nach oben
Spritzig spielt nur das Orchester, von oben bleibt es weitgehend trocken: Timo Handschuh dirigiert das außergewöhnliche Spektakel. Foto: Tilo Keller
Spritzig spielt nur das Orchester, von oben bleibt es weitgehend trocken: Timo Handschuh dirigiert das außergewöhnliche Spektakel. Foto: Tilo Keller
Ein Mann der eher zarten Trompetentöne: Solist Jonathan Müller. Foto: Tilo Keller
Ein Mann der eher zarten Trompetentöne: Solist Jonathan Müller. Foto: Tilo Keller
Fulminanter Blickfang: das Feuerwerk zur Rossini-Ouvertüre. Foto: Tilo Keller
Fulminanter Blickfang: das Feuerwerk zur Rossini-Ouvertüre. Foto: Tilo Keller
Große und kleine Klassikfreunde lauschen vereint: Mehr als 1000 Besucher bevölkern den Stadtgarten. Foto: Tilo Keller
Große und kleine Klassikfreunde lauschen vereint: Mehr als 1000 Besucher bevölkern den Stadtgarten. Foto: Tilo Keller
09.07.2017

Südwestdeutsches Kammerorchester zündet musikalisches und echtes Feuerwerk

Pforzheim. Ein Open-Air-Knaller mit allem Drum und Dran ist das Feuerwerkskonzert des Südwestdeutschen Kammerorchesters Pforzheim im Rahmen der „Goldenen Momente“ im Stadtgarten – mit einem unvergesslichen Finale für alle Sinne. Mehr als 1000 Gäste lauschen auf Decken, Garten- und Campingstühlen, erleben Bühne und Bäume in stimmungsvollem Licht. Es herrscht eine lockere Atmosphäre, bei der just zwischen den Sätzen applaudiert wird.

Feuerwerk und Südwestdeutsches Kammerorchester begeistern

Da quasselt und läuft – wie schon bei Jay Alexander – eine Schar Kinder vor der Bühne, was die einen stört, die anderen nicht. Und da fallen mitunter auch ein paar Regentropfen, die angesichts des buchstäblich ins Wasser gefallenen Konzerts der Big Band „Brandheiß“ am Vorabend für bange Blicke gen Himmel sorgen. Um es gleich zu sagen: Es bleibt bei den paar Tropfen im ersten Teil. Die fleißig verteilten Regenponchos der Stadtwerke werden nicht benötigt. „Wir haben es bis zur Pause geschafft – fast ohne Regen“, hatte der Goldstadt-Jubiläumskoordinator Gerhard Baral eine Regenwolke angekündigt, die sich zu diesem Zeitpunkt auf Pforzheim zubewegte.

Die Entscheidung, zu bleiben und sich wie die Engländer nicht aufzuregen, hat sich gelohnt. Denn das Feuerwerk, das zum Finale mit Rossinis Ouvertüre zur Oper „Die seidene Leiter“ synchron zum Himmel steigt, lässt das Publikum staunen – und zusammenfahren. Denn kaum hat die Musik unter Timo Handschuhs Dirigat eingesetzt, schon schießen die ersten Raketen in die Luft. Mit Zunahme des Tempos wird es auch wilder am Himmel. Es kracht, riecht und nebelt, in leiseren Passagen von Violine oder Oboe knallt es manchmal heftig dazwischen. Doch das Orchester hält gut dagegen an, teils passt der Goldregen mit dem musikalischen Feuerwerk auf den Punkt genau. Geprobt werden konnte das vorher nicht. Der Feuerwerksmann hat aber nach Auskunft von Andreas Herrmann, Geschäftsführer des Südwestdeutschen, vorher eine Aufnahme erhalten und sich daran orientiert. So konnten Länge, Rhythmus und Effekte abgestimmt werden.

Mitreißende Zugabe

Nach dem fulminantem Effekt auf und über der Bühne brechen die Zuschauer in stehende Ovationen aus, die Zugabe könnte mit John Philip Sousas mitreißenden „Stars and Stripes Forever“ (Sterne und Streifen für immer) kaum passender sein. In Anlehnung an das Goldstadtjubiläum bringt das mit acht Bläsern aufgestockte SWDKO aber noch weitere Juwelen aus 250 Jahren Musikgeschichte zum Funkeln – darunter Süßmayrs Allegro aus der „Türkischen Sinfonie“. Pfiffig-heiter erklingt der Satz, mit spannenden Steigerungen, Wechseln und rhythmischen Triangel-Akzenten. Lebhaft auch die sowohl prachtvolle wie auch detailreiche Ouvertüre von Antonio Salieri zur Oper „Don Quichote auf der Hochzeit des Gamace“. In das eilige Treiben der Streicher funken die Hörner kraftvoll dazwischen, eine warme Passage fügt sich an, auch ein Violinakzent des Konzertmeisters – bevor es zurück zum betriebsamen Anfangsthema geht.

Bei drei Trompetenkonzerten von Telemann, Händel und Haydn wirkt der junge, sympathische Solotrompeter des Leipziger Gewandhauses, Jonathan Müller, mit. Ein Musiker der lauten Töne scheint er nicht zu sein, wenn er auch „Bourée“ und „Marsch“ der Händel-Suite D-Dur mit feierlichem Glanz versieht. Das Malerische, die feinen Verzierungen sind eher seine Sache, so etwa beim Adagio von Telemanns D-Dur-Konzert. Mit Handschuh am Cembalo bringt er die Melodie zum Leuchten. Für ein Open-Air-Konzert mit Nebengeräuschen wirkt sein Spiel aber ein wenig zu dünn, so auch bei Haydns Es-Dur-Konzert mit Pauken und Bläsersatz. Eine kurze Unsicherheit zeigt sich im kantablen, zweiten Satz, der dritte gelingt mit Schmiss und Leichtigkeit. Kulturbürgermeisterin Sibylle Schüssler hatte recht: Das war „ein weiterer Glanzpunkt“.