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Hatten etliche Tiergedichte und Kalauer, Anekdoten und wissenschaftliche Erkenntnisse ins PZ-Forum mitgebracht. Daraus zauberten Martin Seidler (links) und Mario Ludwig einen höchst vergnüglichen Abend.   Foto: Seibel
Hatten etliche Tiergedichte und Kalauer, Anekdoten und wissenschaftliche Erkenntnisse ins PZ-Forum mitgebracht. Daraus zauberten Martin Seidler (links) und Mario Ludwig einen höchst vergnüglichen Abend. Foto: Seibel
03.03.2017

Tiere sind auch nur Menschen: Vergnüglicher Abend mit Martin Seidler und Mario Ludwig

Pforzheim. Wenn zwei sich wie Hund und Katz vertragen, macht man besser einen Bogen um die Streithähne und ihr Affentheater. Und sollte der eine Hundehalter und der andere Katzenliebhaber sein, dann werden da nicht nur die Hauer gefletscht, dann fahren die Krallen aus und die Gehörne krachen aufeinander. Man braucht nur einen Abend mit dem tierisch guten Duo Martin Seidler und Mario Ludwig im PZ-Forum zu erleben, und schon purzeln einem die Metaphern und Phrasen aus der Tierwelt nur so aus der Feder. „Tiere sind auch nur Menschen“ lautete das Motto ihrer Show aus Gedichten, Kalauern und neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen aus der oft abseitigen Welt der Tiere.

Wie Hund und Katz verhalten sich Seidler – das ist der mit „Sitz!“ und „Platz!“ und dem „Senfhund“ Paco aus Mallorca – und Ludwig – das ist der beflissene Dosenöffner für seinen Stubentiger Spikey – nicht, eher schon pflegen sie ihre unterschiedlichen Vorlieben, die immer wieder als Anlass dienen, noch ein Heinz-Erhardt-Gedicht oder noch eine Borstenwurm-Geschichte vorzutragen.

Ganz vorsichtig fangen sie an. Sehr solide, sehr seriös. Seidler trägt Gedichte vor, insbesondere von Heinz Erhardt und Rainer Maria Rilke. Selbstverständlich lässt er da noch einmal das große Leid der legendären Erhardt-Made, die „hinter eines Baumes Rinde“ lebt, Revue passieren. Beim wechselseitigen Vortrag mit einer mutigen und textsicheren Zuschauerin stimmen auch etliche andere Freunde der sa-tierischen Lyrik mit ein. Ludwig dagegen klärt auf, warum Katzen CDU wählen würden. Sein Beispiel ist sein konservativer Kater Spikey, dessen Alltag wie ein Schweizer Uhrwerk getaktet ist und der daher keine Störungen mag. Selbst wenn dadurch das Lebensglück des Nachbarn ruiniert wird, weil Spikey in die Handtasche seiner neuen Frau pinkelt und diese dann die Beziehung beendet.

Im Verlauf des Abends wird es dann immer animalischer. Dann werden die großen Themen des tierischen Lebens angepackt. Und im Grunde lässt sich in der Fauna alles aufs Fressen und aufs Vermehren reduzieren. Letzteres wurde dann witzig, ironisch, aber nie schlüpfrig abgehandelt. Da werden australische Schaben-Männchen ins Bühnenlicht gerückt, die sich in Bierflaschen verlieben und dabei die Weibchen der eigenen Art sträflich vernachlässigen. Oder Schwanen-Weibchen, die ein Tretboot in Form eines Höckerschwans einem echten Vogelmännchen vorziehen. Und dann ist da noch so ein kleiner, urtümlicher Wurm, bei denen gilt: Entfernt man dem Weibchen den Kopf, überlebt der Restwurm als Männchen. Da mussten nicht nur die Feministinnen im Publikum mitlachen.

Seidler und Ludwig trafen mit ernsten Tönen und frechen Pointen genau die richtige Mischung für einen tierisch guten Abend.