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Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, in seinen Praxisräumen 40 Mal Geschlechtsverkehr mit seiner an einer posttraumatischen Belastungsstörung und Depressionen leidenden Patientin gehabt zu haben – und dabei ihre Abhängigkeit und ihren eingeschränkten Abwehrwillen ausgenutzt zu haben. Symbolfoto: Pixabay
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, in seinen Praxisräumen 40 Mal Geschlechtsverkehr mit seiner an einer posttraumatischen Belastungsstörung und Depressionen leidenden Patientin gehabt zu haben – und dabei ihre Abhängigkeit und ihren eingeschränkten Abwehrwillen ausgenutzt zu haben. Symbolfoto: Pixabay
10.04.2018

Tantra-Sex als Therapie? Psychotherapeut soll Sex mit Patientin gehabt haben

Pforzheim. Als „Pornofilm“ bezeichnen Staatsanwaltschaft und Nebenklage jenen Streifen, den sich das Schöffengericht unter dem Vorsitz von Oliver Weik ansehen muss. Mit einem Auszug aus dem Video „Der Weg zum weiblichen Orgasmus“, will ein Psychotherapeut die tantrische Körpertherapie verständlich machen und damit zu seiner Verteidigung beitragen. Denn der 67-Jährige muss sich wegen sexuellen Missbrauchs vor Gericht verantworten.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, in seinen Praxisräumen 40 Mal Geschlechtsverkehr mit seiner an einer posttraumatischen Belastungsstörung und Depressionen leidenden Patientin gehabt zu haben – und dabei ihre Abhängigkeit und ihren eingeschränkten Abwehrwillen ausgenutzt zu haben.

Martin H. (Name geändert) indes sieht sich als Opfer eines Racheakts. Sichtlich mitgenommen schildert er das Therapieverhältnis, das sich für ihn als „Katastrophe“ und „größter Fehler“ seines Lebens entpuppt habe. Ihm zufolge hat Manuela G. (Name geändert) selbst den Wunsch nach tantrischer Körpertherapie geäußert, die die zärtliche Massage im Genitalbereich miteinbeziehe. Trotz rechtlicher Bedenken habe er sich auf das Experiment eingelassen und sie habe es dankbar angenommen. Jedoch sei seiner Patientin die Vaginalmassage bald nicht mehr lustvoll genug gewesen, sie habe einen Orgasmus erleben wollen.

Dies habe sich jedoch auf engen Kontakt im Becken beschränkt, sagt Martin H, der vehement abstreitet, mit Manuela G. Geschlechtsverkehr gehabt zu haben. Körperkontakt und Stimulation waren aus seiner Sicht die einzig erfolgreichen Therapiemethoden bei seiner Patientin, die stets selbst habe entscheiden können und die die Behandlung zunächst auch als „unbezahlbar“ bezeichnet habe. Doch dann hätten sich bei ihr Fantasien entwickelt, die über eine therapeutische Beziehung hinausgehen, und er habe sich daraufhin zurückgezogen. „Mit dem Strafantrag hat sie sich an mir gerächt für die Zurückweisung“, glaubt Martin H. Der Prozess wird am Donnerstag, 19. April, um 13.30 Uhr fortgesetzt.

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