In goldenen Lettern ist der Schriftzug „Hotel Ruf“ vor schmucker Fassade keine Mogelpackung mehr: hier können wieder Gäste übernachten. Frei
Die Türen sind (noch) die alten, doch der Zugangsbereich zum „Novum Hotel Ruf“ ist aufgewertet worden.
Pforzheim
Traditionsreiches Haus am Bahnhofplatz wieder als Hotel eröffnet
  • Thomas Frei

Bekanntlich sind es Scherben, die Glück bringen sollen, aber vielleicht ist es auch mal ein verstopftes Wasserrohr. Denn die Wiedereröffnung des „Ruf“ als Hotel wurde von „einer Reparatur sozusagen am offenen Herzen begleitet.

Es hätte nicht schlimmer kommen können“, sagt Thomas Köhler, der geschäftsführende Gesellschafter der Jubema Haus- und Vermögensverwaltung, die im traditionsreichen Gebäude den Hotelbereich betreut. Denn das „Ruf“ war ausgebucht – ein Auftakt nach Maß, verbunden mit der Hoffnung auf bessere Zeiten.

In den vergangenen Jahren als Studentenwohnungen vermietet, sind seit Mitte Oktober wieder Übernachtungsgäste ins „Novum Hotel Ruf Pforzheim“ eingezogen. „Und es lief trotz der widrigen Umstände mit den Reparaturarbeiten gut, die Gäste hatten großes Verständnis“, sagt Köhler, der nach eigenen Worten nun „Ex-Hoteldirektor“ ist.

Schnell wachsende Gruppe

Es war eine Überraschung, als Anfang des Jahres von David Etmenan, dem Chef der Novum Group, bekanntgegeben wurde, dass die Expansion des Hotelbereichs beschleunigt worden sei. Er und sein Team hätten acht neue Hotels auf den Weg gebracht, darunter das „Novum Hotel Ruf Pforzheim“. Damit wachse die Hotelgruppe auf 122 Häuser in Europa. Mittlerweile gehören zur Gruppe 151 Hotels mit 17 000 Zimmern an 61 Standorten in Deutschland und im Ausland. Dazu wurde im Oktober eine neue Dachmarke „Novum Hospitality“ mit den drei Marken „Novum Hotels“, „Select Hotels“ und „niu Hotels“ gegründet. Und das in Hamburg ansässige, familiengeführte Unternehmen, das 1988 gegründet wurde, hat sich eine anspruchsvolle Messlatte gesetzt: 200 Hotels bis zum Jahr 2020.

Das „Ruf“, 1909 am Bahnhofplatz eröffnet, war nicht nur damals die erste Adresse in der Goldstadt. Mit dem Restaurant „Schüttelfass“ und der Bar „Zifferblättle“ blieb das Hotel, das beim Luftangriff am 23. Februar 1945 schwer beschädigt worden war, nach dem Wiederaufbau d e r Treffpunkt der Pforzheimer Gesellschaft, der Fabrikanten und ihrer Kunden sowie als Übernachtungsstätte für Gäste aus aller Welt.

Das „Ruf“ war bis zum Bau des Hotels „Goldene Pforte“ das „Vorzeigehaus“ in Pforzheim. 1981 wurde die Immobilie von der Unternehmergruppe Ringwald und Winkler (Freudenstadt) erworben, die aus den 55 Zimmern ein Anlagemodell für Privatinvestoren machte. Als Rudi Winkler in den Strudel des Bankhaus-Konkurses von Heinz Steinhart (1988) geriet, kam auch das „Aus“ für das „Ruf“. Es folgten Versteigerungen und Verkäufe, weil die neuen Besitzer in Zahlungsschwierigkeiten gerieten. Die Jubema verwaltete die Zimmer und schuf mit einer Fassadensanierung zumindest nach außen neuen Glanz. Weitere Räumlichkeiten im Gebäude gehören unterschiedlichen Besitzern. So auch das ehemalige „Schüttelfass“, das mit indischer Küche einen neuen Pächter fand.

Alle Räume neu eingerichtet

Als das „Ruf“ wegen seiner Lage am Hauptbahnhof und fußläufig zur Innenstadt ins Blickfeld der Novum Group geriet, musste Thomas Köhler nicht lange überlegen. Es wurde ein Mietvertrag über 20 Jahre mit Option geschlossen. Doch bis das „Novum Hotel Ruf“ als Drei-Sterne-Haus eröffnet werden konnte, waren die Zimmer samt der Bäder von der Jubema nach Vorgaben aus Hamburg völlig neu gestaltet worden – postmodern, in Grau- und Türkistönen. Zudem wurde ein Frühstücksraum für die Gäste eingerichtet. Rund 600 000 Euro waren dazu in den vergangenen Monaten für die Neueröffnung investiert worden.

www.novumgroup.de