77. Frankfurter Buchmesse - Karl Schlögel
Für seine Arbeit und die Entwicklung methodischer Ansätze erhält Historiker Karl Schlögel den Reuchlin-Preis. dpa-Bildfunk
picture alliance/dpa
Pforzheim
Stadt Pforzheim ehrt Historiker Karl Schlögel mit Reuchlinpreis

Pforzheim. Im Dreijahresrhythmus verleiht die Stadt Pforzheim den Reuchlinpreis an herausragende, interdisziplinär forschende Geisteswissenschaftlerinnen und Geisteswissenschaftler und bewahrt so das geistige Erbe Johannes Reuchlins. Gleichzeitig stellt sie die Frage nach der gesellschaftspolitischen Bedeutung der Botschaften des sprachbegabten Universalgenies in Gegenwart und Zukunft. Am Samstag, 22. November, verleiht Oberbürgermeister Peter Boch um 11 Uhr im Theater Pforzheim den Reuchlinpreis an Karl Schlögel. Der vielfach ausgezeichnete Historiker erhielt erst kürzlich den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2025.

Die Preisverleihung beginnt mit einem musikalischen Beitrag des Südwestdeutschen Kammerorchesters Pforzheim. Nach der Begrüßung durch Oberbürgermeister Boch und einer Laudatio von Christoph Strohm von der Universität Heidelberg verleiht der Oberbürgermeister den Reuchlinpreis, bestehend aus einer Medaille und einer Urkunde, an den Historiker. Im Anschluss wird sich der Preisträger in das Goldene Buch der Stadt Pforzheim eintragen und seine Ansprache halten. Die Verleihung klingt mit einem weiteren musikalischen Beitrag aus.

Der Reuchlinpreis blickt auf eine 70-jährige Geschichte zurück. Anlässlich dieses Jubiläums werden Gäste anwesend sein, die bereits bei der ersten Verleihung des Reuchlinpreises im Jahr 1955 teilnahmen und mitwirkten.

Über den Preisträger

Nach seinem Studium der Philosophie, Soziologie, Osteuropäischen Geschichte und Slawistik an der Freien Universität Berlin entwickelte Schlögel eine Arbeitsweise, die ihn seither prägt: Er erschließt sich die Städte und Länder, die er erforscht, durch Reisen und längere Aufenthalte vor Ort. Auf diese Weise verbindet der Historiker kulturgeschichtliche Forschung mit wachen Beobachtungen des Alltags und legt in seinen Arbeiten eine Vielfalt historischer Perspektiven offen.

Seine zahlreichen Publikationen zur Geschichte Osteuropas haben Maßstäbe gesetzt. Besonders hervorzuheben sei das 2015 erstmals erschienene Buch „Entscheidung in Kiew. Ukrainische Lektionen“, in dem er seine methodischen Ansätze anwendet. Darin erkundet Schlögel mehrere ukrainische Städte und zeichnet dadurch ein vielgestaltiges und lebendiges Bild des Landes. Jede Stadt erhält darin ihr eigenes Profil, zugleich wird aber auch erkennbar, wie sehr die Ukraine insgesamt durch ihre Rolle als „Grenzland“ (so die deutsche Übersetzung ihres Namens) geprägt ist.

Der Reuchlinpreis ist eine Auszeichnung, die die Stadt Pforzheim 1955 anlässlich des 500. Geburtstages des bedeutendsten Sohnes der Stadt, Johannes Reuchlin, stiftete. Mit dem Preis wird die Arbeit eines deutschen Geisteswissenschaftlers ausgezeichnet, dessen Werk über die Grenzen seines Fachgebiets hinausweist. Dies ist ganz im Sinne Reuchlins, der seinerzeit als Inbegriff des Universalgelehrten galt.

In der Vergangenheit ging der Preis an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Bereichen Historik, Kunsthistorik, Philosophie, Philologie und Theologie, Politologie, Archäologie und Orientalistik. Bei der ersten Verleihung im Jahr 1955 war der damalige Bundespräsident Theodor Heuss anwesend. Der Vorschlag für die Preisträgerinnen und Preisträger erfolgt durch die Heidelberger Akademie der Wissenschaften an den Gemeinderat der Stadt Pforzheim.

Bürgerinnen und Bürger sind herzlich eingeladen, an der Preisverleihung teilzunehmen. Der Eintritt ist kostenfrei. Interessierte können Karten unter www.pforzheim.de/reuchlinpreis reservieren.