Pforzheim. Auf 72 Seiten blickt das Stadtarchiv Pforzheim auf den Tornado zurück, der Pforzheim vor knapp 50 Jahren heimsuchte. Das Buch ist eine Dokumentation des Schreckens, aber auch der vielen Hilfsleistungen - und es wartet mit einigen Überraschungen auf.
„Ich bin in diesem Moment nicht betrunken“, steht in dem Brief einer Pforzheimerin an ihren Mann. Zu unglaublich klingt das, was sie ihm in den folgenden Zeilen schildert. Entstanden sind sie am 11. Juli 1968 um 2 Uhr – gut vier Stunden, nachdem ein Tornado die Goldstadt verwüstet hat.
„Stell dir vor, vom Sedanplatz bis zum Kupferhammer kein Baum mehr mit Krone“, schreibt sie. Und weiter: „Ab Schwarzwaldpost bis zur Kupferhammerbrücke kann man es nicht schildern. Da ist nichts mehr ganz. Autos aufeinander. O-Bus-Leitung auf dem Boden. Brückengeländer weg, Balkone weg. Alle Autos Totalschaden. Verletzte, Verletzte.“ Dokumentiert ist der Brief in dem Buch über den Tornado, das seit Freitag im Handel erhältlich ist.
Welche Solidarität im Großen wie im Kleinen herrschte, wird in Kapitel 7 des Buchs deutlich. Dort ist nachzulesen, dass 1 361 064 D-Mark (695 900,77 Euro) gespendet wurden. Darunter 401 222,18 DM bei der Ziegelspendenaktion des Süddeutschen Rundfunks, 286 000 DM durch Solidaritätsspenden anderer Städte und 10 000 DM von Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger. Aber auch die Friseure unterstützten ihre betroffenen Kollegen mit 9000 Euro – und bei einem Benefizspiel mit dem Weltmeister Horst Eckel kamen 1538 DM zusammen.
Das Buch „Der Pforzheimer Tornado vom 10. Juli 1968 – ,Die Bäume liegen im Wohnzimmer und die Möbel im Garten‘“ ist in Buchhandlungen, dem Stadtarchiv und in der Tourist-Info erhältlich. 72 Seiten, Verlag regionalkultur, 9,90 Euro, ISBN 978-3-95505-098-6
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