Pforzheim. Zehn Monate intensive Probenzeit. Zwei Vorstellungen und 17 junge Menschen, die ein Mystery-Stück auf die Bühne zaubern: Am Theater Pforzheim feiert „Something Wicked This Way Comes“ am Freitag, 25. Juli, ab 19.30 Uhr, Uraufführung. Regisseur Hakan T. Aslan erzählt auf Fragen von Sabine Hägele, was es mit dem Jugendprojekt „TheaterINSIDER“ auf sich hat.
Pforzheimer Zeitung: Konnte man bei den Teilnehmenden seit dem Start im Oktober 2024 eine Entwicklung feststellen?
Hakan T. Aslan: Oh ja – und wie. Ich bin stolz auf die „Kids“, wie verantwortungsbewusst sie trotz vieler Verpflichtungen mit dem Projekt umgehen. Bei jedem Einzelnen sind enorme Schritte passiert. Sie haben Vertrauen in uns, aber vor allem auch in sich selbst gewonnen und den Raum des Theaters, als Möglichkeit der kreativen Entfaltung erkannt. Aber auch abseits der Bühne erkennt man eine Gruppenstärke.


„Grüntöne“ in Pforzheim: Kulturgenuss unter freiem Himmel
Welche Kompetenzen werden bei den Teilnehmern gestärkt?
Hier passiert so viel mehr mit einem selbst als nur Sprechtechniken und Bühnenpräsenz zu erlernen. Zu den wichtigsten Kompetenzen gehören die Förderung von Selbstbewusstsein, Kreativität, Ausdrucks-, Team- und Kommunikationsfähigkeit, Empathie und sogar Problemlösungsfähigkeiten.
Gibt es Dinge, die anders gelaufen sind, als Sie gedacht haben?
Theater und gerade ein Probenprozess bieten immer sehr viele unvorhersehbare Aspekte. Wir arbeiten mit Menschen und nicht mit Maschinen.
Was sind die Grenzen bei solch’ einem Projekt?
Früh haben wir die drei V-Prinzipien für alle festgelegt. Verbindlichkeit, Vertrauen und Verabredungen sind eng miteinander verwoben und spielen im sozialen und beruflichen Umfeld eine wichtige Rolle. Wir arbeiten in einer respektvollen Atmosphäre. Und kein Handy bei der Probe.


„Glanzlichter-Gala“: Theater zeigt mitreißendes Saisonfinale mit Oper und Musical
Was erwartet das Publikum bei der Vorstellung?
In erster Linie ein engagiertes junges Ensemble, das die Materie des Stücks angenommen hat und die Zuschauenden auf eine Reise der Emotionen mitnimmt.
Warum hat sich das Stück für die Umsetzung gut geeignet?
Im Stück geht es um alltägliche Probleme: das Alter, Freundschaften, Sehnsüchte. Ums Zuhören und Verstandenwerden wollen, aber auch, um sich Zeit zu nehmen für andere und für sich selbst. Jeder der Teilnehmenden hat seinen eigenen Zugang zum Stück und konnte sich hier auch wiederfinden. Durch die sphärische und fantasievolle dunkle Vorlage, die Dramatisierung des Bradbury Romans von Swantje Willems, konnten wir so in eine fiktionale Welt eintreten.
Wie können auf Dauer noch mehr Jugendliche durch solche Projekte gestärkt werden?
Durch direkte Ansprache. Sprachlich durchlässig und mit kultur- und alters-diversen Formaten.
Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die Teilhabe an Kultur nicht nur die Integration fördert, sondern auch Türen öffnet. Die Theater und die Politik tragen hier eine große Verantwortung. Aber auch wir Theatermacher, in dem wir den Jugendlichen bewusst zuhören. Ein „Zeigefinger-Ansatz“, also ein „Ich erkläre euch mal, wie es richtig läuft…“ ist hierbei gefährlich. Wir müssen uns alle miteinander mehr mit den Heranwachsenden auseinandersetzen und hinhören und ihnen ein Mitspracherecht geben.


Die Innenstadt wird zur großen Bühne: Figurentheater in der Fußgängerzone
Warum eignet sich gerade Theater besonders gut für die Stärkung der Persönlichkeit?
Für mich ist das Theater ein Raum, der die menschliche Fantasie beflügelt und zur Entfaltung kreativer Prozesse anregt.
Es ist ein Ort, an dem Grenzen überschritten, neue Perspektiven eingenommen und eigene Realitäten erschaffen werden können. Durch das Eintauchen in Geschichten und das Erleben von Emotionen auf der Bühne wird die Fantasie der Zuschauer angeregt und zu neuen Gedankenimpulsen angestiftet. Theater im Generellen stärkt die Persönlichkeit jedes einzelnen Teilnehmenden und eignet sich daher so gut als Ort der Jugendförderung.

