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Intendant Thomas Münstermann ist entsetzt. In der Nacht haben Unbekannte den Schriftzug "Ukraina Nazi" ans Theater Pforzheim gesprüht. 

"Ukraina Nazi": Unbekannte beschmieren Stadttheater und weitere Wände in Pforzheim

Pforzheim. Thomas Münstermann ist entsetzt. In der Nacht auf Samstag haben Unbekannte den Schriftzug "Ukraina Nazi" ans Pforzheimer Theater gesprüht - direkt unter die in Deutsch, Ukrainisch und Russisch verfasste Friedensbotschaft "Theater gegen Krieg".

"Wir verurteilen das natürlich aufs Schärfste und werden diese Botschaft sofort verdecken. Wir hoffen, dass die Täter sehr schnell gefasst und einer Strafe zugeführt werden. Solche Parolen haben in unserer Gesellschaft, in unserem Land, nichts zu suchen", macht der Intendant gegenüber der PZ deutlich.

Dabei ist die Theaterwand am Waisenhausplatz nur einer von vielen Orten, an welchem die Täter - laut Polizei im Zeitraum zwischen 22 Uhr am Freitagabend und 7.30 Uhr am Samstagmorgen - im Schatten der Dunkelheit ihre Schmierereien angebracht haben. Zwischen Theater, Parkhotel und dem Emma-Jaeger-Bad wurden gleich mehrere Fassaden verunstaltet. Der entstandene Sachschaden beläuft sich nach ersten Schätzungen auf rund 5.000 Euro.

Täter kennzeichnen Botschaften mit sowjetischem Symbol

"Ukraina Nazi" oder auch "Nazi Ukraina" sind immer wieder zu lesen. Doch auch andere Botschaften wie "1. Mai Tag der Wut", "Imperialismus bekämpfen", "Heraus zum 1. Mai" und "Miese Löhne? Auf die Straße! 1. Mai" haben die Täter hinterlassen.

Auffällig dabei: Neben ihren Schriftzügen haben die Unbekannten fast überall die beiden Werkzeuge Hammer und Sichel in gekreuzter Form gemalt. Dies gilt neben dem roten Stern und der roten Fahne als das bekannteste und verbreitetste Symbol des Kommunismus und zierte einst auch die Flagge und das Wappen der ehemaligen Sowjetunion. 

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Bildergalerie

"Ukraina Nazi" und kommunistisches Symbol an Wände im Pforzheimer Stadtgebiet gesprüht

Den Zusammenbruch dieser hatte Russlands Präsident Wladimir Putin in der Vergangenheit als "größte geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts" bezeichnet. In der Ukraine sind das Zeichen von Hammer und Sichel sowie andere sowjetische Symbole und kommunistische Propaganda seit 2015 verboten.

Botschaft durch Friedensbanner verdeckt

Beim Theater Pforzheim will man sich durch die Schmierereien indes nicht entmutigen lassen. Vielmehr bestärke dies die Notwendigkeit der aktuellen künstlerischen Aktionen wie die regelmäßig stattfindende Friedensmahnwache mit Programmbeteiligung des Ensembles. 

Auch in Zukunft werde diese jeweils freitagnachmittags mit nun noch größerer Entschiedenheit realisiert werden, gab Peter Oppermann, Chefdramaturg und Stellvertretender Intendant, in einer Pressemitteilung bekannt.

Der Schriftzug "Ukraina Nazi" wurde im Laufe des Samstags durch das herunterfahrbare Friedensbanner verdeckt. Außerdem stellte die Theaterleitung Strafanzeige. 

Sven Sartison

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Thomas Meyer

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