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In Pforzheim zu Hause, an der Lameystraße daheim: der ehemalige Bürgermeister Fritz Wurster 2012 an der Seite seiner Ehefrau Angelika. Auf vielfältige Weise hat der Kommunalpolitiker die Stadt vorangebracht. Seibel/Ketterl/PZ-Archiv
In Pforzheim zu Hause, an der Lameystraße daheim: der ehemalige Bürgermeister Fritz Wurster 2012 an der Seite seiner Ehefrau Angelika. Auf vielfältige Weise hat der Kommunalpolitiker die Stadt vorangebracht. Seibel/Ketterl/PZ-Archiv
Parteifreunde und Weggefährten: Stefan Mappus gratuliert Fritz Wurster beim Empfang zu dessen 90. Geburtstag im Reuchlinhaus.
Parteifreunde und Weggefährten: Stefan Mappus gratuliert Fritz Wurster beim Empfang zu dessen 90. Geburtstag im Reuchlinhaus.
Das Technische Museum war ihm eine Herzensangelegenheit: Wurster (links) 1987 mit dessen Leiter Max Höckele.
Das Technische Museum war ihm eine Herzensangelegenheit: Wurster (links) 1987 mit dessen Leiter Max Höckele.
1985 schenkt der damalige Erste Bürgermeister Albert Klein (rechts) Wurster ein Plakat von der Landtagswahl 1968.
1985 schenkt der damalige Erste Bürgermeister Albert Klein (rechts) Wurster ein Plakat von der Landtagswahl 1968.
10.04.2016

Trauer um großen Pforzheimer: Früherer Bürgermeister Fritz Wurster ist tot

Über Jahrzehnte hat Fritz Wurster die Entwicklung seiner Heimatstadt mitgestaltet und bis zuletzt interessiert verfolgt und gern kommentiert – zumal dann, wenn er sie hautnah miterlebte. Im Juni 2014 würdigte er im PZ-Gespräch die Leistung der Einsatzkräfte, die im Rodgebiet unweit seines Wohnhauses an der Lameystraße eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entschärften und bargen. Eben dieser Krieg und dessen Folgen haben Fritz Wurster beruflich wie privat geprägt. Eine bemerkenswerte Lebensgeschichte endet. Am Samstag ist der frühere Bürgermeister im Alter von 94 Jahren gestorben.

Mehr Sein als Schein

Dass es ein großer Pforzheimer ist, von dem die Stadt Abschied nehmen muss, zeigen die Reaktionen von Weggefährten. „Es ging ihm nicht wie so vielen in der Politik heute zuerst um den Schein, sondern um das Sein, das Machen“, sagt der frühere Ministerpräsident Stefan Mappus: „Wir bräuchten mehr denn je solche Charaktere.“ Wurster habe zu jener Generation von politisch Tätigen gehört, die dieses Land aufgebaut und zu dem gemacht hätten, was es heute ist. „Er wird uns sehr fehlen.“

Tatsächlich standen die Vorzeichen alles andere als gut für eine solch eindrucksvolle politische Karriere. Wurster, 1922 in Brötzingen geboren und in einfachen Verhältnissen aufgewachsen, strebte nach einer Verwaltungslehre ein Studium an, als er zum Kriegsdienst eingezogen wurde. Nach Gefangenschaft und Flucht fand er die Heimat in Trümmern. Zunächst blieb nur, in der Landwirtschaft und als Bauhilfsarbeiter anzupacken. Die Begegnung mit einem hiesigen Bauunternehmer war im positiven Sinne folgenschwer. Jener überzeugte ihn, der CDU beizutreten. Bereits im Juni 1946 wurde Wurster Geschäftsführer des CDU-Kreisverbands, 1949 Sekretär des Bundestagsabgeordneten Gottfried Leonhardt. Als 29-Jähriger schaffte er 1951 den Sprung in den Gemeinderat, übernahm später den Vorsitz der Fraktion. Von 1954 bis 1969 führte er die Geschäfte der Handwerkskammer. 1960 zog Wurster in den Landtag ein, dem er bis 1972 angehörte. Der Weg in den Bundestag stand offen, doch Pforzheims Wurzeln waren stärker. 1969 wurde er zum Bürgermeister für Kultur, Sport, Soziales und Schule gewählt, der er bis 1987 blieb. Gut 70 Jahre hielt er der CDU die Treue.

Einen Wiederaufbauer und Problemlöser nannte OB Gert Hager den Verwaltungsmann bei der Feier zum 90. Geburtstag. In Wursters Ära fielen etwa die Neustrukturierung des Südwestdeutschen Kammerorchesters, die Ertüchtigung der Sportanlagen, die Aufwertung des Schulstandorts, das Führen des Schmuckmuseums zu Weltruf und die Grundsteinlegung des Theaters. Als „Christdemokrat der allerersten Stunde“ habe Wurster die Nachkriegsgeschichte maßgeblich mitgeprägt, sagt der CDU-Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Gunther Krichbaum und würdigt insbesondere die Verdienste im Schul- und Kulturbereich. Der Ehrenvorsitzende habe aktuelle Debatten verfolgt und noch in der Woche nach der Landtagswahl im März an der Sitzung des Kreisvorstands teilgenommen. „Sein politischer Scharfsinn, sein kritischer Geist und sein reichhaltiger Erfahrungsschatz machten ihn zum geschätzten Ratgeber, den wir schmerzlich vermissen werden“, so Krichbaum, dessen Mitgefühl den Angehörigen, vor allem Wursters Frau Angelika und den Kindern, gilt. „Sein feines Gespür für die Stimmung in Pforzheim und seine Leidenschaft für die kommunalpolitische Entwicklung unserer Stadt haben mich immer beeindruckt“, sagt CDU-Fraktionschef Florentin Goldmann. Wurster selbst sah sich zeitlebens eher als Mann der Tat denn der großen Worte. Längst im Ruhestand, wirkte er weiter – als Geschäftsführer des Schiller-Gymnasiums und als ehrenamtlicher Leiter des Technischen Museums.

Der Termin für die Beisetzung stand am Sonntag noch nicht fest.