle vorgesehenen Zeugen gehört werden müssen und sich die Staatsanwaltschaft auf die Haupt-Straftaten beschränkt, wird ein Urteil bereits beim zweiten Termin am kommenden Mittwoch erwartet.

Es geht darum, ob der Beschuldigte in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht wird. Die Staatsanwältin Carola Otto geht von einer krankhaften seelischen Störung aus und sieht den Beschuldigten als „Gefahr für die Allgemeinheit“. Der Sachschaden wird auf rund 190.000 Euro geschätzt.

Meist zündete der Beschuldigte Autos, Motorroller oder Sperrmüllhaufen an, wobei es zu größeren Bränden in der Eutinger Gartenstadt, an der Enzstraße und am Oberen Wingertweg gekommen war. Ein Versuch an der Christophallee scheiterte, als er mit einem angezündeten Kontoauszug eine Vespa in Brand stecken wollte. Da der Kontoauszug, der auf seinen Namen ausgestellt war, nicht vollständig verbrannte, kam ihm die Polizei auf die Spur.

Der Lebenslauf des Angeklagten, der in Pforzheim geboren wurde, in Birkenfeld aufwuchs und fließend Englisch und Thailändisch spricht, ist ungewöhnlich. Unter anderem überführte er als Kleinunternehmer gebrauchte Lastwagen nach Afrika und Asien, die er dort gewinnbringend verkaufte. Er hatte eine eigene Reparaturwerkstatt für Autos und Motorräder in Thailand, wo er – wie er erklärte – selbst die Fahrzeuge der Königsfamilie gewartet habe. Später kam er wegen seines angeschlagenen Gesundheitszustandes nach Deutschland zurück.

Der zum dritten Mal verheiratete Mann, der von seiner jetzigen Frau aus Fernost getrennt lebt, baute nicht nur ihr ein Haus, sondern auch seinen beiden früheren Frauen. Seine erste Frau verließ er, weil sie angeblich schwarze Magie zusammen mit ihrer Familie betrieben hatte.