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Sie diskutierten im Lebenshilfehaus über den Umgang mit Langzeitarbeitslosigkeit (von links): Katja Mast (SPD), Christian Bäumler (CDU), Moderator Ralf Nuglisch vom Paritätischen Wohlfahrtsverband Baden-Württemberg, Beate Müller-Gemmeke (Grüne) und Jessica Tatti (Linke). Foto: Falk
Sie diskutierten im Lebenshilfehaus über den Umgang mit Langzeitarbeitslosigkeit (von links): Katja Mast (SPD), Christian Bäumler (CDU), Moderator Ralf Nuglisch vom Paritätischen Wohlfahrtsverband Baden-Württemberg, Beate Müller-Gemmeke (Grüne) und Jessica Tatti (Linke). Foto: Falk
12.09.2017

Über den Wert der Arbeit

In Pforzheim sind fast 7000 Menschen auf der Suche nach Arbeit (Stand Juli 2017). Viele, gerade Langzeitarbeitslose, tun sich schwer mit dem Wiedereinstieg oder der Suche nach einem Job. Was die Parteien tun wollen, um diese Menschen nachhaltig zurück auf den Arbeitsmarkt zu bringen, haben gestern auf Einladung des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Pforzheim/Enzkreis Katja Mast (SPD), Christian Bäumler (CDU), Beate Müller-Gemmeke (Grüne) und Jessica Tatti (Linke) im Lebenshilfehaus diskutiert. Moderiert wurde die Runde von Ralf Nuglisch vom Wohlfahrtsverband.

Der stellte zu Beginn gleich fest: „Die Arbeit ist einer der wichtigsten Werte in unserer Gesellschaft.“ Ein Punkt, in dem sich auch die Vertreter der vier Parteien einig waren. Katja Mast etwa, Bundestagsabgeordnete und sozialpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Bund, hat in der eigenen Familie früh erfahren, welchen Stellenwert Arbeit hat. Ihre Mutter habe jeden Tag eine Schule geputzt, dabei sei der Lohn kaum größer ausgefallen als die Sozialleistungen, die sie ohne Arbeit hätte beziehen können.

Teilhabe an der Gesellschaft

Als eine Grundlage des menschlichen Seins bezeichnete auch Christian Bäumler (CDU), von Beruf Richter und seit 2015 Mitglied im Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss, die berufliche Tätigkeit.

Beate Müller-Gemmekes Motto lautet: „Alle Menschen brauchen Chancen und Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt.“ Die Bundestagsabgeordnete der Grünen ist Sozialpädagogin. Für Jessica Tatti, die für „Die Linke“ im Kreis Reutlingen in den Bundestag einziehen möchte, steht an erster Stelle: „Alle Menschen müssen von ihrer Arbeit gut leben können.“ Um das zu gewährleisten, sieht Müller-Gemmeke nur eine Möglichkeit: einen inklusvien Arbeitsmarkt für alle.

Dieser unterstützt vor allem Langzeitarbeitslose beim Finden einer passenden Beschäftigung und begleitet die Menschen auch im Berufsleben noch weiterhin. Ein entscheidender Punkt, glaubt auch Katja Mast. Sie meint, dass ehemalige Langzeitarbeitslose und ihre neuen Arbeitgeber mit der Situation nicht alleine gelassen werden dürften. Vor allem kleinen und mittelständischen Betrieben soll die Sozialarbeit abgenommen werden.

Kritik an Arbeit im Bund

Leider, so Müller-Gemmeke weiter, sei Deutschland von einem inklusiven Arbeitsmarkt noch meilenweit entfernt. Für Linken-Kandidatin Tatti ist das Gefühl von Sicherheit am Arbeitsplatz ein ganz entscheidendes – sowohl aus materieller Sicht als auch im Krankheitsfall oder im Alter. Stattdessen würden gerade Langzeitarbeitslose in Leiharbeit und Minijobs gedrängt. Tatti kritisierte die Arbeit der Großen Koalition von CDU und SPD beim Thema Arbeit auf Bundesebene – es sei nichts erreicht worden. Eine „unredliche Unterstellung“, konterte Mast und verwies auf das Programm der sozialen Teilhabe am Arbeitsmarkt, die Arbeitsverhältnisse Langzeitarbeitsloser mit gesundheitlichen Einschränkungen oder minderjährigen Kindern im Haushalt fördert.

„Die Arbeitslosenzahlen sind immer noch schlecht“, griff Bäumler in die Diskussion ein. Zwar habe die Große Koalition etwas verändern können, aber nicht genug. Grünen-Abgeordnete Müller-Gemmeke glaubt: „Wir brauchen kein neues Programm, sondern einen Perspektivwechsel.“ Jeder müsse mit seinen Stärken einen Platz in der Arbeitswelt finden.